Keine Grippe, aber viel Arbeit in Krankenhäusern. Die Zahl der Covid-Patienten ist aktuell stabil. Jetzt gilt es vor allem, Operationen aufzuholen.

Von Carina Fenz und Markus Wagentristl. Erstellt am 25. Februar 2021 (05:33)
„Normaler“ Krankenhaus-Alltag ist trotz Entspannung bei Covid-Patienten nicht in Sicht. Der Zugang zum Spital bleibt sowohl im Krankenhaus Eisenstadt (im Bild) als auch in Oberwart reglementiert.
BB/Krages

Am Mittwoch wurden in den burgenländischen Spitälern 45 Covid-19-Patienten behandelt, davon acht intensivmedizinisch. Vor allem letztere Zahl ist ja neben der Durchimpfungsrate die entscheidende Zahl im Pandemie-Management. Je näher diese Richtung 50 kommt, desto eher steht das burgenländische Gesundheitssystem an der Grenze seiner Belastbarkeit.

„Trotz der aktuell wieder leicht steigenden Zahlen – rund 35 hospitalisierte Personen im Durchschnitt seit Jahresbeginn – merkt man eine gewisse Entlastung in den Häusern“, heißt es seitens der KRAGES. Diese war wichtig, um vor allem in den großen Häusern Eisenstadt und Oberwart verschobene Operationen aufzuholen. Dazu nutzt man auch Synergien. Die Intensivstation Kittsee wird aktuell wieder nur von Covid-Patienten belegt, um das Krankenhaus in Eisenstadt zu entlasten. Güssing und Oberpullendorf hingegen, entlasten Oberwart.

Kein „Winterschlaf“ für Krankenhäuser

Im Vergleichszeitraum zu Jahresbeginn 2020 – vor Beginn der Corona-Krise –

standen heuer rund 500 elektive Operation weniger am Programm der burgenländischen Spitäler. Eine Auswirkung des Lockdowns bei nicht geplanten Eingriffen sei jedoch auch deutlich spürbar.

Primarius Martin Wehrschütz, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt.
Schmirl / Barmherzige Brüder

Im Winterschlaf sind die Spitäler im Burgenland trotz des Aufholbedarfs an Operationen derzeit dennoch nicht. Ganz im Gegenteil, wie die jüngste Recherche der BVZ ergibt. „Die Arbeitsbelastung ist physisch nach wie vor unverändert herausfordernd. Insbesondere weil Patientenkontakt immer noch in voller Schutzausrüstung erfolgt, die mehrmals täglich gewechselt werden muss. Dieser anstrengende Einsatz auf den Covid-Stationen bringt viele Mitarbeiter an die Grenzen der Belastungen“, erklärt Primarius Martin Wehrschütz, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt.

„Einige Mitarbeiter haben sogar ihr Beschäftigungskontingent freiwillig erhöht, damit der Versorgungsbedarf auf den Covid-Stationen abgedeckt werden kann,“ betont die Eisenstädter Pflegedirektorin Brigitte Polstermüller die ungebrochene Einsatzbereitschaft ihrer Mitarbeiter.

Keine Grippewelle, dafür Depressionswelle

Die im Vergleich zum Herbst gesunkenen Zahlen an hospitalisierten Personen haben das Personal etwas entlastet, heißt es auch seitens der KRAGES, aber die psychische Belastung ist nach wie vor sehr hoch, durch die Impfung aber zum Glück abgeflaut. Zur „neuen Normalität“ im Spital gehört die Änderung der Krankheitsbilder in den Häusern. Im „alten Normal“ bricht um diese Zeit eigentlich die alljährliche Grippewelle auf diese herein. Aber: „Bis heute haben wir keinen hospitalisierten Grippefall. Die echte Grippe bleibt in erster Linie aufgrund der hohen Hygienevorschriften, der Abstandsregeln und des verpflichtenden Maskentragens heuer aus“, erklärt Primarius Wehrschütz. Ähnlich ist die Situation auch in Oberwart, wie die Ärztliche Direktorin Astrid Mayer bestätigt. „Vereinzelt gebe es aber trotzdem Fälle, eine Grippewelle jedoch nicht.“

Dafür kommt eine andere Krankheitswelle: „Die Zahl der Patienten, die beruflich und privat vor große Herausforderungen gestellt werden, nimmt merklich zu. Depressionen sind signifikant im Steigen, das auch insbesondere bei den jüngeren Altersgruppen.“ Und diese kann unschöne Folgen haben: „Wir bemerken zwar keinen signifikanten Anstieg häuslicher Gewalt im Sinne vermehrter Anzeigen. Aber diese Gewalt findet leider sehr versteckt statt. Auch wenn unser Personal darauf sensibilisiert wurde, müssen wir mit unerkannten Fällen und daher hohen Dunkelziffern rechnen.“

„Falsche“ Covid-Kranke: Keine Daten in Spitälern

In Deutschland sorgte jetzt eine Studie für Aufsehen. Dort wurden zwischen 20 und 30 Prozent der Menschen, die offiziell in der Corona-Statistik geführt werden, nicht wegen Corona in Spitälern behandelt, sondern zufällig positiv getestet. Die burgenländischen Spitäler verweisen dabei auf die standardisierte Vorgehensweise der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Was man im „kleinen“ Burgenland aber sagen kann, ist, dass es äußerst selten vorkommt, dass Unfallopfer, die im Krankenhaus behandelt werden, Corona-positiv getestet werden. Die KRAGES hat seit Beginn der Pandemie in den vier Häusern rund 15.400 PCR-Tests und 66.500 Antigen-Tests gemacht.