Mega-Projekt: Ärger um See-Zufluss in Ungarn

Der Auftrag für den umstrittenen Donau-Zufluss zum Neusiedler See ging an den Betreiber des Mega-Projekts in Fertörakos.

Peter Wagentristl
Peter Wagentristl Erstellt am 14. Oktober 2021 | 05:02
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Viel Schlamm im See. Dem niedrigen Wasserstand soll nun mit Donauwasser beigekommen werden – nicht unumstritten.
Foto: Elvira Horvath

Die Liste an Kritikpunkten am geplanten Zufluss für den Neusiedler See ist lang – und seit Kurzem um noch einen Punkt länger. Vor allem auf ungarischer Seite gehen die Emotionen hoch, nachdem der knapp vier Milliarden Forint schwere Auftrag für die Errichtung des Kanals vergeben wurde.

Ungarischen Medienberichten zufolge erhielt ein Unternehmen des umstrittenen Orbán-Vertrauten Lőrinc Mészáros den Zuschlag. In Österreich ist Mészáros, der als einer der reichsten Ungarn gilt, vor allem durch das Mega-Projekt in Fertörakos bekannt.

Der Hauptbewässerungskanal, der Wasser von der Mosoni-Donau abzweigt, soll mit dem Einser-Kanal verbunden werden. Dadurch würde der Pegel des Neusiedler Sees steigen. Neben dem Tourismus auf beiden Seiten der Grenze würde auch die ungarische Landwirtschaft vom steigenden Grundwasserspiegel profitieren.

Auch bezüglich des landwirtschaftlichen Wasserbedarfs wird auf ungarischer Seite Kritik laut: In der Region betreibe die „Lajta-Hanság Zrt.“, an der Mészáros beteiligt sein soll, 13.000 Hektar große landwirtschaftliche Betriebe, die unter dem sinkenden Grundwasserspiegel leiden – und den Wassermangel selbst mitverschulden würden. Auch auf österreichischer Seite stehen Landwirte für die exzessive Entnahme von Grundwasser für ihre Felder bei Umweltschützern in der Kritik.

Finanziert wird das Projekt auch aus EU-Geldern und mit drei Millionen Euro aus dem Burgenland, wie Landesrat Heinrich Dorner im März bei einer Pressekonferenz mitteilte.

Kritik kommt auch von Christian Schuhböck von der „Alliance for Nature“. Zu den Bedenken beim See-Zufluss und dem Ruf nach einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung kommt nun auch der Verdacht der „Freunderlwirtschaft“. Zudem liege auch hierbei Eigeninteresse nahe: „Wegen der Süd-Strömung treibt der Schlamm Richtung Ungarn, weshalb die Wassertiefe dort für Segelboote und Fähren noch problematischer ist als im Norden“, so Schuhböck. Dabei mehren sich sogar im Norden die Meldungen über im Schlamm steckengebliebene Boote. Größter Profiteur des geplanten Kanals wären daher wohl Mészáros und der Tourismus – „sicher nicht der See und die Natur“, so Schuhböck.