Bergbau hat auch im Burgenland Tradition. Die Nutzung von Bodenschätzen spielte vielerorts eine wichtige Rolle – und sorgte für unzählige Geschichten.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 16. Juni 2021 (08:00)

Im Jahr 1888 waren im Gebiet des heutigen Burgenlandes 346 Männer und 82 Frauen im Bergbau beschäftigt – und 66 Kinder! Gerade wegen ihrer Körpergröße wurden sie in den engen Stollen eingesetzt und verrichteten „unter Tage“ schwere Arbeit. Was zur Zeit der Industrialisierung sogar erlaubt war, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts – spät aber doch – verboten und streng kontrolliert.

Zur gleichen Zeit nahm auch die Bedeutung früherer Standorte im Burgenland ab, wie etwa der Kupfer-, Schwefel- und Eisenerzbergbau im Bernsteiner und Günser Gebirge. Dennoch gab es gerade im „flachen“ Land nach wie vor einige größere Abbaugebiete. Diese jedoch verschwanden zum Teil noch vor der Geburtsstunde des Burgenlandes im Jahr 1921 langsam aber sicher ebenso von der industriellen Landkarte.

Was aber ganz und gar nicht das volle Ende des Bergbaus bedeuteten sollte, die wenigen Erhebungen wie Geschriebenstein und Co. wurden weiter genutzt: Auch nachdem das Burgenland von Ungarn zu Österreich kam, wurde fleißig gearbeitet, teils auch noch in riesigen Dimensionen. Speziell Mitte des 20. Jahrhunderts hatte der Bergbau an einigen Orten enorme Bedeutung. Von den einst größten Bergbau-Zentren im Land (Überblick im Kasten rechts) sind sogar einige noch heute in Betrieb.

Den Anfang machte der Süden, genauer: das Antimonbergwerk in Goberling. Der Ortsteil der Stadtgemeinde Stadtschlaining ist seit jeher als Bergwerksdorf bekannt. Wen wundert’s? Bereits im 15. Jahrhundert wurden in der Region verschiedene Erze abgebaut. Seit 1744 steht Antimon, das damals entdeckt wurde und sowohl für Bremsbeläge als auch in der Heilkunde verwendet wird, hoch im Kurs.

„Ganze Region lebte von und mit dem Bergbau“

Daher auch der Name des Bergwerks, wo der tatsächliche Abbau Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt. Es beschäftigte zu seiner Blütezeit 160 Arbeiter. Nicht von ungefähr kommt der Ausspruch: „Eine ganze Region lebte von und mit dem Bergbau.“ 1990 musste das Werk aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden.

Als Andenken an die goldenen Tage wahrt heute direkt in Goberling ein Museum, wo die letzten Überreste bergmännischer Arbeitsgeräte ausgestellt sind. Apropos Museum: Ein solches gibt es auch im benachbarten Bernstein. Dort ist allerdings ein anderes Gestein im Fokus: Auf 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentiert die Familie Potsch alles rund um den Edelserpentin – vor allem jetzt im Rahmen einer 100-Jahre-Ausstellung.

Edelserpentin aus Bernstein, in den 1950ern ob seiner Einzigartigkeit – Bernstein ist der einzige Fundort des grünen Schmucksteins – ein Welthit, wird seit Ende des 19. Jahrhunderts und bis heute abgebaut. Davor hatten, wie erwähnt, der Kupfer- und der Schwefelabbau ihre Hochzeit. Dem Antimon, Edelserpentin oder Schwefel den Rücken gekehrt, ist im Burgenland vor allem an einem Material kein Vorbeikommen: der Kohle. Zillingtal, Steinbrunn oder Ritzing, wo der berühmte Helenenschacht, der bis 1955 als Unterstützungssitz eines ungarischen Werks (Brennberg) fungierte, daheim ist, sind nur einige wenige Namen bedeutender Abbaugebiete. Auch in Mariasdorf-Tauchen fand die Kohle Absatz. Heute ist keines der Kohle-Kraftwerke mehr in Betrieb.

Vom Straßenbelag bis zur Wiener Ringstraße

Neben Ritzing sticht im Mittelburgenland mit Sicherheit ein weiterer Name ins Auge: das Basaltwerk Pauliberg. Der Basalt wird unter anderem im Straßenbau eingesetzt. Eröffnet wurde das Werk unmittelbar vor dem Ende des Ritzinger Bergbaus 1948. Und es geht bis heute höchst erfolgreich! Ab den 1970ern erfolgten mehrere Modernisierungsschübe. Nun investiert Esterhazy 17 Millionen Euro in das Basaltwerk.

Wo seit Jahrzehnten auch Kultur ermöglicht wird – im Steinbruch St. Margarethen – wurde einst der Kalkstein für die bedeutendsten Bauten Österreichs gewonnen: für den Stephansdom, die Karlskirche oder die Wiener Ringstraße. Seit 2001 ist der Steinbruch als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.

Ein bleibendes Zeichen setzte auch der Kohle-Abbau in Neufeld: Nach dem Ende des Werkes wurde auch das Auspumpen des Grundwassers eingestellt. Dadurch entstand in kurzer Zeit ein See von etwa zwei Kilometern Länge: der Neufelder See …