Oliver Treiber: „Ein Kino führen ist auch viel Idealismus“

Erstellt am 22. September 2022 | 05:25
Lesezeit: 6 Min
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Vor dem Kino. Seit 1996 führt Oliver Treiber das Kino in Oberpullendorf, das erste wurde 1926 von seinem Urgroßvater gemeinsam mit einem Hotel, dem heutigen Kloster, errichtet.
Foto: Grabner
Oliver Treiber ist einer von zwei noch privaten Kinobesitzern im Burgenland. Der BVZ gewährte er einen Einblick hinter die Kulissen eines Kinobetriebs.

Das Oberpullendorfer Kino ist eines von nur zwei privat geführten Kinos im Burgenland. Wie schafft man es, sich inmitten der großen Kinocenter zu positionieren und wie stark spürt man die Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix & Co.?

Oliver Treiber: Ein Kino zu führen ist auch viel Idealismus, weil man an den Wochenenden, am Abend, zu Weihnachten und Ostern immer im Kino ist. Aber das hat man sich dann ja gewählt. Ich spiele schon Blockbuster auch, aber ich verlege mich auch auf anspruchsvolle Filme und aus dieser Filmkombination und mit Kinderfilmen versuche ich ein gutes Kinoprogramm zu machen. Die Streamingdienste waren ein harter Schlag für uns, und selbst für die großen Kinos. Während der Corona-Zeit sind die Streamingdienste noch aufgeblüht und als wir wieder aufsperren durften, hatte jeder Netflix, Disney + und Co. Ich will den Leuten das beste Programm bieten – dann liegt es aber schlussendlich an ihnen, ob sie ins Kino kommen oder sich für das „Patschenkino“ daheim entscheiden.

„Das Kino Oberpullendorf punktet durch Persönlichkeit.“

Wann und warum haben Sie sich entschlossen, das Kino zu Ihrem Beruf zu machen?

Oliver Treiber: Meine Eltern haben das Kino übernommen, als ich sieben Jahre alt war, schon damals habe ich gewusst, dass ich das Kino einmal weiterführen möchte. Und schon damals hat es mir Spaß gemacht, am Buffet zu stehen. Es war ein Highlight für mich, als ich mit zwölf Jahren zum ersten Mal Karten verkaufen durfte. Schon 1926 hat mein Urgroßvater dort, wo heute das Kloster ist, das Hotel Klemm mit Kino und Tanzsaal gebaut. Als er dieses an die Kirche verkauft hat, hat er mit dem Erlös aus diesem Verkauf am heutigen Standort ein kleineres Kino gebaut. Als in den 50er-Jahren die Kinobranche boomte, wurde über das kleine Kino ein großes mit 358 Plätzen gebaut – der heutige große Kinosaal, in dem nun 200 Plätze sind. 1997 wurden dann die zwei kleinen Säle mit 50 bzw. 42 Sitzplätzen dazugebaut – das war eine riesige Investition. Ich selbst habe das Kino 1996 übernommen, zuvor wurde es 20 Jahre von meinen Eltern geführt.

Wie haben sich die Besucherzahlen, seit Sie mit dem Kinobetrieb begonnen haben, entwickelt?

Oliver Treiber: Die 90er-Jahre waren die superstarken Jahre im Kino bei uns und überall in Österreich glaube ich. Von 1996 bis 2005 waren die Besucherzahlen immer ansteigend. Danach ging es einmal bergauf, einmal bergab. Im Jahr 2013 wurde signalisiert, dass die Filmrolle aussterben wird. Damals hieß es, entweder stellen Sie um auf digitale Projektion oder Sie bekommen keine Filme mehr. Bis 30. Juni 2013 habe ich Kino gespielt und dann war das Kino fast zwei Jahre zu bis zur Neueröffnung 2015. Wir hatten entschieden, dass der große Saal ein Kultursaal wird und wir in den beiden kleineren Kino spielen. In der Überlegung doch zu digitalisieren war auch die Stadtgemeinde ausschlaggebend. Der damalige Bürgermeister Rudolf Geißler ist auf mich zugekommen und hat mich darauf hingewiesen, dass es dafür Förderungen von der EU gibt. So haben sich meine Eltern und ich entschlossen, den Sprung ins kalte Wasser zu machen und zu digitalisieren. Seit April 2015 hatte das Kino nur coronabedingt zwischendurch geschlossen. Im Juni 2022 habe ich beschlossen mit 1. Juli vorübergehend zuzusperren, weil es mir persönlich nicht so gut gegangen ist. Aber schon im August habe ich gemerkt, dass das Kino-Feeling wieder zurück kommt und beschlossen, mit Ende September den Kinobetrieb wieder zu öffnen.

