Corona-Mythen und wissenschaftliche Belege. Wie kann man Corona feststellen, was hilft dagegen? Diese Fragen brennen vielen Leuten unter den Nägeln. Alle Antworten, die es darauf gibt, sollte man aber lieber nicht glauben. Auch viele Gerüchte und Halbwahrheiten geistern durchs Netz.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 11. November 2020 (05:49)
Faktencheck rund um Covid-19
APA (dpa)

Was tatsächlich stimmt, ist bei der Fülle an Informationen oft schwer zu erkennen. Ein vierköpfiges Team der Donau-Uni will mit der Plattform „Medizin Transparent“ gegensteuern. Die Mitarbeiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin durchsuchen wissenschaftliche Quellen, um Antworten zu finden. „Wichtig ist, dass wir versuchen, möglichst alle Studien zu einer Frage zu finden, um ein möglichst umfassendes und maximal objektives Bild über den Stand der Forschung zu bekommen“, erklärt Leiter Bernd Kerschner. Ein Überblick über die bisherigen Erkenntnisse.

Mit Maske bekommt man zu wenig Sauerstoff: Falsch!

Mit Mund-Nasen-Schutz hat man schnell das Gefühl, schlechter Luft zu bekommen. Manche Menschen befürchten, dass sich dies auch auf die Gesundheit auswirken könnte. Um das herauszufinden, wurde etwa ein Experiment durchgeführt, bei dem Menschen mit und ohne Maske sporteln mussten. Dabei und in anderen Studien zeigt sich, dass der Sauerstoff-Gehalt im Blut mit Mund-Nasen-Schutz genauso hoch ist wie ohne. Man bekommt mit Maske also ausreichend Sauerstoff. Auch Auswirkungen auf den Kreislauf scheinen unwahrscheinlich, sagen die Wissenschaftler: Beim Sport mit Maske schlug das Herz nicht schneller als ohne. Das deute darauf hin, dass das Maskentragen den Kreislauf nicht belastet.

Eine Corona-Infektion kann man ohne Test erkennen: Falsch!

Wer bestimmte Symptome hat, weiß, dass er sich mit dem Virus angesteckt hat. So einfach ist es leider nicht. Bisher haben sich keine Symptome herauskristallisiert, von denen sich gesichert auf eine Covid-19-Infektion schließen lasse, sagen die Forscher. Auch die Abwesenheit bestimmter Symptome erlaubt es nicht, Entwarnung zu geben. Symptome alleine reichen also nicht aus, um eine Covid-19-Diagnose zu stellen.

Rauchen schützt vor Corona: Wissenschaftliche Belege fehlen!

Immer wieder werden Studien zitiert, die zeigen sollen, dass Raucher seltener am Virus erkranken – wenn doch aber schwerer. Eine oftmals zitierte Studie aus einem Pariser Spital ist aber nicht geeignet, um die Hypothese zu untermauern, sagt das Team aus Krems. Vielmehr sei es plausibel, dass Raucherinnen und Raucher ein erhöhtes Risiko haben.

Corona-Selbsttests für Zuhause wirken genauso wie Testungen durch Gesundheitspersonal: Wissenschaftliche Belege fehlen!

Ob Selbsttests aus der Drogerie oder Apotheke ebenso verlässliche Ergebnisse liefern wie ein Test durch geschultes Gesundheitspersonal, wurde bisher nicht untersucht, stellen die Wissenschaftler klar. Fehler beim Entnehmen der Probe zuhause sind möglich. Auch auf dem Postweg zum Labor kann etwas schiefgehen. Aber egal, ob selbst oder durch geschultes Personal durchgeführt – hundertprozentig verlässlich ist auch der beste Test nicht, sagen die Forscher.

Vitamin D ist ein Wundermittel gegen Corona: Falsch!

Vitamin-D-Präparate sollen Erkältungen, Grippe, aber auch Coronavirus vorbeugen. Untersucht wurde das bisher nicht, heißt es von der Donau-Uni. Dass sich eine Infektion durch Vitamin D abwehren lässt, sei allerdings wenig plausibel. Das Vitamin soll „wahrscheinlich keinen vorbeugenden Effekt haben.“ Nur, wenn ein gravierender Mangel besteht, soll das Immunsystem von einer Behandlung mit Vitamin D profitieren.

Chlorbleiche heilt Corona: Falsch!

Miracle Mineral Supplement – kurz MMS – ist laut Donald Trump das Wundermittel gegen das Corona-Virus. Auch diverse Internetseiten verbreiten das Gerücht, ätzende Chlor-Verbindung könne Krankheiten wie Covid-19 heilen. Es handelt sich dabei um Natriumchlorit, das zum Bleichen von Papier und Stoffen verwendet wird. Hinweise darauf, dass MMS Krankheiten heilen oder Beschwerden lindern kann, gibt es aber keine. Eine solche Wirkung ist weder plausibel noch gibt es Studien, die das seriös überprüft haben, stellen die Wissenschaftler klar. Lisa Röhrer