Dietmar Kerschbaum: „Kultur ist unsere Identität“. Dietmar Kerschbaum polarisiert. Der jOPERA-Intendant und Brucknerhaus-Chef über die Kunst- und Kulturszene in der Coronakrise, die AUA-Rettung und Lukas Resetarits.

Von Carina Fenz. Erstellt am 24. Juli 2020 (05:28)
Aufgrund der Coronakrise wurde die für heuer geplante Produktion „Dielustige Witwe“ auf 2021 verschoben. jOPERA-Intendant Dietmar Kerschbaum lädt dafür im heurigen Sommer zu drei Konzerten nach Neuhausam Klausenbach auf Schloss Tabor.
Carina Fenz

BVZ: Was haben Sie Positives/Negatives aus dem Corona-Lockdown mitgenommen?

Dietmar Kerschbaum: Für mich war es eine Ehre, als Berater in Kulturangelegenheiten, mit dem Gesundheitsministerium zusammenzuarbeiten. Das hat mir sowohl für meine Tätigkeit als Leiter des Brucknerhauses in Linz, als auch als jOPERA-Intendant einen gewissen Vorsprung gegeben, was die Planung angeht. Dass wir die Oper auf Schloss Tabor mit all den gesetzlichen Vorgaben nicht wahrnehmen können, war uns schnell klar, aber die Konzerte lagen im Bereich des Möglichen. Kultur ist eine Notwendigkeit und dafür kämpfe ich seit 20 Jahren, auch wenn ich manchmal den kulturpolitisch Verantwortlichen damit auf den Wecker gehe.

BVZ: Dafür sind Sie bekannt, immer eine Meinung zu vertreten?

Kerschbaum: Ich bin kein Nein-Sager. Kultur ist unsere Identität. Gerade jetzt, merkt man bei vielen eine gewisse Sehnsucht. Natürlich hätten wir wegen der Coronakrise alles absagen können, aber das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind ein Hochsteuerland und brauchen Kultur in jeglicher Art und Weise. Und wenn man hier stagniert, dann ist die Wirtschaft hin, die Politik ist kaputt, das gesellschaftliche Leben ist am Grunde und es gibt keine Hoffnung mehr. In dieser Hoffnung brauchen wir die Kultureinrichtungen, in jeglichem Bereich, ob das der Chorgesang ist, Konzerte oder die Kinderoper, die wir jetzt wieder machen.

BVZ: Eingangs haben Sie gesagt, dass Sie in der Regierung beratend tätig waren. Es hat von der Kunst- und Kulturszene viel Kritik gegeben. Zu Recht oder Unrecht?

Kerschbaum: Das ist eine politische Geschichte. Diese Situation gab es noch nie und im Nachhinein ist immer alles schneller zu definieren und kritisieren. Das Gesundheitsministerium hat auch mit dem Zutun von vielen Beratern Zeit gebraucht, um die Lage abzuschätzen. Uns war definitiv klar, dass es bis in den Juni hinein keine Veranstaltungen geben wird. Das war auch der Bundesregierung klar, trotzdem haben sie sich bemüht, immer wieder sagen zu können, vielleicht ändert sich das Ganze. Und insofern war das von der Regierung schon richtig, dass sie sukzessive gesagt haben, bis dorthin gibt es diesen Dialog. Klar ist aber auch, dass die Kultur immer von Finanzminister abhängig ist. Genau das ist das Schwierige; aktuell ein politischer Weg zwischen Schwarz und Grün. Für mich sollte die Kultur mehr wert sein, aber wir mussten ja um 450 Millionen Euro die AUA retten.

BVZ: Lukas Resetarits hat hier ganz klar eine Meinung vertreten. Zeigen Sie Verständnis für seine Kritik?

Kerschbaum: Er ist ein Kabarettist, er verkauft sich selbst und ist in einem Alter, wo es ihm schon wurscht ist, was er sagt. Ich halte von dieser Art von Polemik und Populismus nichts. Ich bin jemand, der sich an den Tisch setzt, hinter verschlossenen Türen Richtlinien bespricht und erst dann in die Öffentlichkeit geht. Die Öffentlichkeit ist sehr breit gespalten, hat viele Informationen nicht. Ich denke mir, wenn man sich an einen Tisch setzt und sagt, so schaut’s aus und dann erst vermarktet und spricht, ist es besser. Vorher ist alles pauschal, auch er hat das große Ganze nicht durchschaut. Eine Art und Weise, die mir überhaupt nicht obliegt. Ich bin eher derjenige, der Brücken bauen möchte und nicht durch diese Aktion die Brücke abbricht.

