Arbeitsstiftung kommt mit vorerst 100 Plätzen. Für Betroffene der Insolvenz der Commerzialbank Mattersburg (Cb) sowie von anderen, Coronavirus-bedingten, Betriebsschließungen richtet das Land Burgenland eine Insolvenz-Arbeitsstiftung mit vorerst 100 Plätzen ein.

Von APA, Redaktion. Update am 16. September 2020 (15:54)
Präsentierten die Arbeitsstiftung. Landesrat Leonhard Schneemann, AMS-Geschäftsführerin Helene Sengstbratl, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (v.l.).
Wolfgang Millendorfer

Die Kosten von 700.000 Euro teilen sich das Land Burgenland und das Arbeitsmarktservice (AMS), erläuterte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Mittwoch in Eisenstadt.

"Die Stiftung soll nicht nur den Bereich Commerzialbank Mattersburg, sondern sämtliche Covid-bedingten Insolvenzen abdecken", betonte Doskozil. Man wolle damit den Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen seien, eine Perspektive bieten.

Von der Insolvenz Betroffenen biete man Umschulungen sowie Aus- und Weiterbildung, sagte Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ). Teilnahmeberechtigt seien Menschen, die aus insolventen Firmen kommen und Menschen, die im Burgenland ihren Hauptwohnsitz haben.

"Dieses Modell soll nicht dazu dienen, dass man in die Pension hinübergleiten kann", betonte Schneemann. Die zusätzliche Ausbildung werde auch finanziell abgegolten. Es werde ein Stiftungs-Arbeitslosengeld sowie zusätzlich ein Stipendium in Höhe von 60 Euro pro Monat geben. Die Verweildauer in der Stiftung sei offen, sie solle aber nicht länger als durchschnittlich 15 Monate betragen.

Teilnehmer sollen am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen

Die Teilnehmer der Stiftung sollen am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen können. Deshalb gebe es eine Berufsorientierung sowie in weiterer Folge eine Aus- bzw. Weiterbildung. Diese könne auch bundesländerübergreifend passieren. Möglich sei etwa eine Lehrausbildung mit verkürzter Lehrzeit und der Eintritt in berufsbildende Schulen. Maturanten könnten auch Universitäten oder Fachhochschulen besuchen und ein Bachelorstudium beginnen, erläuterte Schneemann.

Die Situation am Arbeitsmarkt sei auch im Burgenland durch die Coronakrise "nicht rosig", stellte der Landesrat fest: Es werde sicher auch noch im Herbst höhere Arbeitslosenzahlen geben. Im Vergleich zum August des Vorjahres gebe es im Burgenland ungefähr 28 Prozent mehr Arbeitslose.

Betriebe bekämen derzeit noch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern gestundet. "Wenn es ein Ende hat mit dieser Stundung, dann ist der Tag der Wahrheit. Und hier rechnen wir dann schon mit weiteren Insolvenzen", stellte AMS-Landesgeschäftsführerin Helene Sengstbratl fest.

Erweiterung möglich

Mit der Arbeitsstiftung sei man flexibel: Der Beirat müsse die Aufnahme eines weiteren Unternehmens in die Stiftung beschließen. Am nächsten Tag könnten die Betroffenen bereits in eine Berufsorientierung eintreten.

Die Arbeitsstiftung sei so angelegt, dass sie erweitert werden kann, so Doskozil. Man habe die Erfahrung, dass zwischen fünf und 20 Prozent der gekündigten Mitarbeiter in die Stiftung gehen und eine Berufsorientierung sowie danach eine Qualifizierung durchlaufen, berichtete Sengstbratl.

Arbeitsstiftung für FPÖ "Bankrotterklärung"

Die von Doskozil  angekündigte Arbeitsstiftung für Betroffene der Insolvenz der Commerzialbank Mattersburg (cb) sowie von anderen Betriebsschließungen aufgrund der Coronakrise ist für die FPÖ Burgenland eine "Bankrotterklärung der Landesregierung". Sie versuche gar nicht, Arbeitsplätze zu sichern, betonte FPÖ-Wirtschaftssprecher Alexander Petschnig am Mittwoch.

Anstatt die burgenländischen Betriebe mit entsprechenden Maßnahmen zu unterstützen und tausende Arbeitsplätze zu sichern, hebe Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) mit Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) eine "Mini-Stiftung" aus der Taufe und nehme "die Vernichtung ungezählter Arbeitsplätze achselzuckend zur Kenntnis", sagte Petschnig.

Gerhard Michalitsch, Präsident der Arbeiterkammer Burgenland, begrüßt die Arbeitsstiftung hingegen. "Die Landesregierung steht damit für jene ein, die unverschuldet ihr Arbeitseinkommen verloren haben. Angesichts der anhaltenden Krise am Arbeitsmarkt ist Weiterbildung jetzt das Gebot der Stunde", betonte er.