Eisenstadt , Neusiedl am See , Mönchhof , Bad Sauerbrunn , Güssing

Erstellt am 06. Dezember 2017, 06:25

von Bernhard Fenz

Eigene Frauenliga: Plan steht, Zweifel bleiben. Bis spätestens Mai soll klar sein, ob 2018/2019 im Burgenland gespielt wird. Nicht alle Klubs sind damit glücklich. BFV-Präsident Milletich: „Gesamtinteresse zählt.“

Jubeln wie das Nationalteam: Im Burgenland, bisher ohne eigene Liga, will man ab 2018/19 durchstarten. Symbolfoto: Wallner  |  APA (dpa)

Das erste Verbands-Gespräch mit den Vertretern jener burgenländischen Vereine, die Frauenfußball aktiv betreiben, ist vorüber. Grund dafür sind die Bestrebungen des Burgenländischen Fußballverbands (BFV), eine eigene Frauenliga zu installieren.

Alle anderen Bundesländer haben ihren eigenen Betrieb, das Burgenland nicht. Sämtliche Teams spielen aktuell entweder in Wien (Neusiedl, Mönchhof), Niederösterreich (Bad Sauerbrunn, Hornstein/Wampersdorf, Goberling, St. Margarethen) oder überregional (FC Südburgenland – Bundesliga; FC Südburgenland 1b – 2. Liga Ost/Süd) Meisterschaft.

Hans Füzi, Sportlicher Leiter des BFV: „Wollen etwas, was Hand und Fuß hat.“  |  BVZ

Hans Füzi, Sportlicher Leiter des BFV: „Alle anwesenden Vereine haben bei der Besprechung ihre Ideen eingebracht. Grundsätzlich stimmt die Richtung, auch wenn von manchen Klubs Bedenken geäußert wurden.“ Diese Bedenken reichen von der geringen Anzahl an Vereinen (aktuell sieben Klubs) bis zu den teils gravierenden Niveauunterschieden.

Zwar gibt es auch aus dem Raum Antau, Güssing und seitens des SC Eisenstadt 1907 Bestrebungen, eigene Frauenteams zu stellen. Diese Pläne stecken aber noch teils völlig in den Kinderschuhen.

Seitens des Verbands zählt jedenfalls, das Projekt durchziehen. Füzi: „Im März findet die nächste Sitzung statt. Vorgesehen ist, die Liga zu installieren. Falls es doch nichts wird, können die Vereine aber auch weiter in den Betrieben anderer Landesverbände spielen.“

Große Bedenken seitens des SC Neusiedl/See

Genau bei diesem Punkt hakt es für so manchen Klub, denn, wie Füzi weiter erläutert: „Nur jene, die sich erst bei uns anmelden, werden im Fall eines Scheiterns des Projekts auch die Berechtigung haben, weiter bei anderen Verbänden zu spielen.“

Wer sich nicht für den rot-goldenen Spielbetrieb meldet und spekuliert, wird somit nach jetzigem Stand fix ins Gras beißen. Der BFV fordert also erst ein klares Bekenntnis zum Burgenland ein. Für so manchen Verein ein bedenklicher Umstand – etwa für den SC Neusiedl/See, aktuell in der Wiener Landesliga tätig.

Michael Feucht, Sektionsleiter SC Neusiedl: „Man will künstlich etwas aufzwingen.“  |  BVZ

Sektionsleiter Michael Feucht: „Mir kommt vor, wie wenn man dem Frauenfußball hier künstlich etwas aufzwingen will. Das kann nach hinten losgehen. Im Extremfall könnten sich Mannschaften dadurch auflösen oder der personelle Aderlass wird nicht mehr auffangbar. Denn das Niveau wird schwach sein, außer Mönchhof und Bad Sauerbrunn wird es etwa für uns keine Gegnerinnen geben. Dadurch verlieren die Mädls über kurz oder lang die Motivation.“

Was sich Feucht gut vorstellen könnte: „Eine Art Hobbyliga zu installieren, um auszuloten, wie gut das Ganze wirklich funktionieren kann. Wir könnten dafür ohne weiteres eine zweite Mannschaft stellen.“

Ein Vorschlag, dem etwa auch Bad Sauerbrunns Coach Alex Halbauer etwas abgewinnen kann: „So werden die Vereine nicht gleich zwangsbeglückt, um aus den regulären und funktionierenden Meisterschaftsbetrieben anderer Landesverbände auszuscheiden und man könnte erst abtesten, wie gut das alles funktioniert. Für uns wäre das auch machbar – jedes Spiel mehr statt einem Training macht Sinn. Und wir könnten auch den Spielerinnen, die in der Meisterschaft nicht immer voll zum Zug kommen, mehr Praxis geben.“

„Man wird sehen, wie umsetzbar alles ist“

Beim BFV will man einmal vor allem eines: die Bedenken ausräumen. Füzi: „Wir wollen etwas auf die Beine stellen und organisieren, was Hand und Fuß hat. Dafür ist zumindest bis März Zeit – dann wird man sehen, wie umsetzbar alles ist.“

BFV-Präsident Gerhard Milletich: „Wir wollen etwas Ganzheitliches erreichen.“  |  BVZ

Klar wäre aktuell, dass der Meister im jetzigen ÖFB-System Relegation für den Aufstieg in die 2. Bundesliga spielen könnte. Zu klären seien im Vorfeld aber noch einige offene Fragen. Weiter konkretisiert werden müssten etwa die generellen Zugangsbestimmungen (beispielsweise ist die Herabsetzung der Mindestaltergrenze auf 13 Jahre geplant), wie viele Runden und mit welchem Modus gespielt werden soll, et cetera.

Viele Fragen, viele Zweifel. Milletich sagt aber schon jetzt deutlich: „Das Gesamtinteresse einer eigenen Liga ist grundsätzlich über Einzelinteressen zu stellen. Wir müssen strukturiert denken, wollen etwas Ganzheitliches schaffen und in einem geordneten Verband auch einen geordneten Betrieb haben.“