Nordischer Leitstern

Das zweite Modell der Volvo- & Geely-Submarke Polestar kommt nach Österreich. Mit vollelektrisch generierten 408 PS und Allradantrieb.

Beatrix Keckeis-Hiller Erstellt am 23. September 2021 | 05:00
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Das Design des Polestar 2 sorgt in aller Reduziertheit samt Pixel-LED-Licht für hohen Auffallfaktor. Das Premierenmodell hat 408 PS, als Normreichweite werden 470 Kilometer angegeben (laut WLTP).
Foto: Beatrix Keckeis-Hiller

Was die Nummer 1 nicht geschafft hat, das bringt die Nummer 2 zuwege: Polestar, die Marke, die als Sublabel des Joint Ventures von Volvo und dem chinesischen Autohersteller Geely 2017 gegründet wurde, ist in Österreich gelandet. Dabei bedeutet es in diesem Fall keine Rangordnung, ob das Modell mit einem Einser oder mit einem Zweier markiert ist, es sind zwei völlig unterschiedliche Typen.

Der Polestar 1 ist ein Plug-in-Hybrid-Sportler mit 609 PS Systemleistung. Er ist auf 1.500 Exemplare limitiert, eine 25 Stück starke Spezialedition markiert gerade das Finale. Der Polestar 2 hingegen ist ein batterieelektrisch angetriebener Fließheckstromer auf der gleichen modularen Technikbasis wie der Volvo XC40. Er soll, gewissermaßen als – schwedischer – Leitstern der Vollelektrifizierung, einen ganzen Modellreigen eröffnen.

Das tut der Fünftürer auf 4,6 Metern Länge mit fast schon völlig schmucklosem Exterieurdesign, was erst recht für Auffälligkeit sorgt. Dahinter steckt ein Österreicher: Max Missoni – längst bekannt für die cool unterkühlte Optik des XC90. Die mit ihm eingeführte charakteristische Tagfahrlichtsignatur markiert auch die Front der Polestars, und futuristischer Tupfen auf dem i sind schmal geschnittene Pixel-LED-Leuchten.

„Wir arbeiten auf Netto-Null-Produk- tionsemissionen hin, aber unsere Ökobilanz zeigt, dass der Polestar 2 bereits jetzt eine Klima- lösung ist!“ Elisabeth Binder, Presse Polestar Österreich

An Leistung bringt es das Startmodell auf 408 PS und 660 Newtonmeter. Generiert wird diese Power aus je einem Elektromotor pro Achse, damit ist Allradantrieb gegeben. Die Fahrstufen werden stufenlos via Ein-Gang-Getriebe dirigiert. 0 auf 100 gehen damit in 4,7 Sekunden, dabei darf er bis zu 205 km/h schnell sein. An Reichweite werden auf Basis eines 78-kW-Akkus 470 Kilometer im Normmix versprochen. Geladen werden kann mit bis zu 150 kW an der Schnellladesäule. Soweit die Papierdaten.

Eine erste Praxisprobe absolvierte der Polestar 2 über insgesamt 520 Kilometer. Alles war dabei: Stadt, Überland und natürlich Autobahn. Wobei den Verlockungen der Kraftentfaltung vor allem in steirischen Kurven nicht immer widerstanden werden konnte, wenn es um das Überholen ging. Denn der mit annähernd 2,2 Tonnen doch recht gewichtige Schwede sitzt satt und ausgewogen auf dem Asphalt, Traktionsprobleme kennt er selbst auf feuchtem Untergrund nicht. Die Regelelektronik greift gegebenenfalls streng, doch nicht bevormundend ein. Die direkter als im XC40 ausgelegte Lenkung ist zwar nicht zackig, dafür präzise. Die Bremsen bauen kontinuierlich und progressiv Druck auf.

Resümee: Ein Durchschnittsverbrauch von 21,8 kWh pro 100 Kilometer, bei einem Durchschnittstempo von knapp 80 km/h über die gesamte gefahrene Strecke. Daraus errechnete der Bordcomputer nach Befüllung auf 100 Prozent Batterieladestand (ausnahmsweise, der Hersteller empfiehlt zur Schonung eine 90-prozentige Füllung) eine Reichweite von 400 Kilometern. CCS-geladen wurde auf der befahrenen Strecke jeweils mit 50 kW. Von rund 50 auf knapp 90 Prozent dauert der Ladevorgang rund 45 Minuten.

Das Spielen mit 408 PS Leistung macht Spaß. Ob die volle Power nötig ist, kann man demnächst zum Vergleich ausprobieren: Analog zum Volvo wird eine Variante mit Frontantrieb und 230 PS nachgereicht. Das dürfte trotz mehr als 2,1 Tonnen Gewicht wohl auch ausreichend für würdige Fortbewegung sein. Mit 64 kWh-Akku sollen 440 Kilometer Reichweite möglich sein, mit der 78 kWh-Batterie verspricht man 540 Kilometer.

Vertrieben wird der Polestar 2 via Internet ( www.polestar.com ). Die Auslieferungen erfolgen über Volvo-Händler als Hand-over-Partner. In Natura anschauen und probesitzen kann man ihn und die künftig nachfolgenden Modelle wie den angekündigten Polestar 3 (ein SUV) auch: im Polestar Space Vienna (1010, Wallnerstraße 5). Aufgebaut wird derzeit nicht nur ein Handling-Partnernetz (Grünzweig in Wiener Neudorf ist dabei), ebenso eine ganze Reihe von Extraservices über Wartung und Reparaturen hinaus, unter anderem ein Abhol- und Retournierungsdienst.