Hyundais neuer als Raumschiff Enterprise. Wieder ein Tesla-Konkurrent … Der Ioniq 5 eröffnet eine neue Familie an E-Modellen – mit markantem Design, innovativen Details und realistischer Reichweite.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 07. Juli 2021 (01:14)
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Keine Spur von Barock: Der vollelek-trisch angetriebene Ioniq 5 fällt mit seinem technoiden glattflächigen Design plakativ auf. Das Interieur ist geräumig, die Be- dienung weitgehend digital.
Hyundai, Hyundai

Was überrascht, wenn man den Ioniq 5 betritt, ist zuerst einmal das Raumangebot. Klar, die Elektroantriebsarchitektur, auf Basis der neuen E-GMP-Plattform (Electric-Global Modular Platform), macht den Mitteltunnel überflüssig. Dazu kommt ein Radstand von imposanten drei Metern. Da geht sich in der ersten Reihe, wie in einem Van, fast sogar ein Durchstieg aus. Die ausladende und an Ablagen reichlich bestückte Mittelkonsole ist zudem längs verschiebbar. Die neue Technikbasis unterstützt darüber hinaus sowohl 400- als auch 800-Volt-Lade- infrastrukturen. Ebenfalls ein Thema ist bidirektionales Laden, zum Beispiel von E-Bikes.

Nächster Aha-Moment: der Fahrersitz. Der einen quasi umfängt, wie ein Lounge-Fauteuil. Denn da ist außer festen Seitenhalt versprechenden Sitzwangen auch noch – elektrisch betätigt – eine ausfahrbare Beinauflage. Die wäre zwar beim Fahren hinderlich, doch soll sie das Warten beim Laden erholsamer gestalten.

„Dank innovativer Technik setzt Hyundai mit dem Ioniq 5 eine neue Messlatte für Komfort und Benutzerfreundlichkeit auf dem Sektor E- Mobilität …“ Rasin Kamali, Pressesprecher Hyundai Österreich

Hyundai hat mit dem Ioniq 5 das Thema Elektromobilität weiter gedacht, über das Fahren hinaus, und die Immobilitätsphasen – siehe Laden – in die Entwicklung mit einbezogen. Das betrifft auch die Materialauswahl, seien es Kunststoffrecyclate, Biostoffe (Flachs, Zuckerrohr, Wolle) oder echtes (!) Leder, das mit natürlichen Methoden behandelt und aufbereitet wird.

Das glattflächige Exterieur sowie die Black-Panel-Technik für die Leuchten sind im Grunde genommen schon vom neuen Tucson bekannt. Dafür ist das Design völlig chromfrei. Nicht mehr fremd ist auch das Cockpit-Layout. Doch geht der Ioniq 5 einen Schritt weiter, mit einem Scheinwerfer-, Blinker- und Heckleuchtendesign, das in Raumschiff-Enterprise-Episoden glaubhafte Figur machen könnte. Dazu passt die klar gezeichnete Architektur der Kommandozentrale, die bei aller Digitalität auf Anhieb ebenso verständlich wie intuitiv bedienbar ist. Anders ist nur, dass es keinen Schaltknüppel gibt. Die Fahrstufen werden per Automatikwählhebel mittels Drehregler an einer Art Lenkstock am Volant dirigiert.

Schauplatz der ersten Begegnung mit dem gerade noch kompakten 4.635 Millimeter langen Elektro-Raumschiff war Valencia, Spaniens Musterstadt für Öko-Tourismus. Dort sorgte der Südkoreaner für Aufsehen. Ob im dichten City-Verkehrsgewühl oder auf den umliegenden Landstraßen und Autobahnen.

Die ersten rund 100 Kilometer im Topmodell mit dualem E-Antrieb, damit Allradantrieb, 305 PS und 72,6-kWh-Akku hinterließen folgende Eindrücke (abgesehen von der vom Fleck weg mühelosen Umgänglichkeit): superbe Geräuschdämmung, komfortable, aber nicht schaukelige und völlig polterfreie Fahrwerkabstimmung, passabel gefühlvolle Lenkung, stets parate, doch keineswegs bissige Bremsen. Ein Sportler ist er trotz markigen Antritts – 605 Newtonmeter Drehmoment – nicht. Dagegen steht alleine schon das Startgewicht von mehr als zwei Tonnen. Dafür darf man 1,6 Tonnen (gebremst) ziehen und hat noch dazu gut 500 Kilo an Zuladung zur Verfügung. Das Kofferraumladevolumen: 527 bis zu 1.587 Liter.

Einer der wesentlichsten Faktoren der Elektromobilität ist die Reichweite. Die gibt Hyundai für das gefahrene Modell mit 430 bis 460 Kilometern an (laut WLTP). Diese Prognose erwies sich auf den bereits erwähnten 100 Kilometern mit gemischtem Fahrprogramm als fast hundertprozentig zutreffend. Ohne, dass auf besonders wirtschaftliche Fortbewegung großes Augenmerk gelegt wurde, unter Durchspielen aller Fahrmodi.

Abgesehen vom zweiachsig angetriebenen Spitzenmodell offeriert Hyundai den Ioniq 5 in einer kleineren Batteriekapazitäts- und drei weiteren Leistungsvarianten. 170 PS gehen einher mit 58,2-kWh-Akku und Heckantrieb. In der Short- Range-Version kann man auch Allradantrieb haben, mit 235 PS (aus zwei E-Aggregaten). Die stärkere Batterie (72,6 kWh) und Hinterradantrieb ergeben 218 PS. Die Mindestreichweite beim Ioniq 5 wird mit 360 Kilometern beziffert, die Höchstgeschwindigkeit beträgt immer 185 km/h.

Nächster Angelpunkt ist das Laden. Das kann der Neo-Elek-triker mit Wechsel- und mit Gleichstrom, Zweiteres dank 800-Volt-Architektur auch an einer 350-kW-Ladestation. Dann reichen 18 Minuten für eine Füllung von zehn auf 80 Prozent.