Das „Verrechnungskarussell“ des Begas-Chefs. Handwerker arbeiteten beim Privathaus des Begas-Chefs. Rechnungen auf Begas-Projekte ausgestellt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 19. November 2020 (04:55)
Symbolbild
Von Zolnierek, Shutterstock.com

Der Begas-Prozess rund um fingierte Rechnungen und ein „Verrechnungskarussell“ wurde in der Vorwoche und am Dienstag dieser Woche fortgesetzt. Befragt wurde zum Beispiel ein Steinmetz-Meister, der von 2006 bis 2008 Arbeiten am privaten Anwesen des 2012 fristlos entlassenen Chefs des burgenländischen Gas-Versorgers Rudolf Simandl durchgeführt hatte.

Sieben Rechnungen waren das Ergebnis, insgesamt verrechnete der Steinmetzmeister rund 59.000 Euro – jedoch nicht an Rudolf Simandl, sondern an eine Baufirma, mit der die Begas damals zusammenarbeitete. Unter anderem waren Arbeiten im Bereich des Pools der Familie Simandl durchgeführt worden.

„Auffällig ist, dass auf der Rechnung Baustelle Begas Kraftwerk Heiligenkreuz steht und nicht Privathaus Simandl“, hielt Richterin Karin Knöchl dem Steinmetzmeister vor.

Das sei der Wunsch jenes Baumeisters gewesen, der die Arbeiten für Simandl koordinierte, antwortete der Zeuge.

Der Baumeister muss sich wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten. „Er sagte zu mir: Sie müssen den Rechnungszweck nicht verstehen, das hat schon seine Richtigkeit“, erinnerte sich der Steinmetz.

Professionisten wurden vor Gericht befragt

Befragt wurde auch der Mitarbeiter einer Tischlerei, von der sich Simandl maßangefertigte Fenster einbauen ließ, und ein Tischlermeister, der eine Küche lieferte. Ein Elektroinstallateur reparierte eine Sprechanlage, eine andere Firma montierte eine Türe, eine weitere errichtete eine Holzterrasse.

Auf den Rechnungen stand davon nichts. Die Handwerker berichteten, dass auf Wunsch von Simandl selbst oder des Baumeisters die Rechnungen auf „Bauvorhaben Biomasse Oberwart“, „Wohnhausanlage Berndorf“, „Heizkraftwerk Oberwart“ oder andere Projekte ausgestellt wurden.

Wurden die Rechnungen voreilig auf den Namen Simandl ausgestellt, mussten sie auf Anweisung des Baumeisters korrigiert werden. „Es hieß, das wird firmenintern abgerechnet, das passt schon so“, erinnerte sich der Mitarbeiter einer Einrichtungs- und Montagefirma.

Ein Schlossermeister lieferte einen Tresor ans Anwesen Simandl. „So einen großen Tresor liefert man ja nicht alle Tage!“, sagte die Richterin. „Alle zehn Jahre!“, bestätigte der Schlossermeister. Auf der Rechnung für den Tresor stand dann: „Sperranlagen für Heizkraftwerke“. „Ich nehme an, dass der Herr Baumeister das gesagt hat, dass nicht Tresor drinnen steht sondern etwas anderes“, versuchte sich der Zeuge zu erinnern.

Rudolf Simandl selbst nimmt wie berichtet aus gesundheitlichen Gründen nicht am Prozess teil. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Der Prozess wird noch diese Woche fortgesetzt.