Schnarren und Knurren. Den frischen und jungen Kleinwagen-SUV Ford Puma kann man auch als knackigen Sportler oder als fein eingerichteten Wohnsalon ordern.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 10. Mai 2021 (05:49)
ST steht für „Sports Technologie“ – die Fordianer wissen sofort, was sie dann erwartet: ein straßentauglicher Sportwagen. Der Puma ST sprintet von 0 auf 100 in 6,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 220 km/h angegeben. Das optionale Furious-Grün steht ihm gut, ist aber nichts für Schüchterne …
Ford, Ford

Akustisch gezähmt sind mittlerweile die – meisten – Dreizylinder-Benziner. Ob mit 1,0 oder mit 1,5 Liter Hubraum, sie klingen zwar bauartbedingt nicht so zornig schnarrend wie ihre Pendants in Motorrädern, doch sie haben das schrille Krähen weitgehend abgelegt. Ein repräsentatives Beispiel dafür lieferte Ford 2019 mit dem Puma. Die eingesetzten Benziner sind durchwegs Dreizylinder, mit spontaner Drehfreudigkeit und durchaus feinen Geräuschmanieren. In den Standardmodellen sind es 1,0-Liter-Aggregate mit 95 oder 125 oder 155 PS. Letztere beide sind Mildhybride (der einzige Diesel, ein 1,5-Liter-Vierzylinder, hat 120 PS).

Die neue Topversion in der Otto-Fraktion, der ST, wird von einem 1,5-Liter mit drei Zylindern befeuert. Der produziert 200 PS Leistung und ein Maximaldrehmoment von 350 Newtonmetern. Denn analog zum Fiesta ST soll der vom kleinen Coupé zum kleinen SUV mutierte Puma in der Sportversion seinem Zusatztitel Performance gerecht werden. Vielleicht auch deshalb ist der Antrieb an ein kurzwegiges manuelles Sechs-Gang-Getriebe gekoppelt. Es bleibt aber, wie im Kleinwagen-Bruder, beim Frontantrieb. Fahrprogramme gibt es vier, via Lenkradtaste abrufbar: Normal, Sport, Rennstrecke und, der Vollständigkeit halber, Eco.

„Komplettiert wurde die Puma-Baureihe um den Kraftsportler ST und die exklusiv eingerichtete Top-version Vignale!“ Christian Wotypka, Pressesprecher Ford Austria

Das Stabilitätsprogramm ist mehrstufig abschaltbar, auch komplett, damit sich etwa auf der Rennstrecke die Elektronik nicht einmischt. Gegen Aufpreis kann man mit elektronischem Sperrdifferenzial und Launch Control noch eins drauflegen, auch eine Schaltanzeige ist order- bar. Ob mit oder ohne diese drei Features: Im heurigen Frühjahr mit rapide wechselnden Temperaturen und Fahrbahnverhältnissen – es war auch Schnee dabei – war auf öffentlichen Straßen relative Zurückhaltung angesagt. Was den Spaß nicht mindern konnte.

Selbst wenn der Puma ST einen winzigen Tick weniger agil und akkurat wirkt als der Fiesta im Sporttrimm. Besonders auffallend ist der flotte Zwerg in giftigem Grün. In dezentem Hellgrau markiert er optisch den Lammfrommen, und man kann den Überraschungsmoment noch besser nützen, wenn er knurrend anderen Ampelstartern davonpfeilt.

Eine weitere Facette seiner Charaktervielfalt zeigt der Puma in der Topausstattungsversion Vignale. Hier steht feine Mitgift im Vordergrund. Das inkludiert, basierend auf der gehobenen Ausstattungstufe ST-Line X unter anderem: LED-Scheinwerfer und -Blinkleuchten vorne, Einparksensoren auch an der Front, schlüssellosen Zugang & Start, Premium-Ledermöblierung, beheizbare Sitze mit Massagefunktion vorne, Chrom-Dekor, in Wagenfarbe lackierte Anbauteile, 18-Zoll-Aluminiumräder … Unsportlich ist der kleine Kölner jedoch auch im Maßanzug nicht.

Vorder- oder hintergründiger, je nachdem, ob man die 125- oder die 155-PS-Variante mit mild hybridisiertem 1,0-Liter-Benziner wählt oder den 1,5-Liter-Diesel mit 120 PS. Wobei für die Otto-Motorisierten die Auswahl zwischen sechsgängiger Hand- oder siebenstufiger Direktschaltung besteht. Die Probe absolviert hat der Vignale-Puma in der stärksten Benzinerversion mit Doppelkupplungsautomatik. Die 155 PS können sanft oder sportlich abgerufen werden, das Getriebe spielt stets exakt und gerade richtig schaltend mit. Beides macht Spaß. Ersteres auch den Passagieren über weitere Strecken, Zweiteres im Kurvenrevier, mit herzerfrischender Dynamik, das aber am besten im Solobetrieb.