Vom burgenländischen JVP- zum ÖVP-Obmann. Christian Sagartz wird beim Sonderlandesparteitag der ÖVP Burgenland zum neuen Landesparteiobmann gewählt. Die Funktion hat er bereits im Februar 2020 übernommen, eine Wahl durch die Delegierten war aber coronabedingt noch nicht möglich. Der 40-Jährige aus Pöttsching saß 15 Jahre im burgenländischen Landtag, ehe es ihn ins Europaparlament zog. Noch länger ist er bereits in der ÖVP aktiv, und als Schwarzer hat er auch den Wechsel der Parteifarbe zu Türkis mitgemacht.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 12. Mai 2021 (16:14)
Der geschäftsführende ÖVP-Landesobmann Christian Sagartz (l.) und Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas.
 
Wolfgang Millendorfer

Sagartz (*16. Jänner 1981) besuchte das private katholische Gymnasium Wolfgarten in Eisenstadt, wo er schon Schulsprecher war. Das kombinierte Studium der Politikwissenschaft und der Rechtswissenschaften an der Universität Wien schloss er 2012 ab.

Erste politische Station war die Kommunalpolitik in seiner Heimatgemeinde im Bezirk Mattersburg. Ab 2002 saß er im Gemeinderat, 2007 bis 2015 war er Vizebürgermeister. In der JVP übernahm er nach der Bezirksgruppe 2002 bis 2008 die burgenländische Landesgruppe. Als Landesobmann der JVP war Sagartz zwar anders als der heutige Bundesparteichef Sebastian Kurz nicht mit riesigen Fahrzeugen aufgefallen, unter seiner Obmannschaft wurden aber zahlreiche Jugendveranstaltungen im ganzen Bundesland organisiert. Und farblich setzte man damals auf Sonnenblumengelb.

Als politischer Ziehvater Sagartz' gilt der frühere Landesparteichef und Landeshauptmann-Stellvertreter in der rot-schwarzen Proporzregierung, Franz Steindl. Für ihn war er dann auch als Landesgeschäftsführer der Partei tätig (2007 bis 2015). Wiener Luft schnupperte der Burgenländer als parlamentarischer Mitarbeiter zweier ÖVP-Nationalratsabgeordneter in den Nuller-Jahren.

2015 galt es, eine Niederlage bei der Landtagswahl zu verdauen, Sagartz gab die Landesgeschäftsführung ab und wurde Klubchef im Landesparlament - unter dem neuen Landesparteiobmann Thomas Steiner. Diesem sollte er fünf Jahre später in dieser Funktion nachfolgen. Seit Anfang 2020 ist Sagartz bereits designierter Chef der Landespartei, die Corona-Pandemie verhinderte allerdings die Wahl bei einem Landesparteitag. Dies wird nun nachgeholt.

Innerhalb der Volkspartei ist Sagartz eher dem traditionellen, schwarzen Lager zuzurechnen. Wohlzufühlen scheint er sich eher im Poloshirt oder Hemd mit offenem Kragen denn im - unter Türkis hippen - Slimfit-Anzug. Der Politprofi verbringt seine Freizeit gerne als Hobby-Winzer im Südburgenland und teilt mit den Burgenländern auch ein anderes "Hobby", das Pendeln, denn fast zeitgleich mit der neuen politischen Aufgabe im Land ergatterte Sagartz durch den Wechsel von Karoline Edtstadler in die Bundesregierung Anfang 2020 doch noch ein Mandat im Europaparlament. Eine Wohnung in der belgischen Hauptstadt hat sich Sagartz bereits eingerichtet. Brüssel - Burgenland - und retour, das spielte es im vergangenen Jahr coronabedingt aber weniger oft als zunächst gedacht. Für die Obmannschaft war dies zumindest nicht nachteilig, wenngleich auch die persönlichen Kontakte mit den Bürgern eingeschränkt waren.