Intensivstationen: Lage wird ernster. Die Intensiv-Betten füllen sich, die Pflege der Patienten bleibt „unberechenbar“.

Von Wolfgang Millendorfer, Carina Fenz und Markus Wagentristl. Erstellt am 19. November 2020 (05:45)
Spitäler an Belastungsgrenze: Pausen beim medizinischen Personal sind mittlerweile selten geworden, die volle Schutzausrüstung und FFP2-Maske dafür Standard. Die Intensivstationen werden zunehmend voller, die Anzahl der Covid-Patienten stieg in den letzten Tagen enorm an.
KRAGES

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt hat aufgrund des gefährlich ansteigenden Bedarfs eine dritte Corona-Station aufgemacht. Die Kapazität für Corona-Intensivpatienten ist nun auf 16 gewachsen. Das ist aber das absolute Maximum, wie es aus dem Krankenhaus heißt. Dass diese Zahl aber nicht die Dramatik der Situation beschreibt, erklärt ein Arzt der Corona-Station, Christian Toth, der BVZ. Das Virus und damit auch der Krankheitsverlauf und der Behandlungs-Aufwand sei „unberechenbar“: „Was das Virus unberechenbar macht, ist, dass der Gesundheitszustand von Covid-Patienten, die stabil scheinen, extrem schnell kippen kann, dass sie Beatmung und intensivmedizinische Behandlung benötigen. Die Krankheitsverläufe sind weniger berechenbar, als wir das sonst kennen.“

Auch in den KRAGES-Häusern ist die Situation dramatisch. Die Intensivstation des Krankenhauses Kittsee wird zusätzlich zu den Häusern Güssing, Oberpullendorf und Oberwart, künftig ausschließlich Covid-Patienten zur Verfügung stehen, weil man mehr Platz brauche. Non-Covid-Patienten, die bislang in Kittsee behandelt wurden, müssen auf andere Häuser aufgeteilt werden.

Herbert Tillhof, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Oberpullendorf.
privat

„Die Lage ist ernst“, weiß auch Herbert Tillhof, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Oberpullendorf und Leiter der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin: „Wir sehen auch Menschen sterben. Wir sorgen uns täglich darum, dass wir genug Platz haben – denn man sieht erst sieben bis acht Tage nach dem Ausbruch der Krankheit, ob jemand intensivpflichtig wird. Wenn aber einmal Atemnot eintritt, dann heißt es: Sauerstoff, Sauerstoff, Sauerstoff. Wir versuchen, dabei so lange wie möglich mit Sauerstoffmasken oder Sauerstoffhelmen zu arbeiten. Weil wenn die Lunge einmal versagt und wir intubieren müssen, dann wird es oft sehr schwierig, vor allem für Ältere.“

Eine enorme Kraftanstrengung: Ärztekammer-Präsident Michael Lang.
privat

Seitens der Ärztekammer verweist Präsident Michael Lang auf das wichtige Zusammenwirken von Ordinationen und Spitälern: Die bestmögliche Betreuung aller Patienten gelinge nur durch die Kraftanstrengung aller Ärztinnen und Ärzte.