Schönborn: "Abschotten löst keine Probleme"

Erstellt am 31. Mai 2018 | 13:26
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Kardinal Christoph Schönborn zum Jahreswechsel
Kardinal Christoph Schönborn zum Jahreswechsel
Foto: APA (ORF/Cinevision)
Der Wiener Erzbischof betonte zu Fronleichnam: Das Evangelium lehre "keine Ego-Partie", sondern "Jesus wirbt für Integration".

"Abschieben und Abschotten löst keine Probleme" - mit dieser politischen Botschaft wandte sich Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag im Rahmen des traditionellen Wiener Stadtumgangs zu Fronleichnam an die hunderten Gläubigen, darunter zahlreiche Politiker und Vertreter der Bundesregierung. 

Ähnlich den Aposteln im Evangelium, so würde auch die Politik heute den Fehler machen, "Probleme zu lösen, indem man die Menschen einfach wegschickt" - und damit "gegen das Wort Jesu" handeln. Dies betreffe das unmittelbare Lebensumfeld, etwa scheiternde Ehen oder Beziehungen, ebenso wie soziale und politische Fragen auf europäischer Ebene.

Verstärkt Sorge statt Hilfsbereitschaft

Er nehme einen "Stimmungswandel" wahr, so der Kardinal in seiner Predigt bei der ersten Station des Stadtumgangs vor der Wiener Michaelerkirche. Die "Haltung der Hilfsbereitschaft" sei einer vermehrten Sorge gewichen, ob Österreich mit den Herausforderungen der Flüchtlingsaufnahme und Integration fertig werde. 

Dies sei jedoch nicht die Haltung, die Jesus im Evangelium lehre, so Schönborn weiter. Schließlich schicke Jesus niemanden fort, sondern er rufe vielmehr zur Gemeinschaftsbildung auf. Jesus werbe nicht für eine "Ego-Partie", sondern "um es mit einem modernen Wort zu sagen: für Integration".

Schönborn verweist auf den Libanon

Schließlich mahnte der Kardinal, bei allen verständlichen Sorgen die Maßstäbe zu wahren: Wenn ein Land wie der Libanon über zu viele Flüchtlinge klage, sei das verständlich angesichts von 4 Millionen Einwohnern und 1,5 Millionen Flüchtlingen. Es sei daher auch notwendig, für den Frieden zu beten - denn der Frieden sei die Bedingung dafür, dass Menschen in ihrer Heimat blieben, erinnerte der Wiener Erzbischof: "Niemand verlässt seine Heimat freiwillig".