Erstellt am 09. Mai 2018, 14:48

von Richard Vogler

Direktor verurteilt: „Ich war komplett von der Rolle“. Nach zwölf Jahren machte die Geliebte mit dem Angeklagten Schluss. Aus Leid und Eifersucht beging er daraufhin zahlreiche Straftaten. Am Dienstag dieser Woche wurde der Mann, der als Schuldirektor im Burgenland einem angesehenen Beruf nachgeht, zu 9000 Euro Geldstrafe und neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Schuldirektor vor Gericht  |  APA

Von 2007 bis 2015 pflegte der Schuldirektor eine außereheliche Beziehung. 2015 machte die Geliebte Schluss. Seit Mai 2015 lebt sie mit einem anderen Mann zusammen.

„Eine Woche nach der Trennung habe ich beschlossen, dass ich meine Familie nach 30 Jahren Ehe verlasse“, berichtete der gekränkte Schuldirektor vor Gericht. Doch seine Ex-Geliebte wollte mit ihm kein neues Leben beginnen.

Für das, was danach passierte, findet selbst der Schuldirektor keine Rechtfertigung. „Ich war komplett von der Rolle. Es tut mir leid.“

Er begann kompromittierende Briefe zu schreiben, die mit den Namen der Ex-Geliebten und von deren neuem Freund unterzeichnet waren. Adressiert waren diese Briefe an Empfänger im privaten Umfeld der beiden Opfer in zwei ländlichen niederösterreichischen Gemeinden. Unter anderem erhielten Freunde des Paares, das Gemeindeamt, die Feuerwehr, Wirtshäuser, Kaufhäuser und Ärzte Briefe mit überaus peinlichem Inhalt.

„Es war furchtbar!“

„Einige dieser Personen nahmen Kontakt mit mir auf, einige brachten den Brief zu meiner Mutter“, berichtete die 58-jährige Ex-Geliebte. Ihr sei klar gewesen, dass es darum ging, sie bloßzustellen, sie fertigzumachen und zu vernichten. „Es war einfach furchtbar!“, berichtete sie vor Gericht. Sie habe sich in Psychotherapie begeben müssen und nehme immer noch Tabletten, um schlafen zu können.

Der Angeklagte, selbst Vater zweier Kinder, schreckte auch nicht davor zurück, Briefe an die minderjährigen Kinder des neuen Partners seiner Ex-Geliebten zu schicken. Er erweckte auch diesmal den Eindruck, seine frühere Freundin und deren neuer Lebenspartner seien die Absender, und legte den Briefen CDs mit pornografischen Inhalten bei. Im Namen seiner Ex-Geliebten drohte er der zehnjährigen Tochter von deren neuen Freund: „…wir werden dir sehr weh tun!“

„Kinder waren fassungslos!“

„Meine Kinder waren fassungslos!“, berichtete der 50-jährige Lebensgefährtin der Ex-Geliebten des Schuldirektors. Er habe sich gerade erst mit seiner Ex-Frau nach einem schwierigen Scheidungsverfahren arrangiert, als die Krise ausbrach.

Wegen der kompromittierenden Briefe werde er nach wie vor in seinem Heimatort von einigen Gewerbetreibenden nicht mehr bedient, das Verhältnis zur Feuerwehr sei „nachhaltig gestört“. Er müsse seine Kinder jetzt an Besuchswochenenden mit dem Auto von seiner Ex-Frau abholen und zurückbringen, da eine Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel aufgrund der Vorkommnisse nicht mehr möglich sei.

Unterschlagung von 100.000 Euro behauptet

Doch damit nicht genug: Der Schuldirektor verleumdete seine Ex-Freundin bei deren Arbeitgeber, einer Bank, indem er behauptete, sie habe 100.000 Euro, die er ihr zur Veranlagung anvertraut habe, unterschlagen.

Um diese Unterstellung zu untermauern, versuchte der Pädagoge einen Lehrer, der bei ihm beschäftigt ist, zur Falschaussage anzustiften: Der Lehrer sollte bezeugen, dass er dabei gewesen sei, wie der Direktor die 100.000 Euro an die Ex-Geliebte übergeben habe.

„Es war eine verzwickte Situation“, erinnerte sich der Lehrer in seiner Zeugenaussage vor Gericht. „Er war nicht bei Sinnen“, sagte er über seinen Vorgesetzten.“

Er sei jedenfalls, so der Lehrer, nicht der Aufforderung seines Chefs nachgekommen, für ihn zu lügen.

Unbefugt Daten abfragen lassen

Des Amtsmissbrauchs machte sich der Schuldirektor schuldig, als er den Schulsekretär anstiftete, bei der Gemeinde durch Abfrage im Zentralen Melderegister das Geburtsdatum und die Adressen der minderjährigen Kinder des neuen Freundes seiner Ex-Geliebten ausfindig zu machen. Eine solche Datenabfrage ist dem Schuldirektor zwar gestattet, aber selbstverständlich nur für Kinder im Rahmen des Schulbesuchs.

Zweimal soll der Schuldirektor seiner Ex-Freundin vor deren Wohnsitzen in Niederösterreich und Wien aufgelauert haben, wodurch der Tatbestand der beharrlichen Verfolgung verwirklicht wurde, zumal die Ex-Geliebte zuvor unmissverständlich klargemacht hatte, dass sie keinen Kontakt mehr wünsche.

„Ich wollte sie zur Rückkehr bewegen“

„Ich wollte sie bewegen, zu mir zurückzukehren“, gab der Angeklagte zu, der vom „größten Fehler meines Lebens“ sprach. Und er habe einen Keil zwischen seine Ex-Freundin und deren neuen Partner treiben wollen.

Der Schuldirektor wurde von einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Karin Lückl vollinhaltlich schuldig gesprochen und zu 9000 Euro Geldstrafe (unbedingt) und einer Haftstrafe im Ausmaß von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. An seine Ex-Freundin muss er 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen, an deren neuen Freund 3000 Euro.

„Sie haben doch als Pädagoge eine Vorbildwirkung! Dass gerade Sie zu solchen Mitteln greifen!“, wunderte sich die Richterin. Eine zuvor vom Verteidiger des Schuldirektors beantragte Diversion lehnte sie ab: Zu massiv sei die Vorgangsweise des Angeklagten gewesen, zu groß die Anzahl der Tathandlungen, zu gravierend die Folgen und zu wenig überzeugend die Verantwortungsübernahme.

Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwältin gaben keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.