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Hinter den Kulissen des Kinos. Oliver Treiber muss heute keine Filmrollen mehr einlegen, denn die Filme werden mittels eines datenträgers auf den Projektor hochgeladen. Für die Filme in 3D gibt es dann auch die entsprechenden Brillen, die an die Zuseher ausgeteiilt werden müssen.
Foto: Foto Grabner

Wie kann man sich eigentlich eine typische Arbeitswoche im Leben eines Kinobesitzers vorstellen?

Oliver Treiber: An den Abenden, an denen Filme gespielt werden, ist man sowieso im Kino, verkauft Popcorn und Karten und räumt hinterher auf. Die Filme werden zuvor auf einer Festplatte geliefert und auf den Kinoserver hochgeladen.. Dazu bekommt man einen Schlüssel, der enen für eine gewisse Zeit berechtigt, den Film zu spielen. Das Programm stelle ich meistens am Montag zusammen, aber ich überlege schon am Wochenende, welchen Film ich weiter spiele, überlege was ich dazu spielen könnte und Montagfrüh erhalte ich eine Hitliste für Österreich, welche Filme gut angelaufen sind und dann frage ich bei den Verleihern an, ab wann ich diese spielen kann. Je nach Alter des Films muss man einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen an den Filmverleih abgeben von minimal 30 bis maximal 50 Prozent. Wenn man einen Film als Uraufführung spielt, dann muss man diesen eine gewisse Zeit spielen, auch wenn er nicht so gut geht. Dazwischen fallen Arbeiten an wie die Buchhaltung, eine kaputte Glühbirne zu wechseln oder Getränke zu bestellen. Alleine ist dies fast nicht machbar, meine Eltern helfen mir.

Wenn Sie auf Ihre bisherigen Jahre als Kinobesitzer zurückblicken, woran denken Sie besonders gerne zurück?

Oliver Treiber: An Kinoabende, an denen viele Leute lachen oder vom Film berührt sind oder wenn der Film ein Erfolg war und viele Leute gekommen sind.

Und welche Hoppalas hat es vielleicht gegeben?

Oliver Treiber: Wenn es eine Panne gegeben hat, das hat mich immer komplett fertig gemacht. Beim digitalen Projektor kann auch immer etwas nicht funktionieren. Die Leute machen es dir eh nicht zum Vorwurf, aber man steht dann da und ist machtlos.

Was macht für Sie einen guten Film aus?

Oliver Treiber: Dass ich darüber nachdenken oder mich dabei gut unterhalten kann, er bei mir einfach ein gutes Gefühl hinterlässt oder er vielleicht ein Thema behandelt, das mich besonders berührt, dass ich mit einem guten Gefühl auch bei einem anspruchsvollen Film aus dem Kino gehe.

Welche Filme sind in Ihrem Kino besonders gut gelaufen?

Oliver Treiber: Entweder Schuh des Manitu oder Titanic war die Nummer eins, das weiß ich nicht mehr so genau.

Was ist das Besondere am Kino Oberpullendorf?

Oliver Treiber: Wenn man anderswo ins Kino geht, dann geht man zum Beispiel ins Multiplex, wenn man in Oberpullendorf ins Kino geht, dann geht man zum Oliver ins Kino. Das Kino Oberpullendorf punktet durch Persönlichkeit. Man kann seine Kinder hinbringen und weiß, dass sie eh gut aufgehoben sind. Ich glaube, das Besondere ist die heimelige und familiäre Atmosphäre.