„Kurzarbeitsmodell auf Dauer nicht finanzierbar!“. Bei einer Pressekonferenz am Montag, 6. Juli, zogen der Präsident Arbeiterkammer Burgenland, Gerhard Michalitsch, und AK-Direktor Thomas Lehner Bilanz über die abgelaufene erste Kurzarbeits-Phase und gaben Ausblick auf Phase zwei.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 06. Juli 2020 (10:07)
AK-Präsident Gerhard Michalitsch (li.) und Direktor Thomas Lehner (re.) zogen Bilanz über die Corona-Kurzarbeit.
Markus Wagentristl

30.000 Kurzarbeiter, 5.000 Arbeitslose

„Dass Österreich die Krise so gut bewältigt hat, liegt auch an der Flexibilität der Arbeitnehmer“, bedankte sich AK-Präsident Gerhard Michalitsch und zählte auf: 100.000 Mitglieder zählt die Kammer der Burgenländischen Arbeitnehmer, 5.000 davon sind durch die Krise arbeitslos geworden, 30.000 wurden in Phase 1 (März bis Juni) auf Kurzarbeit geschickt.

„3.500 Unternehmen haben im Burgenland Phase 1 in Anspruch genommen, in der im Juli gestarteten Phase 2 sind es nur noch 500“, bilanziert Michalitsch.

Das derzeitige Kurzarbeitsmodell gab es auch schon vor Corona, erklärt Michalitsch, und ist dazu da, um vorübergehende Auftragseinbrüche abzufangen um Stammmannschaft halten zu können. Dieses Modell sei für Krise „maximalst aufgeblasen“ worden. „Wir brauchen für die Zukunft leistbares Modell“, warnt Michalitsch, denn: „Das Corona Kurzarbeits-Modell 1 und 2 ist auf Dauer nicht finanzierbar!“ Dafür wollen die Arbeiterkammern gemeinsam bei der Bundesregierung Druck machen.

Michalitsch ruft auf: „Betrug anzeigen!“

Nun ginge es um die Abrechnung der Phase 1 mit den Unternehmen. In Österreich seien 148 Fälle von Kurzarbeitsbetrug angezeigt worden, im Burgenland werde derzeit nur Verdachtsfällen nachgegangen. Michalitsch appelliert an die Arbeitnehmer, die die Ordentlichkeit der Abrechnung anzweifeln: „Wir raten allen Arbeitsnehmer zur Anzeige im Verdachtsfall! Dabei wird der Staat und die Arbeitnehmer selber betrogen.“

 „Härtester Belastungstest in AK-Geschichte“

Direktor Thomas Lehner lobte wie auch Michalitsch die Mitarbeiter der AK: „12.674 Beratungen waren die größte Beratungsoffensive in der Geschichte der AK-Burgenland.“ Dabei sei vor allen auf Beratungen via Hotline, E-Mail und Website gesetzt worden.

Die Themen, die Burgenländer bei den Beratungen vor allem interessiert haben, waren laut Lehner erst das Thema Home Office, dann Kurzarbeit. Danach kamen generelle Fragen des Arbeitsrechtes (Kündigungen, Fürsorgepflicht, Risikogruppen-Regelung) aber auch des Konsumentenschutzes (abgesagt Reisen und Events).

Ferienbetreuung „AK Young Summer“

Während dem Corona-Lockdown haben viele Menschen ihren Urlaub aufgebraucht um Kinder betreuen zu können. Diese fehle nun in Ferien, erklärt Michalitsch, der mit dem AK Young Summer ein „erstklassiges Betreuungsangebot“ vom 20. bis 24. Juli in der Osliper Cselley Mühle mit Förderworkshops in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch bieten will. Er appelliert dabei auch an die Bürgermeister „unabhängig der Parteizugehörigkeit“ die Initiative der Landesregierung für flächendeckende Kinderbetreuung zu unterstützen. Die große Anzahl an Anmeldungen zum AK-Young Summer zeige, dass ein flächendeckendes Angebot notwendig ist.

Sorge vor Ansteckungswelle durch Saisonarbeit

AK-Präsident Gerhard Michalitsch warnt vor möglichen Ansteckungsherden im Burgenland.
Markus Wagentristl

Derzeit breitet sich das Virus vor allem in der Fleischverarbeitung sowohl in Deutschland als auch in Oberösterreich aus. Auf BVZ-Nachfrage, ob da nicht auch die Alarmglocken der AK Burgenland läuten würden, obwohl es hier keine derartig großen Fleischverarbeitungs-Betriebe gäbe, antwortete Michalitsch mit einer Warnung: „Der Ausbruch des Virus lag in Oberösterreich und Deutschland auch  an den Arbeits- und Wohnbedingungen der Saisonarbeiter. Viele Saisonarbeiter pendeln zwar ins Burgenland, aber es gibt auch Betriebe, die eine Übernachtung anbieten. Wenn hier die Hygiene-Bestimmungen nicht eingehalten werden, dann ist das nicht gefährlicher als normaler Bürojob. Allerdings nur, wenn die Hygiene-Richtlinien auch wirklich eingehalten werden…“