Schlepperbande in Deutschland geschnappt. Mit einer großen Razzia ist die Polizei in Deutschland gegen eine Schlepperbande vorgegangen.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 19. Januar 2021 (10:54)
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Am Dienstag wurden in Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen mehrere Verdächtige verhaftet. Der mutmaßliche Chef der Bande, die seit mindestens April 2019 Menschen über die Balkanroute gegen hohe Summen nach Deutschland gebracht haben soll, hatte sich bis zu seiner Festnahme vor wenigen Wochen auch in Österreich aufgehalten. Geschnappt wurde er im Burgenland.

Auf die Schliche war die deutsche Polizei der Bande gekommen, als sie im August 2019 einen Schlepperfahrer auf der Autobahn 7 bei Füssen in Bayern unweit der Grenze zu Tirol festnahm. Mit Ermittlern aus mehreren europäischen Ländern machte die Staatsanwaltschaft Kempten dann den mutmaßlichen Kopf der Bande ausfindig.

Es handle sich um einen syrischen Staatsbürger um die 30, der in Deutschland seinen Wohnsitz hatte, zwecks Organisationen der Schlepperfahrten aber immer wieder nach Österreich reiste, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten auf APA-Anfrage. Der Mann habe die Aktionen meist über sein Smartphone aus sicherer Entfernung koordiniert. Im vergangenen Dezember aber sei er ausnahmsweise als Lenker eines Schlepperfahrzeugs selbst im Einsatz gewesen. "Mit neun Geschleusten im Auto wurde er auf frischer Tat ertappt und festgenommen", sagte der Sprecher. Der Beschuldigte befinde sich aktuell in Eisenstadt in Untersuchungshaft, seine Auslieferung nach Deutschland sei beantragt worden.

Die Staatsanwaltschaft in Kempten wirft nach der Razzia am Dienstag 19 Beschuldigten zwischen 21 und 44 Jahren Schlepperei vor. Die Verdächtigen sollen sich in mindestens 23 Fällen "des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern" schuldig gemacht haben. Die mutmaßlich 140 Geflüchteten stammten überwiegend aus Syrien. Bei der Razzia waren mehr als 400 deutsche Bundespolizisten im Einsatz, mehrere Gebäude wurden durchsucht.

Die Schlepper seien überaus planvoll und sehr professionell vorgegangen, teilte die Anklagebehörde mit. Sie hätten Wagen eingesetzt, die den eigentlichen Schlepperfahrzeugen voraus fuhren und Polizeikontrollen meldeten. Die Grenze hätten die Geflüchteten oftmals zu Fuß überquert. Bei dem Einsatz am Dienstag vollstreckten die Ermittler elf Durchsuchungsbeschlüsse und sieben Haftbefehle.