BVZ: Was braucht es jetzt für den Kulturtourismus im Burgenland?

Kerschbaum: Wir müssen den Begriff Tourismus neu definieren. Das Burgenland ist ein Kulturtourismusland, wir leben vom Tourismus und beschämenderweise haben wir nicht einmal ein Opernhaus. Deswegen haben wir Kulturzentren, deren Art und Weise für mich schon längst überholt ist. Das Burgenland hat eine unglaubliche Vielfalt, wenn man diese verbindet, dann gibt es viele Möglichkeiten. Die Reisen werden sich verändern, es wir alles wieder familiärer und kleiner. Wir müssen diesen Nationalstolz wieder herauskehren, das ist genau das, wo ich für die nächste Zeit die Stärke sehe. Ich halte es nicht für gut, große Hotels zu vermarkten, die Thermen zu vermarkten, das wird für mich alles rückläufig werden. Wir haben ein wunderschönes Land, wunderschöne Ecken. Das muss man jetzt fördern.

BVZ: Das Land hat im Vorjahr das Schloss Tabor gekauft, der Verein jOPERA wurde in die Kulturbetriebe Burgenland eingegliedert. Wie geht es mit dem Intendanten Dietmar Kerschbaum weiter?

Kerschbaum: Corona hat die Gespräche verzögert, die wollen wir im September fortsetzen. Dann wissen wir mehr. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und ich sind auf beiden Seiten sehr offen. Ich bin ein bekennender Südburgenländer und jemand, der immer gerne für die Kultur kämpft, wenn es einen Sinn macht.

BVZ: Macht es Sinn zu kämpfen?

Kerschbaum: In dieser Zeit kann man vieles nicht definieren. Es geht nicht mehr um Auslastung. Wir müssen uns zum Beispiel Fragen stellen, ob ein Festival mit tausenden Menschen nach Corona noch zeitgemäß ist? Ich sehe hier im Burgenland viel Potenzial, um Kräfte in Zukunft besser zu bündeln.

BVZ: Ihr Engagement als Leiter des Brucknerhauses in Linz läuft bis 2022. Könnten Sie sich vorstellen im Ausland neu zu starten?

Kerschbaum: Ich hab erst vor wenigen Monaten eines der großartigsten Angebote abgelehnt, die es im Ausland gibt. Warum? Weil ich im Burgenland bleiben möchte und in Linz meine Verantwortung wahrnehmen will. Ich kann für Linz Unglaubliches machen und habe viele Freiheiten und ein tolles Team.

Interview: Carina Fenz

BVZ: Was haben Sie Positives/Negatives aus dem Corona-Lockdown mitgenommen?

Dietmar Kerschbaum: Für mich war es eine Ehre, als Berater in Kulturangelegenheiten, mit dem Gesundheitsministerium zusammenzuarbeiten. Das hat mir sowohl für meine Tätigkeit als Leiter des Brucknerhauses in Linz, als auch als jOPERA-Intendant einen gewissen Vorsprung gegeben, was die Planung angeht. Dass wir die Oper auf Schloss Tabor mit all den gesetzlichen Vorgaben nicht wahrnehmen können, war uns schnell klar, aber die Konzerte lagen im Bereich des Möglichen. Kultur ist eine Notwendigkeit und dafür kämpfe ich seit 20 Jahren, auch wenn ich manchmal den kulturpolitisch Verantwortlichen damit auf den Wecker gehe.

BVZ: Dafür sind Sie bekannt, immer eine Meinung zu vertreten?

Kerschbaum: Ich bin kein Nein-Sager. Kultur ist unsere Identität. Gerade jetzt, merkt man bei vielen eine gewisse Sehnsucht. Natürlich hätten wir wegen der Coronakrise alles absagen können, aber das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind ein Hochsteuerland und brauchen Kultur in jeglicher Art und Weise. Und wenn man hier stagniert, dann ist die Wirtschaft hin, die Politik ist kaputt, das gesellschaftliche Leben ist am Grunde und es gibt keine Hoffnung mehr. In dieser Hoffnung brauchen wir die Kultureinrichtungen, in jeglichem Bereich, ob das der Chorgesang ist, Konzerte oder die Kinderoper, die wir jetzt wieder machen.

BVZ: Eingangs haben Sie gesagt, dass Sie in der Regierung beratend tätig waren. Es hat von der Kunst- und Kulturszene viel Kritik gegeben. Zu Recht oder Unrecht?

