Schularzt-Abschaffung: „Sinnlose Einsparung“. Scharfe Kritik an Gemeindebund-Vorstoß von Bildungsdirektion und Ärztekammer; Elternverein denkt an Alternative.

Von Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 05. September 2019 (06:39)
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Eine Notwendigkeit oder längst überholt? Das Schularztwesen steht derzeit vielerorts in Diskussion.

Die vom österreichischen Gemeindebund angestoßene Debatte um eine Abschaffung der Schulärzte schlägt auch im Burgenland hohe Wellen.

Zur Erinnerung: Seitens des Gesundheitsministeriums ist eine Verordnung geplant, mit der Schulärzte auch für Schutzimpfungen, Gesundheitsförderung und Dokumentation von Gesundheitsdaten zuständig werden sollen. Der Gemeindebund wehrt sich und will Schulärzte in der derzeitigen Form ganz abschaffen.

Argumente dahinter: Schon bisher sei bei der jährlichen Untersuchung von 80 Kindern pro Stunde keine Gesundheitsberatung möglich. Zudem würden für eine einheitliche elektronische Dokumentation der Schülerdaten in den Schularztkammmern die Computer fehlen, heißt es.

Kammer-Präsident Lang zeigte sich „zutiefst entsetzt“

Gleich gar nicht damit d‘accord geht der burgenländische Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz, – die Abschaffung von Schulärzten wäre seiner Ansicht nach „eine sinnlose Einsparung“, man nehme den Kindern sozusagen ein „Grundrecht“. Gebe es die Schulärzte nicht, kämen manche Kinder nämlich gar nicht zu Basisuntersuchungen, so Zitz: „Ich wäre daher eher sogar dafür, dass es auch im Pflichtschulbereich fixe Schulärzte geben sollte, so wie im Bundesschulbereich.“

Noch deutlicher wurde auf BVZ-Anfrage Ärztekammerpräsident Michael Lang – er zeigte sich „zutiefst entsetzt“ über den Gemeindebund. Schulärzte gehörten eher gefördert als abgeschafft, ist er überzeugt, denn der Schularzt habe einen direkten Zugang „zu jenen Teilen der Bevölkerung, die in Richtung Prävention noch am meisten prägbar ist.“

Natürlich würden die Pläne des Ministeriums Geld kosten, „aber der Staat und die Gemeinden haben eine Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung“, so Lang. Auch dem Alternativvorschlag des Gemeindebunds zur Verlängerung des Mutter-Kind-Passes bis 18 Jahre steht Lang skeptisch gegenüber, er gibt zu bedenken, dass „der Mutter-Kind-Pass eine gewisse Aktivität der Eltern voraussetzt.“

Nicht unbedingt einen Schularzt an jedem Standort muss es für Elternvereins-Obfrau Christina Riedl, Landesobfrau vom Dachverband der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, geben: „Wir sind grundsätzlich schon dafür, dass es weiterhin Schuluntersuchungen gibt. Denn gerade was Impfungen betrifft, ist so eine flächendeckende Abdeckung sicher leichter zu gewährleisten. Die Frage ist nur, ob unbedingt ein Arzt die Spritze geben muss oder nicht auch medizinisches Fachpersonal, wie eine Krankenschwester.“