Regenfälle als Tropfen auf tiefem Neusiedler See-Pegel. Die Regenfälle der letzten Wochen konnten den Wasserstand des Sees kaum verbessern, immer noch fehlen 20 Zentimeter auf die Norm. Das hat nun Folgen für Segler.

Von Birgit Böhm-Ritter, Peter Wagentristl und Markus Wagentristl. Erstellt am 09. Juli 2020 (06:34)
Tiefstand. Normalerweise ragt in der Ruster Bucht nur der grüne Schilfteil aus dem Wasser, der Schlammboden fast nie.
Peter Wagentristl

Der Neusiedler See war in den vergangenen Tagen Anziehungspunkt für viele Einheimische, Tagesgäste und Urlauber. Zu Ferienbeginn waren die Strände rund um den Steppensee gut besucht, auch zahlreiche Segler nutzten die Sonnentage für ihre Ausfahrten.

Doch wie hat sich die Lage am See punkto Wasserstand in den vergangenen Wochen entwickelt? Die BVZ hat am Amt der Burgenländischen Landesregierung nachgefragt.

„Das spielt alles zusammen. Das Wasser wird ins Schilf gedrückt, das wiederum Wasser aufnimmt.“Christian Sailer, Leiter des Referats Wasserwirtschaft, zur Rolle des Winds

Fakt ist: Die Regenfälle im vergangenen Monat haben zu einer Stabilisierung des Wasserstandes geführt und die Talfahrt aufgehalten. Der Pegel hat sich auf einen Wert von 115,30 Meter über Adria („müA“) eingependelt, ist aber nur leicht angestiegen.

Minimumwerte, wie etwa im Mai (115,27müA), als Tiefstwerte seit 1965 gemessen wurden, scheinen nun nicht mehr in der Statistik auf. Es gab also in den vergangenen 55 Jahren noch tiefere Pegelstände im Juli, als sie heute gemessen werden.

Zum durchschnittlichen Juli-Wert fehlen dem See aber trotzdem noch immer 20 (!) Zentimeter: „Etwa 50 Zentimeter sind über dem See gefallen. Die vergangenen Niederschläge sind kein Hinderungsgrund weiter an Lösungsansätzen für den Neusiedler See zu arbeiten“, erklärt Christian Sailer, Leiter des Referats Wasserwirtschaft. Regenfälle im Sommer hätten nicht die gleiche Wirkung auf den See, wie Niederschläge im Winter. Wasser gehe in den Sommermonaten durch Verdunstung schnell verloren. An Hitzetagen verdunsten etwa 0,8 Millimeter an einem Tag.

Auch der Wind trage das Seine dazu bei. „Das spielt alles zusammen. Das Wasser wird ins Schilf gedrückt, das wiederum Wasser aufnimmt“, erklärt der Experte. Nur Niederschläge im Winter würden eine nachhaltig positive Auswirkung auf den Wasserstand des Neusiedler Sees haben, die Pflanzen seien dann in Ruhe und würden weniger Wasser brauchen und die Verdunstung sei geringer.

Möglichkeit einer Wasserzuleitung über Donaualtarm?

Die Befürchtung, dass Trocken- und Dürrephasen, wie sie Klimaszenarien prognostizieren, den Wasserstand unter 115 Meter über Adria drücken könnten, veranlassen die Experten im Amt der Burgenländischen Landesregierung jedenfalls weiter an Maßnahmen für den Naturraum Seewinkel-Neusiedler See zu arbeiten. Konkret wird die Möglichkeit einer Wasserzuleitung über einen Donaualtarm (Mosoni Duna) in Ungarn geprüft.

Schon jetzt ist die Situation am See teilweise angespannt: „Hüttenbereiche können teilweise nur mehr mit E-Booten erreicht werden“, so Sailer.

In Oggau musste der Garde Cup abgesagt werden: „Zu geringer Wasserstand am See“, ließ die Vizepräsidentin des Yachtclubs, Marie-Luis Butterfly, die BVZ wissen. Stattdessen findet ein „Opti-Paddelrennen“ im Hafenbecken statt. Das Problem: „Wenn stärkerer Wind weht, klatschen die größeren Boote mit der Ruderanlage am Boden auf. So kann man keine Regatta abhalten, denn ob Wind geht oder nicht, wissen wir im Vorhinein ja nicht“, so Butterfly.