Jubiläum mit kritischen Tönen. Das Burgenländische Hilfswerk feiert das 30-jährige Bestehen; zugleich erneuert man die Kritik an den Pflege-Plänen und nimmt das Land in die Pflicht. Ausstehende Gelder sollen nun nachträglich ausbezahlt werden.

Von Wolfgang Millendorfer. Update am 04. September 2019 (09:52)
Wolfgang Millendorfer
Bilanz zum Jubiläum. Hilfswerk-Obmann Oswald Klikovits (M.) mit Geschäftsführerin Editha Funovics und Stellvertreter Christoph Klikovits.

Zum 30-jährigen Jubiläum, das am 28. September in der Wirtschaftskammer in Eisenstadt groß gefeiert wird, richtet sich das Burgenländische Hilfswerk auch mit Wünschen an die Landespolitik. Konkret geht es vielmehr um eine eindringliche Forderung: Laut Hilfswerk-Obmann Oswald Klikovits warte man seit Jänner auf die Ausgleichszahlungen des Landes zu den jüngsten Kollektivvertrags-Erhöhungen, eine halbe Million Euro Rückstand sei bereits zusammengekommen.

„Das Land kommt seinen Verpflichtungen nicht nach. Verhandlungstermine wurden verschoben, wir müssen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotzdem zeitgerecht entlohnen. Auch andere Organisationen sind unseres Wissens davon betroffen“, kritisierten Klikovits, Geschäftsführerin Editha Funovics und ihr Stellvertreter Christoph Klikovits im Rahmen einer Pressekonferenz.

Im Büro des zuständigen Soziallandesrates Christian Illedits (SPÖ) hieß es dazu, dass die Verhandlungen heuer länger als üblich gedauert hätten. Es werde nun ein Gespräch mit dem Hilfswerk geben, alle Zahlungen sollen rückwirkend erfolgen.

Landesrat Illedits zeigt sich überrascht über die Kritik: Der Gesprächstermin zur Valorisierung der Tagsätze sei allen Trägern bekannt. „Die Verhandlungen über die Erhöhung sind bereits auf Schiene. Diese Tagsätze bei den Altenwohn- und Pflegeheimen haben rückwirkend für das ganze Jahr ihre Gültigkeit“, so Illedits.

Klikovits: "Restriktive Vorgaben"

Kritisch gibt man sich beim Hilfswerk auch weiterhin zum „Zukunftsplan“ des Landes. Geplante Neuerungen wie die Anstellung pflegender Angehöriger oder die neuen Mindestgrößen für Pflegeheime würden „die Ansprüche an moderne Pflege untergraben“: „Mit den restriktiven Vorgaben wie der Mindestgröße von 60 Betten pro Heim gibt es keinen Gestaltungs-Spielraum mehr für die Pflege-Organisationen. Die Rahmenbedingungen werden erschwert statt verbessert.“ Hinzu kommen Probleme, die in der gesamten Branche und bundesweit bekannt sind, wie der Mangel an Pflegekräften oder die zunehmende Bürokratie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Seitens des Landes hatte man die Pflege-Pläne zuletzt immer wieder gegen Kritik verteidigt: Vorgaben wie die Gemeinnützigkeit von Pflege-Einrichtungen seien eine grundsätzliche Frage, Neuerungen wie die Anstellung pflegender Angehöriger würden laufend evaluiert werden.

Illedits meint dazu: „Experten sagen, dass 60 Betten organisatorisch perfekt sind und eine hohe Qualität garantieren. Es sind jeweils fünf Zwölfereinheiten. Damit ist wohnortnahe Versorgung für verschiedene Bedürfnisse gewährleistet.“

30 Jahre im Rückspiegel

Beim Burgenländischen Hilfswerk blickt man indes aber nicht nur kritisch in die Zukunft, sondern auch stolz in die Vergangenheit: Was im Jahr 1989 mit einem kleinen Verein zur regionalen Versorgung Hilfsbedürftiger begann, ist heute „einer der größzen sozialen Anbieter des Landes“, zogen Oswald Klikovits und Co. Bilanz. Mit rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden pro Monat rund 1.200 Patienten mobil und in sechs Pflege-Einrichtungen betreut. Das ergibt unterm Strich mehr als 90.000 Einsatzstunden und 150.000 Hausbesuche im Jahr.

Zum 30-Jahr-Jubiläum lädt das Hilfswerk am 28. September (ab 17.30 Uhr) zum Fest in die Eisenstädter Wirtschaftskammer. Zudem wird in den Seniorenpensionen zum Tag der offenen Tür geladen: In Eisenstadt bereits am 6. September, es folgen die Häuser in Purbach (7. September), Limbach (13. September), Güttenbach (14. September), Draßmarkt (20. September) und Lockenhaus (21. September, jeweils von 14 bis 17 Uhr).