Besonders viele Unfälle gegen Schulende. Im Juni verunglücken die meisten Kinder als Fußgänger oder mit dem Fahrrad.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 13. Juni 2019 (11:51)
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Nach dem verregneten Mai haben Anfang Juni endlich sommerliche Temperaturen Einzug gehalten. Das schöne Wetter lädt vor allem Kinder zu Aktivitäten im Freien ein – erhöhte Aufmerksamkeit ist also weiterhin für alle Verkehrsteilnehmer Pflicht.

Juni als unfallträchtigster Monat

"Der Juni war in den vergangenen drei Jahren mit insgesamt 1.020 verunglückten Kindern unter 15 Jahren der unfallträchtigste Monat", erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Besonders betrifft das Kinder, die entweder zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind: 11 Prozent der als Fußgänger verunglückten Kinder fallen in den Juni, bei den Radlern sind es sogar 17 Prozent (Quelle: Statistik Austria). Diese Werte übertreffen sowohl die Monate davor als auch die Sommermonate danach, in denen der Freizeitanteil wesentlich höher ist.

Warum Kinder im Straßenverkehr besonders gefährdet sind, erklärt die Expertin des Mobilitätsclubs so: "Sind die Kleinen erst einmal sicher auf zwei Beinen unterwegs, ist ihr Entdeckerdrang enorm. Und auch Fortbewegungsmittel wie Dreirad, Tretauto oder Roller werden immer interessanter und tragen zu einem noch höheren Bewegungsradius bei."

Insbesondere Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter sehen, hören und reagieren nicht so wie Erwachsene. Räumliche Wahrnehmung fällt ihnen schwer, sie können Entfernungen noch nicht gut abschätzen, haben längere Reaktionszeiten, sind sehr spontan und leicht ablenkbar. Und meistens fehlt ihnen aufgrund der geringen Körpergröße der Gesamtüberblick.

Kindliches Gefahrenbewusstsein richtig einschätzen

"Ziel der Eltern muss daher sein, ihren Nachwuchs zu einem verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit dem Straßenverkehr anzuleiten. Dabei kommt der Vorbildwirkung besondere Bedeutung zu", hält die ÖAMTC-Verkehrspsychologin fest. "Gehsteigbenützung, Bedeutung der Ampelfarben, Straßenüberquerung an Zebrastreifen, auch wenn dafür ein Umweg notwendig ist, Blicktechniken – all das sollte nicht nur trainiert, sondern auch aktiv vorgelebt werden."

Die Lust an der Bewegung steht auch bei älteren Kindern oft im Vordergrund. Die Verwendung von Fahrrädern, E-Tretrollern oder anderen elektronischen Spiel- und Sportgeräten erfolgt dabei meist intuitiv. Sichere und kontrollierte Beherrschung, hinken hingegen manchmal hinterher, ebenso Kenntnis und Anwendung einfacher Verkehrsregeln.

"Das ist nicht nur für Eltern und Aufsichtspersonen, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer herausfordernd. Vor allem Autofahrer sollten sich stets der geringeren Risiko- und Gefahrenwahrnehmung von Kindern bewusst sein – daher sind Kinder auch zu Recht vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen", erklärt Seidenberger.

ÖAMTC-Verkehrserziehungsprogramme für verschiedene Altersstufen

Der ÖAMTC und die ÖAMTC Fahrtechnik bieten unter www.oeamtc.at/verkehrserziehung verschiedene, auf das jeweilige Alter abgestimmte Verkehrserziehungsprogramme an.