16 Tage gegen Gewalt an Frauen: Drei Stationen in Eisenstadt

Erstellt am 25. November 2022 | 12:22
Lesezeit: 5 Min
Vom 25. November bis 10. Dezember finden weltweit Aktionen anlässlich der 16 Tage gegen Gewalt statt. In einer gemeinsamen Aktion von Land Burgenland, dem Frauenhaus Burgenland und der Frauenberatungsstelle „Die Tür“ werden daher am Freitafg drei Stationen in Eisenstadt besucht, um auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.

Vor dem Landhaus wird die Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ gehisst, das Frauenhaus startet mit der Plakataktion „16 Tage 16 Schläge“, 16 Plakate mit Aussagen, die Gewalt darstellen und die Frauenberatungsstelle „Die Tür“ und die Mädchenberatungsstelle „MonA-Net“ mit der Aktion „broken flowers“, bei der jede Blume für eine ermordete Frau steht. Zudem läuft von 25. November bis 10. Dezember gemeinsam mit SPAR Burgenland die Kassabon-Aktion: die Notrufnummer des Frauenhaus Burgenland wird auf Kassabon gedruckt.

„Mit dem heutigen Tag beginnen die 16 Tage gegen Gewalt – 16 Tage, in denen wir darauf aufmerksam machen, dass Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft hat“, betonte LH-Stv.in Mag.a Astrid Eisenkopf anlässlich des Starts des Aktionstages in einer Aussendung des Landes.

„Gewalt stellt weltweit ein umfassendes Sicherheitsproblem dar. Vor allem Männergewalt ist für viele Frauen ein Problem.“ LH-Stv.in Mag.a Astrid Eisenkopf

Das Burgenland hat ein breites Netz an Einrichtungen und Unterkünften, die den Betroffenen in Notsituationen zur Verfügung stehen: sieben Frauenberatungsstellen (in jedem Bezirk eine), das Frauenhaus Burgenland, das Sozialhaus Burgenland und die Männerberatungsstelle. „Bitte nehmen Sie diese Angebote auch in Anspruch“, appellierte Eisenkopf.

Eine wichtige Rolle bei der Prävention haben Frauen- und Mädchenberatungsstellen. Sie sind Drehscheibe, wenn es darum geht, Frauen insgesamt zu stärken – das betrifft das berufliche Fortkommen ebenso wie Fragen der Partnerschaft und vieles mehr.

„Völlig unverständlich ist es, dass viele dieser Einrichtungen Jahr für Jahr nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Die Mitarbeiterinnen leisten unter hohem Einsatz großartige Arbeit, setzen sich für andere Frauen ein, bleiben länger, müssen selbst finanzielle Situationen bewältigen. Das alles, um anderen Frauen ihre Hilfe anbieten zu können. Da braucht es endlich eine solide Basisfinanzierung. Denn: Rasche Hilfe rettet Leben“, hielt Eisenkopf in der Aussendung fest.

Deshalb habe das Land Burgenland das Budget für die Frauenberatungsstellen von 100.000 Euro auf 150.000 Euro erhöht. Gleichzeitig werde gefordert:

·        Ständiger Krisenstab von Frauen-, Innen- und Justizministerium sowie im Gewaltschutz tätiger Organisationen
·        Mehr Hochrisikofallkonferenzen
·        228 Millionen Euro für den Gewaltschutz und 3.000 Vollzeitstellen in Beratungseinrichtungen und
·        Ausbau der Frauen und Mädchenberatungsstellen sowie eine solide Basisfinanzierung

Plakataktion des Frauenhaus Burgenland „16 Tage – 16 Schläge“

Neben dem Hissen der Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ vor dem Landhaus macht das Frauenhaus Burgenland mit seiner diesjährigen Plakataktion „16 Tage – 16 Schläge“ auf psychische und ökonomische Gewalt aufmerksam, da diese Formen der Gewalt oftmals nicht als solche erkannt werden. Die 16 verschiedenen Slogans hängen gesammelt bis 10. Dezember in der Baumallee unterhalb der Orangerie im Schlosspark sowie vereinzelt in der Nähe vielfrequentierter Knotenpunkte in Eisenstadt.

„Körperliche und sexuelle Gewalt ist oft klar erkennbar. Gewalt fängt allerdings schon viel früher an, darauf möchten wir mit unserer Plakataktion im Rahmen der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen hinweisen und ein größeres Bewusstsein in der Gesellschaft dafür schaffen“, erklärt Julia Renner, Sozialpädagogin im Frauenhaus Burgenland.

Das Frauenhaus bietet von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und deren Kindern kostenlos und anonym Schutz, Betreuung und Unterkunft. Das Frauenhaus Burgenland wurde 2021 in die Soziale Dienste Burgenland GmbH eingegliedert, um eine langfristige finanzielle Absicherung zu garantieren.

Für betroffene Frauen gibt es die Möglichkeit, das Frauenhaus zu erreichen: Tel.: 02682/61 280 (täglich von 0-24 Uhr) oder info@frauenhaus-burgenland.at

Installation „broken flowers“ der Frauenservicestelle „Die Tür“

Die Frauenberatungsstelle „Die Tür“ möchte mit ihrer Installation Femizide sichtbar machen. Alleine heuer haben in Österreich bereits 28 Frauen ihr Leben durch die Hand von Partnern oder Männern im nahen Beziehungsumfeld verloren, pro Monat sterben rund drei Frauen durch diese Form männlicher Gewalt.

Renate Holpfer, bildende Künstlerin und engagierte Feministin, hat diese unfassbaren Geschehnisse in eine sichtbare Form gebracht: abgeknickte Blumen aus Krepppapier und Draht bringen zum Ausdruck, was betroffene Frauen erlitten haben und viele immer noch zu befürchten haben. Diese „broken flowers“ wurden von der Künstlerin Renate Holpfer entworfen, die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstellen, von Feminina, MonA-net und Klientinnen der „Tür“ haben die Blumen gefertigt. In den Jahren 2021 und 2022 wurden 57 Frauen ermordet, jede Blume symbolisiert eine zu Tode gekommene Frau.

Die Installation bleibt über die 16 Tage gegen Gewalt (von 25. November bis 10. Dezember) frei zugänglich und symbolisiert – Wind und Wetter ausgeliefert – die (gewaltsam herbeigeführte) Vergänglichkeit dieser Frauenleben (25. November in Eisenstadt, Fanny Elßler-Gasse und 29. November vor dem Rathaus Mattersburg).

Gewaltschutzstrategie – Aktionsplan gegen Gewalt

Das Land Burgenland hat einen Aktionsplan gegen Gewalt ausgearbeitet. „Wir haben alle relevanten Player im Burgenland an einen Tisch geholt und gemeinsam in Workshops einen Plan ausgearbeitet, dessen Maßnahmen wir umsetzen werden“, berichtet die für Frauenangelegenheiten zuständige LH-Stv.in Eisenkopf. Ziel des Planes ist unter anderem, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, Maßnahmen, die es bereits gibt, sichtbar zu machen, die Vernetzung aller Player im Gewaltschutz sowie Ressourcen in der Gewaltprävention auszubauen.

Gleichzeitig wird auf die Wichtigkeit von Anti-Gewalt-Kampagnen, aber auch im Rahmen des Schulunterrichts einen Schwerpunkt auf Information und Sensibilisierung zum Thema Gewalt zu setzen, hingewiesen. Der Aktionsplan gegen Gewalt wird Anfang 2023 präsentiert.