Update am 17. April 2018, 20:02

von Jutta Hahslinger

Tödlicher Bootsunfall: Angeklagter beteuert Unschuld. Unter regem Medieninteresse begann am Dienstag in Klagenfurt der Prozess zum Bootsunfall auf dem Wörthersee, bei dem zu Pfingsten 2017 der Kremser Bauunternehmer Manfred Schroll (44) ums Leben gekommen ist.  

Angeklagt ist ein Unternehmer (45) aus Niederösterreich, der zum Zeitpunkt des Unfalls das Boot – mit 1,2 Promille – mit einer Freundesrunde gelenkt haben soll.

Den Fehler, alkoholisiert das Boot gesteuert und einige Fahrmanöver wie Achter und Ringer durchgeführt zu haben, räumt der Angeklagte ein, für den Tod seines langjährigen Freundes Manfred will er aber nicht verantwortlich sein. „Nicht schuldig“, erklärt er zu dem Vorwurf der grob fahrlässigen Tötung von Staatsanwalt Christian Pirker.

"Es wird mich ein Leben lang verfolgen"

„Ich werde alle Fragen beantworten, aber es geht mir nicht gut“, kommt es leise, dann setzt der sichtlich betroffene Angeklagte mit stockender Stimme fort: „Der Manfred war über 20 Jahre mein allerbester Freund, ein Freund der ganzen Familie. Ich werde nie den Moment vergessen, als ich auftauchte und er war weg. Es wird mich ein Leben lang verfolgen. Aber ich muss sagen, dass ich kein einziges gefährliches Manöver gefahren bin."

"Wir waren auf der Rückfahrt nach Klagenfurt, ich am Steuer, als der Manfred noch ein Eindrehmanöver – wie zuvor schon öfters – durchführen wollte. Er griff mir von hinten ins Lenkrad, und ich konnte ihn abwehren. Beim zweiten Versuch griff er mit beiden Händen ans Steuer und plötzlich bin ich durch die Luft geflogen und ins Wasser eingetaucht. Ich verlor zuerst die Orientierung, dann tauchte ich hoch, wo es hell war. Ich kam hoch und sah, dass ich an die zehn Meter vom Boot entfernt war“, schildert der Unternehmer, dann habe er die immer panischer werdenden Rufe der Freunde vom Boot vernommen: „Wo ist der Manfred, wo ist der Manfred?“

Der Bauunternehmer tauchte nicht mehr auf. Laut Gutachten erlitt Schroll tödliche Kopfverletzungen durch die Schiffsschraube. Die entscheidende Frage für Richter Matthias Polak: „Wer legte den Retourgang ein?“

Der Unternehmer will es nicht gewesen sein, zumindest nicht bewusst, er beteuert: „Ich war zu diesem Zeitpunkt ja im Wasser.“

Mitangeklagter beteuert ebenfalls seine Unschuld

Dass der Unternehmer im Wasser war, bestätigt der offizielle Bootsführer, ein 33-jähriger Klagenfurter, dem fahrlässige Tötung durch Unterlassung vorgeworfen wird. Wann der 45-Jährige aber genau ins Wasser gefallen ist, kann der Kärntner nicht sagen. Er gibt an, dass zum Unfallzeitpunkt der 45-Jährige am Steuer gewesen sei. Dass der Bauunternehmer ins Lenkrad gegriffen habe, wie der Unternehmer schildert, will der Klagenfurter nicht gesehen oder bemerkt haben.

Durch das flotte Tempo und starke Einlenken des Bootes sei er zur Seite geflogen, schildert der Klagenfurter: „Das Motorgeräusch war sehr laut, die Drehzahl hoch, und dann war da ein Geräusch, wo jeder wusste, da ist was in die Schiffsschraube gekommen. Das Boot war in einer Rückwärtsbewegung, und ich sah, dass der Hebel auf der rückwärtigen Position gestellt war. Dann habe ich den Blutfleck im Wasser gesehen und sofort gewusst, da ist was passiert.“

Der mitangeklagte Klagenfurter gibt sich bedeckt, schwächt gemachte Aussagen bei der Polizei vor Gericht nun ab, und er will plötzlich einiges nicht mehr gesehen haben oder sich erinnern können. Richter, Ankläger und Verteidiger Alexander Todor-Kostic rütteln am Erinnerungsvermögen des Klagenfurters, der sich windet, aber trotz Schieflage – er ließ Alkoholisierte ans Steuer – ebenfalls seine Unschuld beteuert.

Der Klagenfurter wird daraufhin von allen Seiten (Richter, Ankläger, Verteidiger und Hauptangeklagter) ins Verhör genommen.

