Mehr als nur praktisch. Die erste Ausfahrt mit einem Vorserienmodell des VW Caddy V (Hochdachkombiversion) bestätigt eindrucksvoll: Die neue Generation ist noch näher am Pkw …

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 26. November 2020 (07:54)
Komfortabler auf allen Linien (von Federung über Akustik bis Bedienung) ist der komplett neu aufgebaute VW Caddy. Bei fünffacher Bestuhlung und dachhoher Beladung passen 1.213 Liter rein.
Veronika Hiller-Asso

Wenn es darum geht, sperrige Gegenstände zu transportieren, denkt man einen Transporter. Wenn es darum geht, die Familie samt Gepäck von A nach B zu bringen oder mit Kind und Kegel zu verreisen, kann man im Prinzip auch an einen Nützling denken. Nicht erst seit jenen 25 Jahren, die seit der Gründung der VW-Nutzfahrzeugabteilung als eigene Marke der Volkswagen AG vergangen sind. Damit ist auch der Caddy in der Kastenwagen- respektive Hochdachkombiversion ein Vierteljahrhundert alt. Denn in seiner zweiten Generation (ab 1995) war er vom Pick-up zum kompakten Transporter mutiert – und hat sich als eine der Säulen des nützlichen Modellportfolios etabliert.

VW ist damit einem Trend gefolgt, denn die auf Praktikabilität ausgelegten Pkw-Versionen kompakter Nützlinge laufen den Vans in dieser Größenklasse den Rang ab. Das Initial setzte VW ab der dritten Generation (ab 2003) des Caddy, auf Basis des Golf V und des Touran. Das um Pkw-Features angereicherte Varianten-Portfolio wurde um die Maxi-Version erweitert, und um eine optionale Siebensitzigkeit. In der vierten Evolutionsstufe (ab 2010) kam Allradantrieb hinzu, und in der Folge eine Reihe von Derivaten wie unter anderem eine Country-, später eine Alltrack- sowie eine Camping-Version namens California.

„In seiner fünften Generation ist der kompakte Nützling ein völlig neues Auto geworden, aber dennoch ein Caddy geblieben!“ Karin Angerer, Pressesprecherin VW Österreich

Rechtzeitig zum 25-Jahr-Jubiläum steht jetzt der Caddy V am Start, wie bereits berichtet auf der Plattform des Golf VIII, samt einer Reihe von Technikdetails des jungen Kompakt-Altmeisters, von Inneneinrichtung über Elektronik bis Sicherheitsassistenten. Seine Jungfernfahrt – auf heimischem Boden – absolvierte der Neo-Nützling als fünfsitziger Hochdachkombi in einer Vorserienversion (Ausstattungsstufe Caddy), 4,5 Meter lang, motorisiert mit der 102-PS-Leistungsstufe des 2.0 TDI, und mit sechsgängigem Schaltgetriebe. An Bord: feine Zutaten – wie das digitale Cockpit und eine Topausbaustufe des Infotainmentsystems. Noch nicht final waren die Interieurmaterialien und die Software.

Der Selbstzünder fiel auf Anhieb durch seidige Laufruhe auf. Die Schaltung ist, wie von VW gewohnt, exakt, wenn auch etwas langwegig. Die Lenkung agiert gefühlvoller als in bisherigen Caddys, sie ist nicht über die Maßen direkt, doch präzise, wie etwa auf dem Seiberer im Waldviertel ausprobiert. Die Geräuschkulisse ist dezent, grad vom Heckbereich her wird es ein wenig lauter. Die Dämpfung wirkt auf gar nicht mehr so homogenen Fahrbahnoberflächen tatsächlich Pkw-haft, federt lange Wellen völlig unschaukelig ab. Auf holprigem Untergrund outete sich der ausprobierte Caddy doch als Nützling, die starre Hinterachse strampft, trotz neu entworfener Federung.

Aus der Spur gerät er dadurch keineswegs, auch neigt er nicht zur seitlichen Verneigung. Gelungen ist die Aerodynamik. Selbst heftig böiger Föhnsturm rüttelte kaum merkbar am Aufbau. Die Leistungsentfaltung der getesteten Motorisierung erwies sich als ausreichend. Auf langen Steigungen muss man fallweise zurückschalten, doch gerät der Antrieb nicht außer Atem. Sehr fein ist die Ergonomie. Haarfein einstellbar. So gut wie im Golf. Wer den schon kennt, wird sich auf Anhieb im neuen Caddy zurechtfinden. Samt Slider-Justierung der Klimaanlage und entsprechenden Touch-Flächen im Bereich des Armaturenbretts und auf dem Lenkrad.

Am 30. Oktober lief die Serienproduktion an. Herkunftsort der neuen Caddy-Generation ist, wie schon beim Vorgänger, das Werk in Posen (Polen). Demnächst starten die ersten Fahrzeuge auf dem heimischen Markt – um den Beweis anzutreten, dass der neue Kompakt-Nützling viel mehr als nur praktisch ist …