Gerüchte über „private Motive“ von Pucher & Klikovits. In Mattersburg wird über frühere, private Verbindungen zwischen Bank-Chef Pucher und Ex-Vorständin Klikovits gemunkelt. Auch neue Akten sind aufgetaucht.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 10. September 2020 (06:22)
Bank-Duo. Martin Pucher und Franziska Klikovits bei einer Präsentation im Jahr 2017.
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Während in der Causa Commerzialbank laufend neue Aspekte ans Tageslicht kommen, sorgen aktuell vor allem zwei Themen für Aufsehen: Zum einen wurde eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung bekannt, die auch der BVZ im Detail vorliegt; zum anderen kursiert in Mattersburg hartnäckig das Gerücht, dass Bank-Chef Martin Pucher und Ex-Vorständin Franziska Klikovits in den Anfangsjahren mehr verband als nur die berufliche Ebene.

Eine etwaige Liaison der beiden könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum Klikovits die Malversationen mitgemacht hatte. Derartige Betrügereien, so ein Insider, hätten nur aufgrund von blindem Vertrauen so lange „gutgehen“ können. Über die Jahre habe man sich aber vermutlich auch aufgrund des Drucks immer mehr entfremdet. Wie zu hören war, sollen die beiden die letzten beiden Jahre gar nicht mehr miteinander gesprochen und nur über den Austausch von Zetteln kommuniziert haben.

Aus dem Bericht der Bundeskriminalamt-Stelle FIU (Bild links): Die Aufstellung mutmaßlich fingierter Rechnungen sowie Aussagen von Ex-Aufsichtsratsvize Ernst Zimmermann, der sich gegen Geldwäsche-Vorwürfe wehrt.
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Auf eine etwaige private Verbindung will Klikovits-Anwalt Johann Pauer aber nicht eingehen. Gegenüber der BVZ erklärt er: „Als meiner Mandantin nach ihrer Bestellung zum Vorstand das Ausmaß der unrichtigen Bilanzdarstellungen immer mehr bewusst wurde, traf sie eine folgenschwere Entscheidung: In der Hoffnung das Bilanzdelta in den Folgejahren ausgleichen zu können und im Wissen, dass ein vorzeitiges Aufdecken des Deltas zu einem unmittelbaren Schaden bei den Bankkunden führen würde, entschied sie sich an den Verschleierungshandlungen mitzuwirken. Das Motiv dahinter lag ausschließlich darin, den in der Bilanz schlummernden Schaden nicht bei den Kunden der Bank schlagend werden zu lassen.“

Neue Brisanz erhalten indes die bereits bekannten Finanz-Ermittlungen gegen Unternehmer Ernst Zimmermann, früherer Vize-Aufsichtsratschef der Commerzialbank und Ex-Vorstandsmitglied beim SV-Mattersburg. Eine Meldung seitens der Anti-Geldwäschestelle FIU im Bundeskriminalamt hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft mittlerweile ins Verfahren übernommen.

Zimmermann hatte im Zuge eines Finanz-Verfahrens 2018 bekannt gegeben, „Rechnungen an fiktive Personen“ erstellt zu haben. Demnach seien zu Namen und Adressen aus dem Telefonbuch Rechnungen erstellt worden; die Geschäftsbeziehungen habe es mit „gesellschaftspolitischen aber auch parteipolitischen Personen“ gegeben. Im Bericht sieht man den Verdacht auf Geldwäsche „erhärtet“.

Zimmermann betonte auf BVZ-Anfrage, „keinen Finanzbetrug“ begangen zu haben. Sein Mediensprecher Walter Gröblinger spricht von „Außerachtlassung der Unschuldsvermutung“: „Solange der exakte Inhalt des Behördenaktes nicht bekannt ist, wird keine inhaltliche Stellungnahme zu den medial behaupteten Vorwürfen erfolgen.“