Doskozil empfing Badelt: „Kein Wachstums-Fetischismus“. Zum Burgenland-Frühstück lud Landeschef Hans Peter Doskozil WIFO-Leiter Christoph Badelt. Die BVZ war exklusiv dabei.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 26. Juni 2019 (06:02)
BVZ
Start-Ups treffen Experten. Petra Ott („Schlaue Box“) und Lukas Schopp („Sloop Tools“) mitWIFO-Chef Christoph Badelt und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (v.l.).

Im kleinen Rahmen wird beim Burgenland-Frühstück offen heraus über die großen Themen geredet. Das neue Format, zu dem Landeshauptmann Hans Peter Doskozil führende Köpfe aus verschiedensten Bereichen ins Landhaus lädt, fand kürzlich im Beisein des Wirtschafts-Experten Christoph Badelt statt. Die BVZ war exklusiv dabei.

Bei Brötchen, süßer Bäckerei und Bio-Limonade diskutierten knapp 20 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben mit dem Leiter des Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO) eine Kernfrage: „Sollen wir immer weiter wachsen?“

„Wachstum darf nicht in der intellektuellen Parallelwelt diskutiert werden – er muss die Menschen abholen …“WIFO-Leiter Christoph Badelt

„Ja – aber klug!“, gab Badelt die Antwort gleich vorweg. Genauer: „Wir sollen weiter wachsen, wenn es unserem Wohlbefinden und den kommenden Generationen dient. Aber wir sollten keinen Wachstums-Fetischismus betreiben.“ Einen solchen könne man immer wieder in der täglichen Praxis beobachten, „als ob von einem Prozentpunkt mehr oder weniger das Wohlbefinden abhängt“.

Wie könnte es also anders gehen? Geht es nach dem Wirtschafts-Experten, ist die Antwort einfach: mit erweitertem Zielkatalog. So sollen etwa der soziale Gedanke oder der Umweltschutz als Indikatoren ebenso großes Gewicht bekommen wie das Bruttoinlandsprodukt oder die Wachstumsrate. Denn: „Wer in den Genuss des Wachstums kommt, darüber sagt die Wachstumsrate nichts aus.“ Der Weg führt nicht nur für Badelt, sondern auch für Doskozil über eine „offensive gesellschaftspolitische Diskussion“.

„Politik darf nicht von Zahlen getrieben sein“

Themen wie die Pflege oder der Mindestlohn weisen aus Sicht des Landeschefs in diese Richtung: „Die Politik darf nicht von Zahlen getrieben sein, der Aufschwung ist heute nicht mehr in der Form erklärbar, wie er es vielleicht früher einmal war. Deshalb geht es darum, Schwerpunkte zu setzen. Und es geht darum, glaubwürdig zu sein“, sagte Doskozil. Einer Meinung war man am Frühstückstisch auch dazu, dass jeder in seinem Bereich darauf achten müsse, auch „raus aus der Blase“ zu kommen. Praktischer Tipp von Badelt: „Mit so vielen Menschen wie möglich reden …“

Konkrete Anregungen gab es seitens der Disksussions-Gäste: von Maßstäben für pädagogische Qualität über neue Förderungen, um Start-Ups „im Land zu halten“, bis hin zum Image des Pflegeberufes. All diese Ideen werden gesammelt und im Detail geprüft – eben ganz im Sinne eines „Think-Tanks“.