Amerika-Wanderung: Von Tauchen nach Amerika

Tausende Burgenländer sind ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ausgewandert. Auch Adolf Hutter, der blieb, aber dessen Familie wieder heimkehrte.

Erstellt am 16. September 2021 | 07:00

Die Amerikawanderung der Burgenländer war Bestandteil der großen Auswanderungsbewegung, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Bevölkerungsteile Europas erfasste. Der erste, namentlich bekannte Burgenländer, war übrigens der in Neutal geborene Lorenz Schönbacher, der schon im Jahr 1777 25-jährig das Burgenland verließ und im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mitkämpfte.

Vom Kellnerlehrling zum Hotelmanager

Auch Adolf Hutter, der am 4. Oktober 1897 in Tauchen geboren wurde, ist Auswanderer. Das typische Fallbeispiel eines burgenländischen Auswanderers, der es zwar nicht vom „Tellerwäscher zum Millionär“ geschafft hat, aber vom Kellnerlehrling zum Hotelmanager: Im zarten Alter von 13 Jahren begann Hutter im Hotel Astoria in Budapest eine Kellnerlehre. Kaum ausgelernt, musste er am 7. Juni 1915 noch nicht 18-jährig zum k. u. k. Landsturmdienst mit der Waffe nach Steinamanger (Szombathely) einrücken. Zuerst diente er an der russischen Front, danach bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 auf dem italienischen Kriegsschauplatz bei den Isonzo- und Piaveschlachten. Heimgekehrt aus dem Krieg, heiratete Hutter, Anna Schuch, die Tochter eines Lehrers aus Mariasdorf und arbeitete bis zu seiner Auswanderung nach Amerika als Kellner im Kurrestaurant Bad Tatzmannsdorf. Inzwischen waren auch Sohn Adolf jun. (1920) und Tochter Anna Margareta (1921) geboren. Um zusätzliches Geld für die bereits geplante Auswanderung nach Amerika zu verdienen, arbeitete Gattin Anna in einer Schneiderei.

Zuerst der Mann, dann erst Frau und Kinder

Im Dezember 1922 trat Adolf Hutter dann mit dem US-Schiff „New York“ seine Reise nach Amerika an, wo er am 25. Jänner 1923 erstmals amerikanischen Boden berat. Seine Familie — Frau Anna und die Kinder Adolf jun. und Anne Margarete — folgten ihm im Juni 1923, ebenfalls per Schiff, nach. Beruflich — das war das große Ziel der Auswanderung — konnte Hutter im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ schnell Fuß fassen.

Erstens war es dank der Industrialisierung der USA für die „Greenhorns“ nicht schwer Arbeit zu finden und zweitens waren die „fleißigen Burgenländer“ dafür bekannt, jede Arbeit anzunehmen. Zuerst arbeitete Hutter als Mechaniker beim städtischen Gaswerk von St. Louis — Chef war sein Schwager Gustav Schuh, dessen Familie es auch war, die den Hutters die „Affidavit of Support“ (ein Gutstehen der Leute, damit diese dem amerikanischen Staat nicht zur Last fallen) ausstellte, um nach Amerika auszuwandern. Dann arbeitete er im Hotel Imperial in St. Louis als Kellner. Im Jahr 1925 kam dann das dritte Kind der Hutters, Sohn Anthony William, auf die Welt. 1927 übersiedelte man nach Chicago, wo sich Adolf Hutter dann bis zum „Assistant Manager“ im berühmten Hotel Schermann, im Zentrum von Chicago, hocharbeitete.

Nach einigen beruflichen Zwischenstationen eröffnete er 1948 sein eigenes Restaurant im Milwaukee, das er 15 Jahre erfolgreich betrieb.

Die Ehe zwischen Adolf Hutter und Gattin Anna wurde 1931 geschieden. Bereits davor zog es Anna Hutter mit den Kindern wieder ins Burgenland zurück. Adolf Hutter blieb in Amerika und heiratete seine zweite Frau Gladys Elona La Pola. Die Ehe wurde 1952 geschieden; das Paar lebte jedoch ab 1960 — ab 1967 in Miami — wieder zusammen. Im Juli 1992 verstarb Hutter im 96. Lebensjahr in Louisiana. Insgesamt drei Mal besuchte der Mariasdorfer seine „alte Heimat“, das Burgenland — 1962 zum ersten Mal, danach nochmals 1966 und 1972 zum letzten Mal.