Burgenländer sind Hochzeitsmuffel geworden

Im Burgenland wird immer weniger geheiratet, geschieden dafür schon. Gemeinsam leben wollen wir trotzdem, sagt eine Studie.

Erstellt am 13. Januar 2022 | 05:24
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Heiratsantrag
Symbolbild
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Das Österreichische Institut für Familienforschung der Universität Wien gibt jedes Jahr den Bericht „Familie in Zahlen“ heraus, im Jänner erschien der Bericht über das Jahr 2021. Die erstaunlichste Erkenntnis: Burgenlands Pärchen sind Hochzeitsmuffel geworden. Die 1.176 Eheschließungen 2020 (2019 waren es 1.362, 2018 sogar 1.405) sind der niedrigste Wert pro Kopf, gleichauf mit Wien. Dazu kommt: Von 87.900 Familien sind 37 Prozent kinderlos. Das ist der höchste Anteil in ganz Österreich. Ebenfalls überdurchschnittlich: 42,8 Prozent der Kinder werden in nicht-eheliche Verhältnisse geboren.

Familienstatistik Hochzeitsstatistik Burgenland
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Die Frage liegt also auf der Hand: Woran liegt der mangelnde Heirats- und Fortpflanzungswille? Vielleicht an der hohen Arbeitsbelastung: 73,4 Prozent der burgenländischen Mütter müssen arbeiten gehen – ein Höchstwert im Bundesländervergleich. Andererseits: 93 Prozent der Väter sind berufstätig, was wiederum ein vielleicht hoch klingender, aber tatsächlich unterdurchschnittlicher Wert ist.

Kaum Kinder, Ehen – aber Leben in der Großfamilie

So selten im Burgenland „Ja“ gesagt wird, so oft wird auch „Nein“ gesagt: Die Gesamtscheidungsrate ist mit 39,7% aber die dritthöchste nach Vorarlberg und NÖ. Hier hat die Corona-Pandemie und ihre gesellschaftlich-finanzielle Herausforderung aber scheinbar für ein Umdenken gesorgt: 472 Scheidungen 2020 waren pro Kopf gerechnet der drittniedrigste Wert nach OÖ und Tirol.

Wir sind ein Volk von Einzelgängern geworden, könnte man nun meinen. Stimmt so aber nun auch wieder nicht: Von den 127.800 Haushalten im Burgenland waren 2020 nur 32,4 Prozent – also nicht einmal jeder dritte – Ein-Personen-Haushalte. Das ist der niedrigste Wert in ganz Österreich. Und auch bei den Mehr-Kinder-Haushalten liegt das Burgenland im Bundesländervergleich weit oben.

Liegt das am Zuzug? Jedenfalls nicht am internationalen: 87 Prozent der 2.100 Lebendgeburten sind Österreicher – der Top-Wert im Bundesvergleich.