Seewinkel: Ungarn dreht die Leitung auf. Niederösterreich hatte „nein“ gesagt, Ungarn sagt „igen“: Ein Donau-Kanal soll von Moson nach Andau verlängert, Boden, Lacken und See vor Trockenheit gerettet werden.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 25. März 2021 (05:45)
Neusiedler See Symbolbild
Neusiedler See
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Am vergangenen Donnerstag präsentierte Landesrat Heinrich Dorner mit Wasser-Hauptreferatsleiter Christian Sailer Pläne für einen Bewässerungskanal von der ungarischen Mosoni Donau bis Andau. Von dort sollen ein bis 4,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über einen 22 Kilometer langen Bewässerungskanal (zehn Kilometer davon bestehen bereits) von Moson zur Übergabestelle Andau gepumpt werden und von dort ins Grundwasser versickern.

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Wasser-Experte Christian Sailer.
BVZ, zVg;BVZ

Das werde dem Land Burgenland etwa drei Millionen kosten und ist weniger als ein ähnliches Projekt mit dem Land Niederösterreich gekostet hätte. Dieses habe aber ohnehin einer Wasserentnahme aus der Hainburger Donau nicht zugestimmt. In Ungarn war das anders: „Wir sitzen hier sprichwörtlich im selben Boot“, betonte Dorner. Denn auch der ungarische Hanság leidet unter der Trockenheit – und seine Bauern und Touristiker gleich mit. Das letzte Wort hat daher die gemeinsame Grenzgewässer-Kommission, sollte diese das OK geben, kann im Frühjahr 2022 der Bau beginnen.

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Karte mit verlängertem Kanal
zVg;BVZ, zVg;BVZ

Umweltschützer und die Grünen hatten vor einer künstlichen Zuleitung gewarnt, dieser Warnung wurde mit einer Studie Rechnung getragen: Die „Dotierung“ (Fremdwasserzufuhr) ist bis zu einem gewissen Grad möglich und soll nicht direkt in See oder Lacken fließen, sondern über Versickerungsstrecken das Grundwasser heben. Eine ungewollte Abfuhr dieses Grundwassers soll ebenfalls verhindert werden.

Neben dem Hauptziel, dem Kampf gegen die auch heuer wieder drohende Trockenheit in der Region, gibt es nun auch ein Konzept für den Neusiedler See: Um dessen Wasserstand einen Zentimeter zu erhöhen, braucht man rund drei Millionen Kubikmeter Wasser. Mit der geplanten Zuleitung sollen bis zu zehn Zentimeter technisch möglich und ökologisch vertretbar sein.