Neue Strategie bei Anrainer-Schutz. 600 Securitys sorgen neben Einsatzkräften für Sicherheit. Doppelzäune, Patrouillen und mehr Abstand zu den Siedlungen.

Von Thomas Werth und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 09. August 2019 (03:57)
Martin Gruber-Dorninger
Der Leiter des Veranstaltungsservice St. Pölten, Michael Bachel, setzt gemeinsam mit der Polizei Maßnahmen um, die die Festivalzeit für Anrainer angenehmer machen sollen.

Eine Woche noch, dann verdoppelt sich wieder für einige Tage die Einwohnerzahl St. Pöltens. Das Frequency ist zu Gast und lockt täglich 50.000 Menschen auf das Festivalgelände. Das ist natürlich eine große Herausforderung für Einsatzkräfte, Sicherheitspersonal und die Organisatoren. In dem Trubel behalten im Sicherheitsbereich vor allem zwei Personen den Überblick. Michael Bachel vom Veranstaltungsservice St. Pölten und Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler.

„Wenn in eine 60.000 Einwohner-Stadt 50.000 Besucher kommen, wird es Beeinträchtigungen geben. Wir versuchen das aber, so gut wie möglich mit diversen Maßnahmen abzufedern“, sieht Michael Bachel dem Frequency-Wochenende mit Zuversicht entgegen.

Gemeinsam mit der Exekutive erarbeitete die Stadt konkrete Maßnahmen, damit auch die Wünsche der Anrainer während des Festivals besser umgesetzt werden können. „Die Anrainerbeschwerden sind zum größten Problem des Festivals geworden. Das hat ein Umdenken bei allen erzeugt, dass man sich mehr darum kümmern muss“, erklärt Bäuchler.

Mit mehr Fläche gegen Wildcamper

Durch ein neues Parkleitsystem sollen mehr Besucher über die Ost-Abfahrt zum Festivalgelände gelangen und dadurch den Süden entlasten. Insgesamt gibt es um zehn Hektar mehr Parkfläche und um vier Hektar mehr Campingfläche. Darauf werden auch mehr mobile Toilette-Anlagen zu finden sein als in den Vorjahren.

„Dadurch wollen wir die Leute davon abhalten, wild zu campen und sich in die dafür vorgesehenen Bereiche zu begeben“, hofft Bachel. Als Beispiel nennt er die Kleingartensiedlung in Stattersdorf, wo es auch einen Doppelzaun geben wird. Ein weiterer wird in der Christian Artl-Gasse installiert. Auf den Parkflächen wird das Personal die Besucher empfangen und eine Übersicht über mögliche freie Parkplätze geben können.

Vier Bandausgabestellen sollen ebenfalls für einen reibungsloseren Ablauf beim Ankommen sorgen. Mit dem Band geht es dann auf die Campingflächen und von dort zur Bühne. „Wichtig ist es, dass die Wege von Auto zum Zelt möglichst kurz gehalten werden. Damit gibt es dann auch wenig Beweggründe, die Autos in den Siedlungen zu parken“, weist Bachel darauf hin, dass es auch keine Zugänge zum Festivalgelände durch Siedlungsgebiet geben wird.

Diese wird es nur beim VAZ selbst, in Stattersdorf beim Johannisgraben und beim Caravancampen in Spratzern geben. Generell versucht man heuer bei den Park- und Campingflächen, weiter von den Anrainersiedlungen abzurücken. „Wo es geht, verschieben wir auch die Dieselaggregate möglichst weit weg
von den Häusern“, berichtet Bachel.

Besonderen Schutz genießen Bereiche, die in den letzten Jahren stark unter dem Festival gelitten haben. Das Auwald-Gebiet sowie das Brunnenfeld werden eingezäunt, insgesamt 600 Securitys werden von Dienstag 8 Uhr morgens bis Sonntag-Mittag patrouillieren. Die Zufahrt unter die Harlander Brücke wird abgesperrt. „Damit wollen wir verhindern, dass hall erzeugende Fahrzeuge unter die Brücke gelangen können“, so Bachel.

Sonstige Maßnahmen betreffen noch eine Verbreiterung der Brücke über den Mühlbach und eine besondere Transparenz.

Neues Parksystem soll Entlastung bringen

Das Parkproblem sollen Anrainerkarten in eigenen Bereichen und Abschleppzonen lösen. „Dort wird heuer rigoros abgeschleppt und wir werden am Anreisetag intensiver die Parksituation kontrollieren“, warnt Bäuchler. Die Polizei werde auch auf die Lärmproblematik achten. Angesprochen sind damit vor allem jene Leute, die nach der letzten Band ihre Musikanlagen auspacken. „Das ist für die Anrainer oft störender als die Musik von der Bühne.“

Auch präventiv gegen Diebstahl wird die Polizei unterwegs sein, wenngleich Bäuchler weiß, dass dies oft leere Kilometer seien, die seine Kollegen zurücklegen. „Wenn jemand in der Menge sein Handy bis zur Hälfte aus der Gesäßtasche ragen hat, kann man kaum etwas tun.“ Bäuchler versteht generell nicht, warum Leute neueste elektronische Geräte auf ein Festival mitnehmen und diese auch ohne Aufsicht in Zelten zurückgelassen.