Ältere Männer betäubt und ausgeraubt: Drei Jahre Haft. Eine 20-jährige Rumänin ist am Donnerstag im Landesgericht Eisenstadt wegen schweren Raubes zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt worden. Sie soll als Mitglied einer kriminellen Vereinigung im Sommer im Bezirk Mattersburg ältere Männer mit Medikamenten betäubt und mit Komplizen ausgeraubt haben. Der Schaden betrug rund 240.000 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 21. November 2019 (18:38)
Das Justizzentrum Eisenstadt.
Werner Müllner

Die 20-Jährige bekannte sich teilweise schuldig. Die Rumänin, die zum Tatzeitpunkt schwanger war und in der Haft ein Kind bekommen hat, soll das Vertrauen der Männer gewonnen und sie nach Hause begleitet bzw. dort aufgesucht haben. Ihnen wurden starke Medikamente in die Getränke gemischt. Als sie dann schliefen, durchsuchten Mitglieder der Bande ihre Häuser.

Die Rumänin soll laut Anklage an insgesamt vier Taten beteiligt gewesen sein. Zweimal kam es dabei zu einem Raub, zweimal blieb es beim Versuch. Beim letzten Versuch wurde die 20-Jährige auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Dreimal suchten die Kriminellen denselben Pensionisten in Baumgarten auf. Beim ersten Mal im Mai, bei dem eine Komplizin der Rumänin den Mann besuchte, wurden insgesamt 219.000 Euro gestohlen. Der Pensionist hatte das Bargeld aufgrund einer anstehenden Investition in Kuverts im Haus versteckt.

Als die Angeklagte selbst im Juli bei dem Mann zu Hause war, scheiterte der Versuch, ihm Medikamente zu verabreichen. "Ich habe da etwas geahnt und habe deswegen nicht getrunken", berichtete er vor Gericht. Am 16. Juli wurde die 20-Jährige schließlich festgenommen, als sie den Mann erneut besuchen wollte. Das zweite Opfer der Gruppe ist ein Pensionist aus Schattendorf. Er nahm die 20-Jährige, die er in Sopron bei einem Imbissstand kennengelernt hatte, im Juli mit zu sich nach Hause. Ihm wurden 24.000 Euro gestohlen.

Die 20-Jährige bestritt, dass sie bei der ersten Tat im Mai dabei war. Eine DNA-Spur auf einem Glas, das im Haus des Pensionisten sichergestellt wurde, sei aber "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" der Rumänin zuzuordnen, erläuterte Richterin Gabriele Nemeskeri.

Die junge Frau gab an, zu den Taten gezwungen worden zu sein. Sie habe sich in einen Mann verliebt und nicht gewusst, dass sich dessen Familie "mit solchen Sachen" beschäftige. Seine Mutter habe ihr gedroht, ihr das Kind, mit dem sie schwanger war, wegzunehmen. Sie habe Angst gehabt und sei geschlagen worden, sagte die Rumänin aus. Auch ihr Verteidiger betonte: "Sie wurde wie ein Werkzeug manövriert. Sie war hundertprozentig unter Druck gesetzt."

Der Staatsanwalt hingegen betonte, dass DNA nicht lüge, außerdem habe die Rumänin im Verfahren "für eine Geständige sehr oft gelogen". Der Schöffensenat sprach die 20-Jährige schließlich schuldig. Man habe keinen Zweifel daran, dass sie auch an der Tat im Mai beteiligt war, erläuterte die Richterin. "Die DNA-Spur ist so eindeutig, das kann fast nicht mehr eindeutiger sein."

Es sei "besonders verwerflich, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und betagte Personen auszunutzen", sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Auch das Tatmittel sei "höchst gefährlich" gewesen. Die Medikamente könnten in zu hoher Dosierung schwere gesundheitliche Schäden verursachen. "Die Tätergruppe hatte Glück, dass nicht weitere Schäden bei den Opfern entstanden sind."

Der Verteidiger der Rumänin verzichtete auf Rechtsmittel. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.