Zeugen haben just im entscheidenden Moment nicht hingesehen

Nach einer 20-minütigen Pause geht es mit der Zeugenbefragung jener beiden Niederösterreicher, die den Unfall miterlebt haben, weiter:

Ein 42-jähriger Niederösterreicher, der mit von der Herrenpartie war und sich im Unglücksboot befand, berichtet über diverse lustige Fahrmanöver des Hauptangeklagten. Keinesfalls so wilde, wie die zuvor vom Bauunternehmer absolvierten, erzählt er. Auf der Heimfahrt von Klagenfurt nach Pörtschach sei jedenfalls der Hauptangeklagte am Steuer gewesen. Bis auf den Bootsführer wären alle ziemlich angeheitert gewesen. Einmal habe der Bauunternehmer versucht, ins Lenkrad zu greifen, aber der 45-Jährige habe dies erfolgreich abgewehrt.

Dann schildert er die dramatischen Momente: „Ob er es ein zweites Mal versucht hat, kann ich nicht sagen. Ich schaute nach vorne zur Insel, als es in eine Kurve ging. Plötzlich war ein Ruck. Ich und mein Sitznachbar stürzten zu Boden. Meiner Wahrnehmung nach ist das Boot gekippt. Während wir uns aufrappelten, sah ich, dass auch der Kärntner Bootsführer am Boden lag und der Manfred weg war. Ich habe nach ihm geschrien und dann bemerkt, dass auch der 45-Jährige weg ist. Dann war das laute Krachen und da sah ich schon das Blut im Wasser.“

"Wie es zu dem Unfall gekommen ist, kann ich mir nicht erklären"

Gleichlautend die Schilderung  des Vierten (49) von der NÖ-Herrenrunde: Der Bauunternehmer habe einmal versucht, dem 45-Jährigen ins Lenkrad zu greifen. Der habe ihn abgewehrt.

Einen zweiten Versuch habe er nicht gesehen, beteuert der 49-Jährige: „Ich habe auf die Schlangeninsel geschaut. Wie es zu dem Unfall gekommen ist, kann ich mir nicht erklären. Plötzlich hat sich das Boot eingedreht und mich hat es vom Sitz geworfen. Als es mir endlich gelang, vom Boden aufzusehen, ging ein Rumpler und ein Kracher durch das Boot. Dann sah ich, wie der Bootsführer zum Steuer eilte und übernahm und ich glaube, er hat den Moor abgedreht. Als ich mir endlich ein Bild machen konnte, bemerkte ich den 45-Jährigen im Wasser und der Manfred fehlte noch immer. Wann die beiden über Bord gegangen sind, kann ich nicht sagen“, schildert er und seufzt: „Einige Sekunden und plötzlich war keiner mehr da.“

Situation fast wortgetreu geschildert

Nachdem der 49-jährige Zeuge mehrfach Situationen fast wortgetreu wie der vorangegangenen Zeuge (42) geschildert hatte, hakt Staatsanwalt Christian Pirker harsch nach:. „Haben Sie sich abgesprochen?“

„Nein“, beteuert der 42-Jährige und bietet eine lapidare Erklärung an: „Wir waren ja Sitznachbarn und er hat halt den gleichen Eindruck wie ich gehabt.“ Auch über das Naturell des tödlich Verunglückten sind sich die beiden Niederösterreicher einig: Der Manfred sei für jeden Spaß zu haben gewesen. Es sei sein Naturell gewesen, was er wollte, immer mehrfach zu versuchen, sagt das Duo, beteuert aber: „Ob es hier, beim Greifen ins Lenkrad, auch so war, könne es nicht sagen.“

Wenig erhellendes  bringt dann die Zeugenaussage eines 55-Jährigen, der sich zum Unglückszeitpunkt am Steg einer Strandbar in Maria Wörth befunden hat. Er sei durch ein lautes Motorengeräusch auf das Boot aufmerksam geworden: „Durch die hohe Drehzahl war es sehr laut. Ich war rund 250 Meter entfernt und sah das stark gekippte Boot. Dann sah ich zwei Männer in den See springen. Ob wer am Steuer war, kann ich nicht sagen“, schildert er.

„Nicht fahrtauglich“

„Nicht fahrtauglich“, befindet der medizinische Gutachter, nachdem er beim 45-Jährigen zum Unfallzeitpunkt einen Alkoholisierungsgrad von zumindest 0,8 Promille errechnet hatte.  Dannn beendet der Richter den heutigen Prozesstag und erklärt: „Das Verfahren wird am 19. April mit dem Beweisverfahren fortgesetzt.“