Kerschbaum: Das ist eine politische Geschichte. Diese Situation gab es noch nie und im Nachhinein ist immer alles schneller zu definieren und kritisieren. Das Gesundheitsministerium hat auch mit dem Zutun von vielen Beratern Zeit gebraucht, um die Lage abzuschätzen. Uns war definitiv klar, dass es bis in den Juni hinein keine Veranstaltungen geben wird. Das war auch der Bundesregierung klar, trotzdem haben sie sich bemüht, immer wieder sagen zu können, vielleicht ändert sich das Ganze. Und insofern war das von der Regierung schon richtig, dass sie sukzessive gesagt haben, bis dorthin gibt es diesen Dialog. Klar ist aber auch, dass die Kultur immer von Finanzminister abhängig ist. Genau das ist das Schwierige; aktuell ein politischer Weg zwischen Schwarz und Grün. Für mich sollte die Kultur mehr wert sein, aber wir mussten ja um 450 Millionen Euro die AUA retten.

BVZ: Lukas Resetarits hat hier ganz klar eine Meinung vertreten. Zeigen Sie Verständnis für seine Kritik?

Kerschbaum: Er ist ein Kabarettist, er verkauft sich selbst und ist in einem Alter, wo es ihm schon wurscht ist, was er sagt. Ich halte von dieser Art von Polemik und Populismus nichts. Ich bin jemand, der sich an den Tisch setzt, hinter verschlossenen Türen Richtlinien bespricht und erst dann in die Öffentlichkeit geht. Die Öffentlichkeit ist sehr breit gespalten, hat viele Informationen nicht. Ich denke mir, wenn man sich an einen Tisch setzt und sagt, so schaut’s aus und dann erst vermarktet und spricht, ist es besser. Vorher ist alles pauschal, auch er hat das große Ganze nicht durchschaut. Eine Art und Weise, die mir überhaupt nicht obliegt. Ich bin eher derjenige, der Brücken bauen möchte und nicht durch diese Aktion die Brücke abbricht.

BVZ: Was braucht es jetzt für den Kulturtourismus im Burgenland?

Kerschbaum: Wir müssen den Begriff Tourismus neu definieren. Das Burgenland ist ein Kulturtourismusland, wir leben vom Tourismus und beschämenderweise haben wir nicht einmal ein Opernhaus. Deswegen haben wir Kulturzentren, deren Art und Weise für mich schon längst überholt ist. Das Burgenland hat eine unglaubliche Vielfalt, wenn man diese verbindet, dann gibt es viele Möglichkeiten. Die Reisen werden sich verändern, es wir alles wieder familiärer und kleiner. Wir müssen diesen Nationalstolz wieder herauskehren, das ist genau das, wo ich für die nächste Zeit die Stärke sehe. Ich halte es nicht für gut, große Hotels zu vermarkten, die Thermen zu vermarkten, das wird für mich alles rückläufig werden. Wir haben ein wunderschönes Land, wunderschöne Ecken. Das muss man jetzt fördern.

BVZ: Das Land hat im Vorjahr das Schloss Tabor gekauft, der Verein jOPERA wurde in die Kulturbetriebe Burgenland eingegliedert. Wie geht es mit dem Intendanten Dietmar Kerschbaum weiter?

Kerschbaum: Corona hat die Gespräche verzögert, die wollen wir im September fortsetzen. Dann wissen wir mehr. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und ich sind auf beiden Seiten sehr offen. Ich bin ein bekennender Südburgenländer und jemand, der immer gerne für die Kultur kämpft, wenn es einen Sinn macht.

BVZ: Macht es Sinn zu kämpfen?

Kerschbaum: In dieser Zeit kann man vieles nicht definieren. Es geht nicht mehr um Auslastung. Wir müssen uns zum Beispiel Fragen stellen, ob ein Festival mit tausenden Menschen nach Corona noch zeitgemäß ist? Ich sehe hier im Burgenland viel Potenzial, um Kräfte in Zukunft besser zu bündeln.

BVZ: Ihr Engagement als Leiter des Brucknerhauses in Linz läuft bis 2022. Könnten Sie sich vorstellen im Ausland neu zu starten?

Kerschbaum: Ich hab erst vor wenigen Monaten eines der großartigsten Angebote abgelehnt, die es im Ausland gibt. Warum? Weil ich im Burgenland bleiben möchte und in Linz meine Verantwortung wahrnehmen will. Ich kann für Linz Unglaubliches machen und habe viele Freiheiten und ein tolles Team.

Info: www.jopera.at​​​​​​​