Neusiedl am See

Erstellt am 13. September 2018, 04:58

von Alexandra Gollubics-Prath

Neusiedler See: Schilfgürtel schrumpft. Experten sehen Schilfbestand massiv gefährdet, Hauptproblem dabei: die Erntemaschinen. EU-Projekt wird demnächst Betroffenen vorgestellt und soll Lösungen erarbeiten.

Schilfschneider bei der Arbeit.Umgebaute Fahrzeuge können das Schilf an der Wurzel zerstören. Jetzt sollen verschiedene Erntemaschinen getestet werden.  |  Archiv

Nicht nur wegen der derzeitigen Altweibersommer-Temperaturen bleibt der Neusiedler See in aller Munde. Gab es im Hochsommer immer wieder Diskussionen über Wasserqualität (siehe hier und unten) oder drohende Verlandung (die BVZ berichtete, siehe hier) , schlagen nun Experten nachdrücklich bezüglich des Schilfgürtels Alarm.

Ein einzigartiger Lebensraum sei gefährdet, befürchtet Bernhard Kohler vom WWF, denn Untersuchungen würden zeigen, „dass bereits ein Viertel der Schilfflächen dauerhaft geschädigt sei“. Betroffen ist jener Teil des Schilfbestands, der nicht im Nationalpark wächst.

Für diesen Teil des Sees wurde vor drei Jahren gemeinsam mit Birdlife ein Managementplan erstellt, der eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung des Schilfgürtels vorsieht. Vor wenigen Monaten wurde dazu ein von der EU gefördertes Projekt gestartet, das von WWF und Birdlife Österreich in Zusammenarbeit mit der Esterhazy Betriebe GmbH, der 73 Prozent der Fläche gehören, durchgeführt wird.

„Schilfschneider ernten irgendwann notfalls im Schlamm“

Als großes Problem haben sich die Erntemaschinen erwiesen. Durch die Klimaerwärmung sei in den letzten Jahren der See oft nicht beziehungsweise erst sehr spät zugefroren, so Projektleiter Kohler: „Das führt dazu, dass die Schilfschneider irgendwann hinausfahren und notfalls im Schlamm ernten.“

Im Einsatz sind dabei allerdings keine eigens gefertigten Geräte, sondern diverse umgebaute Fahrzeuge, wie etwa Pistenraupen – die freilich für den Schlamm oft zu schwer sind. Durch diese Maschinen würden Wurzelstöcke des Schilfs zerquetscht und dabei giftige Stoffe freigesetzt, wodurch kein Schilf mehr nachwächst, so der Experte.

Im Rahmen des laufenden Projektes sollen in den kommenden Wintern bei Testschnitten verschiedene Erntemaschinen verglichen werden. Denn Schilfschneider seien genauso von den Ergebnissen schockiert gewesen wie etwa Naturschützer, betont Kohler.

Es gehe nun vor allem darum, ein Gerät zu finden, durch welches für Schilf, Vögel und auch Amphibien der geringste Schaden entsteht“, erläutert der Projektleiter. Am 3. Oktober wird das Projekt im Rahmen eines Workshops unter anderem schilfschneidenden Grundbesitzern in Oggau vorgestellt.