Spielmobil für die City. Basale Mobilität fürs Dickicht der Städte hat Citroën mit dem acht PS starken, elektrisch angetriebenen Kunststoffwürfel Ami im Visier.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 18. September 2020 (03:26)
Vorne und hinten, rechts und links Gleichteile: Der Ami will in Wahrheit gar kein Auto sein, sondern ein simples, easy zu handhabendes Kurzstrecken-Vehikel für die Stadt.
Citroën

Im Visier hat Citroën jetzt den wachsenden Mikrokosmos der Städte. Als Zugpferd für simple, leicht zugängliche, lokal emissionsfreie und günstige individuelle Mobilität haben die Doppelwinkler den Ami kreiert – einen zweisitzigen Winzling, ein Leichtfahrzeug. Ein elektrisch angetriebenes. Aus Kunststoff gebaut, auf einen Stahlrohrrahmen gestellt.

Von vorne betrachtet so gut wie würfelförmig, mit 1,3 Metern Breite und 1,52 Metern Höhe, bei einer Gesamtkürze von 2,41 Metern und einem Radstand von 1,73 Metern. An Front und Heck sind Gleichteile verbaut, mit Scheinwerfern respektive Leuchten als vorne bzw. hinten identifizierbar. Die Seitentüren öffnen gegengleich. Die Fenster sind, wie einst beim 2CV, im unteren Teil aufklappbar. Front- und Heckscheibe sind große Glasflächen, obendrauf sitzt ein gläsernes Panoramadach.

Als Antrieb fungiert ein Elektroaggregat mit acht Pferdestärlen. Die Batterie hat 5,5 kW Kapazität. Damit sollen sich 75 Kilometer Reichweite ausgehen. Geladen werden kann an einer Haushaltssteckdose, in rund drei Stunden.

„Der Ami ist eine zeitgemäße und praktische Antwort auf aktuelle Mobilitätsanforderungen für den Stadtverkehr …“ Christoph Stummvoll, Pressesprecher Citroën Österreich

B-Führerschein braucht man dafür nicht, das Gefährt darf nicht schneller sein als 45 km/h. Dafür genügt ein Mopedausweis. Womit der Ami für ab 15-Jährige offen ist.

Seinen ersten Publikumsauftritt hatte der Ami Ende Februar in Paris gehabt. Da durfte man noch nicht selbst ans Manual. Die erste Praxisprobe war, mit Verzögerung durch Covid-19, erst jetzt möglich. In Berlin.

Was man vermisst, wenn man am Ami-Steuer sitzt: einen zentralen Innenspiegel. Dank der rundum großen Scheibenflächen – die allerdings im Sommer für kräftiges Aufheizen des Interieurs sorgen – ist trotzdem fast lückenlose Rundumsicht geboten. Dabei ist es hilfreich, den Kopf bis zum Anschlag zu drehen (Motorradfahrer sollten darin geübt sein). Es ist der Fahrersitz längs verschiebbar, doch sind die schräg stehenden Sitzlehnen und das Volant nicht einstellbar. Der Beifahrersessel, nach hinten versetzt, ist fix.

Beim Fahren stellt sich die zu erwartende Leichtfüßigkeit akustisch nicht ein, das Betriebsgeräusch wirkt angestrengt. Dafür ist man so gut wie jedem an Beschleunigung überlegen: Die acht Pferde gewinnen auf den ersten Metern fast immer angesichts von 471 Kilogramm Gewicht (inklusive Batterie, ohne Fahrer, Zuladung von 229 Kilo zulässig) und dank stets parat stehendem Maximaldrehmoment (63 Newtonmeter) des Elektromotors.

Danach ist überall die nächste Ampel gewöhnlich rot, sodass die Höchstgeschwindigkeit sehr selten ausgereizt wird. Ein Gewinner ist der Ami auch beim Wendekreis: Mit 7,2 Metern kann man auf den 14-Zöllern fast auf dem Stand wenden. Vorteilhaft, wenn man sich im City-Dickicht zu verirren droht und oft umdrehen muss.