Burgenland sagt Ragweed auch gesetzlich den Kampf an. Das Burgenland sagt dem Ragweed nun auch gesetzlich den Kampf an. Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) und FPÖ-Klubobmann Geza Molnar präsentierten am Montag in Eisenstadt den Gesetzesentwurf, der mit Anfang 2020 in Kraft treten soll.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 15. Juli 2019 (12:22)
Ragweed hat sich auch in der Region angesiedelt.
NOEN, shutterstock.com/E. Elisseeva

Damit werden die organisatorischen Voraussetzungen zur Bekämpfung des schwer allergenen Traubenkrauts geschaffen. Andere Bundesländer könnten folgen.

Umweltlandesrätin Eisenkopf sprach von dem Gesetz als einem Novum in Österreich. Ragweed breite sich rasant aus, bedrohe Ernten, schädige Allergiker und werde leider durch den Klimawandel begünstigt. "Die Bekämpfung muss sektorübergreifend erfolgen, über die Bereiche Landwirtschaft, Naturschutz und Gesundheit", sagte Eisenkopf. Deshalb werde im Land eine Meldestelle eingerichtet.

Nach einer Meldung des Vorkommens werde die Sache rasch überprüft und Handlungsanleitungen gegeben. Betroffen vom Ragweed sind vor allem Wien, Niederösterreich, das Burgenland, die Steiermark und Kärnten. Interesse an einem ähnlichen Gesetz haben die Steiermark und NÖ gezeigt.

FPÖ-Klubobmann Molnar sagte, das Burgenland sei praktisch das Einfallstor bei der Ausbreitung, es gehe um den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung sowie der Landwirtschaft. Das Gesetz sieht vor allem die mechanische Bekämpfung des Neophyten vor, chemische Mittel sollten nur notfalls angewendet werden. Wichtig sei die Bekämpfung vor der Blühphase. Eine Pflanze kann bis zu acht Milliarden Pollen und bis zu 60.000 Samen ausbilden, die zwischen 20 und 40 Jahre keimfähig bleiben.

Mit dem Gesetz werde auch eine Landesstelle zur Koordination der Maßnahmen geschaffen, sagte Molnar. Kooperiert wird u.a. mit Bezirkshauptmannschaften, Gemeinden und der Straßenaufsicht. Eine Meldepflicht sei laut Molnar nicht festgelegt, aber man ersuche die Bevölkerung, Vorkommen des Ragweed zu melden. Grundstücksbesitzer sind angehalten, die Pflanze zu entfernen und im Hausmüll zu entsorgen.

Sollte dies nicht geschehen, könne man einen Bescheid dazu erlassen und im äußersten Fall sogenannte "Ersatzvornahmen" anordnen, sprich das Ragweed wird von dritter Seite fachgerecht entsorgt. Wenn es keine Einsicht gebe, könne es Verwaltungsstrafen bis zu 3.000 Euro setzen. Das Gesetz soll nach der Begutachtungsphase im Herbst beschlossen werden.

Ragweed oder auch Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) niste sich gerne auf brachen, wenig bewachsenen Flächen, Straßenrändern und Bahndämmen oder auch in bestimmten Kulturen wie Sonnenblumen- oder Sojaäckern ein, sagte Pollenforscher Uwe Berger. Es sei sehr resistent und anpassungsfähig, mittlerweile komme es auch bis zu 1.200 Meter Seehöhe vor.

Es rufe schwere allergische Reaktionen hervor wie Niesen, Juckreiz und Atemwegsbeschwerden. Wenn man von rund 100.000 Personen ausgehe, die allergisch seien, entstehe ein beträchtlicher volkswirtschaftlicher Schaden durch Arbeitsausfall und Medikamentenbedarf.

Zusammen mit den landwirtschaftlichen Schäden könne man von rund 100 Millionen Euro im Jahr ausgehen. "In den USA rechnen Sojafarmer mit 30 bis 40 Prozent Ausfall bei der Ernte, wenn sich das Ragweed auf Äckern ausbreitet", sagte Berger. Natürliche Feinde hat das aus Nordamerika stammende Kraut in Europa nicht.