Erstellt am 15. Juni 2018, 18:11

von APA Red

Endlich Sommer am Festival: Sonniger Start in Tag zwei. Am zweiten Tag hat am Nova Rock der Sommer Einzug gehalten: Mit Ende des Regens und Sonnenschein konnten sich Besucher endlich Freizeitbeschäftigungen wie Bällebaden, Bodypainting und Dosenkicken hingeben.

APA/HERBERT P. OCZERET

Musik wurde auch gespielt: Krautschädel war auf der Red Stage der erste Abräumer. Für 2019 wurden übrigens bereits Die Ärzte angekündigt. Polizei und Rettung waren auch am Freitag zufrieden.

Kritik an niedrigen Frauenquote im Line-Up

Im Vorfeld hatte es von einigen Seiten Kritik an der niedrigen Frauenquote im Line-Up gegeben. Die schwedische Melodic-Death-Metal-Band Arch Enemy sollte in den späteren Nachmittagsstunden mit ihrer Sängerin Alissa White-Gluz auf der Blue Stage stehen.

Der Gitarrist und Chef der Band, Michael Amott, kann der Gender-Debatte wenig abgewinnen, wie der im APA-Gespräch betonte. "Man könnte sagen, wird sind eine sehr feministische Band, weil ich zweimal Sängerinnen zur Gruppe geholt habe. Aber ich schere mich nicht darum, was du zwischen deinen Beinen hast. Power und Talent zählen für mich. Für mich ist es normal, einander zu respektieren, Frauen zu respektieren, aber auch Männer."

Amott zeigte sich gut gelaunt, die Strapazen der Reisen zu einem Festival scheint er locker zu nehmen: "Wenn man so lange tourt, kennt man kein anderes Leben", erzählte der Schwede. "Ich habe mit 20 begonnen, jetzt bin ich 48. Es war eine lange Reise... Aber ich liebe das Touren noch immer. Es hat sich allerdings etwas geändert: Wenn man jung ist, sieht man das alles als Abenteuer - ein hartes Abenteuer, denn man trinkt öfter einen über den Durst und feiert Partys. Heute schauen wir mehr auf uns, machen Sport und Schlafen ordentlich. Aber Partys gibt es noch immer. Und wir haben immer noch eine tolle Zeit auf der Bühne. Es geht um die Balance."

Für ordentliche Stimmung zu früher Stunde sorgte das oberösterreichische Trio Krautschädl als zweiter Act auf der Red Stage. Sänger Philipp "Mölgie" Sikora gab den schlagfertigen Entertainer, der die Meute im Zaun hielt und an den richtigen Stellen anstacheln konnte. Garniert wurde das natürlich mit einer knackigen Portion Funkrock, der gerne in Richtung Metal abdriftete. Auch das neue Stück "Ane auf die Finga" kam bestens an, und beim Abschluss mit "Feiah fonga" war der Name Programm. Die "Zugabe"-Rufe, die bereits in der Mitte des Sets erschallten, konnte man bestens nachvollziehen.

Etwas schwieriger hatten es da die zeitgleich auf der Blue Stage angetretenen Nothing But Thieves, wobei die britische Formation mit anspruchsvollem Alternative Rock durchaus Glanzmomente aufzuweisen hatte. Vor allem die Darbietung von Sänger Conor Mason wusste dabei zu gefallen. Dabei erinnerte die Band mit ihrer Mischung aus Falsettgesang und melancholischem Songaufbau sowie druckvollen Riffs an Größen wie Muse, wobei es natürlich in Sachen Bühnenshow noch ein weiter Weg ist, bis man auf einem Level mit den Landsleuten steht.

Soliden, aber nicht weltbewegenden 90er-Jahre-Rock servierten Life Od Agony auf der Blue Stage. Die Formation um Mina Caputo stellte Material vom aktuellen Album "A Place Where There's No More Pain" und ihre Neo-Drummerin Veronica Bellino vor. Die Reaktion des Publikums war gefällig, aber alles andere als enthusiastisch.

Rotes Kreuz: 550 Patienten behandelt

Dass nicht die Masse vor der Bühne oder das Brimborium darauf ein Maßstab für gelungene Auftritte ist, machte Ebow deutlich. Die gebürtige Münchnerin mit türkischen Wurzeln, die seit längerer Zeit in Wien lebt, war mit ihren Raps und R'n'B-Sounds eine willkommene Abwechslung. Auch "Das Wetter" wurde im gleichnamigen Lied besungen - passend, gab es am zweiten Festivaltag doch um einiges freundlichere Temperaturen als noch 24 Stunden zuvor. Minütlich wuchs dank der "Punani Power" von Ebow und ihren Mitstreiterinnen das Publikum vor der Red Bull Stage, das eine mehr als gelungene Performance erleben durfte. Musikalische Ausreißer sind ja oft ziemlich spannend mitzuerleben.

Die Polizei sprach von einem "äußerst ruhigen" Beginn. Laut Rotem Kreuz wurden bisher um die 550 Patienten behandelt, wobei es sich vor allem um leichte Blessuren gehandelt habe. Sprecher Thomas Horvath wies noch einmal darauf hin, auch festes Schuhwerk und warme Kleidung nach Nickelsdorf mitzunehmen. Etwa 80 bis 100 Besucher hätten in der Nacht die beheizten Zelte des Roten Kreuzes aufgesucht, um sich aufzuwärmen.