Grüne für verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung. Burgenlands Grüne unterstützen die Forderung der Initiative Tierschutzvolksbegehren nach einer verpflichtenden Kennzeichnung für tierische Lebensmittel.

Von APA, Redaktion und BVZ Redaktion. Erstellt am 10. September 2019 (13:22)
Wolfgang Millendorfer
Aktion vor der Wirtschaftskammer. Anja Haider-Wallner, Irmi Salzer und Sebastian Bohrn-Mena (v.l.).

Irmi Salzer, Spitzenkandidatin im Burgenland für die Nationalratswahl, und der Initiator des Volksbegehrens, Sebastian Bohrn Mena, kritisierten am Dienstag in Eisenstadt die Wirtschaftskammer, der sie in der Frage eine "Blockadehaltung" vorwarfen.

Eine zentrale Forderung laute, mehr Transparenz in das "zutiefst intransparente System der Lebensmittel" zu bringen, erläuterte Bohrn Mena. In der Schweiz funktioniere die Kennzeichnung bereits. Es gebe inzwischen auch in Österreich eine "große Allianz" aus Parteien, Landwirtschaftskammer sowie Umwelt- und Tierschutzorganisationen - lediglich die Wirtschaftskammer spiele da nicht mit und blockiere nach wie vor jede Form von Transparenz.

Mit dieser Haltung tue die Kammer ihren eigenen Mitgliedern keinen Gefallen. Der Markt entwickle sich weiter, es gebe einen "gesellschaftlichen Paradigmenwechsel": Betriebe, die sich nun "einbunkern" würden und nach wie vor keine Transparenz walten ließen, würden letztlich "vom Markt weggespült", das sei den Standesvertretern auch bewusst, meinte Bohrn Mena.

Nur für Lebensmittel aus dem Ausland

Sie könne sich eine Regelung vorstellen, bei der alle Lebensmittel tierischer Herkunft, die aus Österreich stammen, nicht gekennzeichnet werden müssen, meinte Anja Haider-Wallner von der Grünen Wirtschaft Burgenland. Natürlich müsse im Hintergrund dokumentiert und kontrolliert werden. Eine Kennzeichnungspflicht würde es nach diesem Modell nur für Lebensmittel aus dem Ausland geben.

Etwa 70 Prozent der tierischen Lebensmittel, die konsumiert werden, würden außer Haus gegessen - in Kantinen, Heimen, Spitälern und Gasthäusern, so Salzer: "Ich möchte sehen, was die Leute sagen, wenn da steht: 'Steirischer Backhendlsalat mit Hühnerfleisch aus der Ukraine'", plädierte sie für "Mut zur Wahrheit".

Es gebe ein Transparenzbedürfnis der heimischen Bevölkerung, auf das man reagieren müsse: Die Wirtschaftskammer sei aufgefordert, die "Totalblockade" aufzugeben und sich zu überlegen: "Wie könnte so ein Kennzeichnungsmodell ausschauen?", sagte Bohrn Mena.

WK: "Wäre nur weitere bürokratische Hürde"

 Der Forderung nach einer allgemeinen gesetzlichen Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie erteilt Matthias Mirth, Obmann - Fachgruppe Gastronomie Burgenland eine klare Absage: „Wir leben und arbeiten in der EU und hier gibt es fixe Vorschriften für die Herkunftskennzeichnung die zu erfüllen sind und erfüllt werden. Jede weitere Kennzeichnung, Vorschrift oder ähnliches wäre nur eine weitere bürokratische Hürde mit der man den heimischen Gastronomen das Leben schwer macht.“ Obendrein so Mirth, unterziehen sich zahlreiche Gastronomen schon freiwillig einer Zertifizierung zum Beispiel durch das AMA-Gütesiegel oder „Kulinarik Österreich“.

Dazu kommt, dass eine EU-weite Verschärfung der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) vorsieht, dass ab 1. April 2020 auch bei verarbeiteten Lebensmitteln die Herkunft der Primärzutat angegeben werden muss – und zwar dann, wenn sie von der augenscheinlichen Herkunft des Produkts abweicht.