Eisenstadt

Erstellt am 27. April 2018, 08:50

von APA/Red

Sonderschau zum "Schicksalsjahr 1938" eröffnet. Mit einer Donnerstagabend in Eisenstadt eröffneten Sonderausstellung gedenkt das Burgenland einem besonders dunklen Kapitel seiner Geschichte:

Die vom Landesmuseum Burgenland und vom Österreichischen Jüdischen Museum gemeinsam gestaltete Schau "Schicksalsjahr 1938 - NS-Herrschaft im Burgenland" richtet den Blick auf das Geschehen rund um den "Anschluss" und dessen Folgen.

Früher als in anderen Bundesländern, am Abend des 11. März 1938, griffen die Nationalsozialisten im Burgenland nach der Macht. Sofort setzte auch die Vertreibung der Juden ein. Bei der Volksabstimmung stimmten 99,71 Prozent der Burgenländer für den "Anschluss".

Mit einer Vielzahl von Exponaten, Bildern sowie Filmen und Interviews von Zeitzeugen will die Ausstellung dem Betrachter einen Blick auf das Geschehen eröffnen, dass sich in den Stunden und ersten Tagen der nationalsozialistischen Machtergreifung vollzog.

"Man muss aus der Geschichte lernen, wenn man mit der Zukunft zurecht kommen will."

Auf den Boden geschriebene Zitate führen durch die Ausstellung. In einem Raum werden Biografien von Tätern und Opfern geschildert. In die Ausstellung integriert sind auch drei Zeitzeugenprojekte, bei denen burgenländische Roma, jüdische Exilanten und Menschen, welche die NS-Zeit als Kinder und Jugendliche erlebt haben, zu Wort kommen.

Eine dreidimensionale, interaktive Installation ermöglicht es, burgenländische Synagogen und Beträume aus dem Blickwinkel des 18. Jahrhunderts zu besuchen. "Wir lassen auch in einem hohes Maß Originalexponate aus der Zeit sprechen. Circa 300 sind es in der Ausstellung", erläuterte Kurator Dieter Szorger. Auch Dokumente aus dem Jüdischen Zentralarchiv werden gezeigt.

Den Blick auf die damaligen Ereignisse zu richten, heiße, auch etwas Gutes für unsere Zukunft zu tun, stellte Alt-Bundespräsident Heinz Fischer fest: "Nämlich, den Wert der Demokratie zu erkennen, den Wert zu erkennen, dass man ein freies, selbstständiges Land sein kann. Man muss aus der Geschichte lernen, wenn man mit der Zukunft zurecht kommen will."

Niessl: "Wir haben die Verantwortung des Erinnerns"

Auch 80 Jahre nach dem "Anschluss" müsse man sich "dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte stellen", sagte Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ): "Wir haben die Verantwortung des Erinnerns."

Die Erinnerungspolitik und Gedenkkultur in Österreich und im Burgenland sei lange Zeit von "Verschweigen, Verdrängung und Bagatellisierung" geprägt gewesen: "Auch in unserem Heimatland, dem Burgenland, wurde kaum darüber gesprochen, dass auch viele Burgenländer mitschuldig geworden sind. Das hat sich in den vergangenen Jahren doch verändert", so Niessl.