Große Eisen, kleine Stromer. Auch ohne Messen und Shows präsentieren die Motorradhersteller ihre Modellneuheiten – vorerst virtuell. Das Angebot bleibt reichhaltig.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 28. November 2020 (07:55)
Der österreichische Hersteller KTM hat die Adventure-Enduro-Version der 890er neu in petto. Schwach ist die Mittelklasslerin mit ihren 105 PS nicht. Und im vollen Trimm, samt Gepäcksystem, absolut reisetauglich.
KTM

Besser gelaufen als erwartet ist der österreichische Zweiradmarkt in diesem schwierigen Jahr. Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie konnten die Neuzulassungen in der Klasse L3e – motorisierte Einspurige mit mehr als 50 Kubikzentimeter Hubraum – zulegen: im Zeitraum Jänner bis Oktober von 27.200 auf 29.729 Fahrzeuge (Quelle: Statistik Austria). Woran sich bis zum Jahresende kaum etwas ändern wird, bedingt durch die kalte Jahreszeit. Zurückzuführen ist der Marktzuwachs teils auf die Ausrufung des Social bzw. Physical Distancing, was einen signifikant erhöhten Zulauf zu individueller Mobilität zur Folge hatte – ob Auto oder Motorrad.

Wie auch immer sich die Corona-Sache weiter entwickeln wird: Der Absatzerfolg soll sich fortsetzen. Auch wenn die Zweiradbranche vor einer Reihe von Herausforderungen steht. Das betrifft vor allem die Euro-5-Norm, die nicht nur die Abgaswerte nach unten schraubt, sondern auch zwingend eine Onboard-Diagnose vorschreibt. Neu produzierte Motorräder, die dem nicht entsprechen, dürfen ab 1. Jänner 2021 nicht mehr zugelassen werden.

Neue Normen eröffnen Raum für Neuentwicklungen

Das grenzt einerseits das Modellangebot ein, Vergasertypen sind out. Es eröffnet jedoch auch Raum für Neuentwicklungen. Hand in Hand damit geht eine weitere Elektronisierung und Digitalisierung. Fahrassistenzsysteme über verpflichtendes ABS hinaus sind längst eingezogen, selbst Abstandsregeltempomat ist in der Zweiradwelt kein Fremdwort mehr. Siehe die Topmodelle von KTM (die modifizierte 1290 Super Adventure), von Ducati (die neue Multistrada V4) und von BMW (die überarbeitete Tourerin R 1250 RT).

„Als Bindeglied zwischen der analogen und digitalen Welt des Nutzers ist der Roller Definition CE 04 sowohl Fortbewegungs- als auch Kommunikationsmittel für den Großstadtpendler“, erklärt BMW.
BMW

In jedem Segment bleibt das Angebot reichhaltig. Im Trend liegen nach wie vor große und mittelgroße Reiseenduros. Abgesehen von den bereits genannten Modellen hat der heimische Hersteller KTM für die kommende Saison die 890er Adventure parat. Kawasaki hat die Versys 1000 S upgedatet. BMW die Großenduro-Ikone R 1250 GS in der Standard- und der Abenteuervariante ebenso.

Einen Fixplatz behalten hat die Mittelklasse. Neu hinzu kommen die im Vorjahr angekündigte Aprilia RS 660 mit Paralleltwin-Antrieb und die brandneue Triumph Trident, ebenfalls eine – allerdings dreizylindrige – 660er. Yamaha liefert nach dem Update der MT-09 auch eines der MT-07. Honda aktualisierte die CB650-Baureihe, ebenso die NC750X-Familie.

Auswahl an strombetriebenen Typen wächst

Akribisch gepflegt ist das Segment der Scooter. Honda hat die Forza-Palette neu aufgestellt, addierte eine 750er und pushte den Großradroller SH von 300 auf 350 Kubikzentimeter Hubraum, adaptierte auch das Crossover-Modell X-ADV.

Elektrifizierung ist auch bei den Einspurigen nicht mehr nur ein Zukunftstrend. Die Auswahl an strombetriebenen Typen wächst stetig. Abgesehen vom amerikanischen Label Zero, das für Streetfighter und Tourer mit E-Antrieb steht, und Harley-Davidson mit der LiveWire sind weitere E-Roller im Kommen. BMW präsentiert ein seriennahes Concept namens Definition CE 04, ein künftiger City-Roller. Auch Autohersteller Seat macht sich mit dem eScooter 125 präsent.

Nicht ganz vom Tisch sind die Leistungstypen: BMW erneuerte die Hypersportlerin, die S 1000 RR, Honda hat dem Naked-Modell CB1000R neue Details verpasst.

Keineswegs verschwinden wird die Klasse der Cruiser. Das Terrain gehört schon lange nicht mehr Harley-Davidson alleine, und das US-Label wendet sich ohnehin auch wieder anderen Segmenten zu, wie der Tourerin Pan American. Inzwischen trumpft BMW mit der R 18 von Neuem auf, gut 16 Jahre nach dem Auslaufen der R 1200 C. Und Ducati hat die Diavel weiter verfeinert.