Land hebt „Zwangsmitgliedschaft“ für Jäger auf. Mit der neuerlich geänderten Gesetzesnovelle bleibt kein Stein auf dem anderen: Wesentliche Finanzierung für den Jagdverband fällt weg, der neue Jägermeister wird vom Land installiert. Neue Vereine sollen „Veränderung“ bringen.

Von Wolfgang Millendorfer und Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 16. November 2020 (17:24)

Wieviel Zündstoff die Pressekonferenz von Landesrat Leonhard Schneemann mit sich brachte, zeigte sich schon darin, dass sie mit 45 Minuten Verspätung begann. Grund war Martin Balluch, Obmann des „Vereins gegen Tierfabriken“ (VGT), der am Presse-Termin im Kulturzentrum Eisenstadt teilnehmen wollte und sich auch angemeldet hatte – allerdings zu spät, wie seitens der Organisatoren betont wurde: Aufgrund der strengen Corona-Vorschriften sei seine Teilnahme nicht möglich. Vor dem Eingang des Kulturzentrums protestierte indes der VGT lautstark gegen die Gatterjagd.  

Diese war zwar auch Thema der Pressekonferenz, weitaus brisanter zu Tragen kommt aber eine neue Überlegung des Landes, die unmittelbar den Jagdverband betrifft: Wie Schneemann ankündigte, soll mit dem neuen Gesetz auch das Ende der „Zwangsmitgliedschaften“ umgesetzt werden. Sprich: Für den Verband gibt es keine Mitgliedsgelder mehr, Jäger sollen künftig für 80 Euro jährlich ihre Berechtigungen und eine Haftpflicht-Versicherung erhalten und damit rund 70 Euro sparen. Die angekündigte empfindliche Erhöhung der Abgabe soll „nur 30 Prozent der Jagdpächter betreffen“, nämlich jene, die eine höhere Jagdpacht als 25 Euro pro Hektar bezahlen beziehungsweise nicht aus demselben Bezirk oder einem Nachbarbezirk kommen. 

Land „übernimmt“ die Jagd 

Zudem werde in Zukunft das Land selbst „als Service-Einrichtung für die Jägerschaft auftreten“, so Schneemann. Mit dem Gang in die Offensive reagiere man darauf, dass „mit einer Unterschriftenaktion und einem Brief hinter unserem Rücken gegen die bereits vereinbarte Vorgangsweise mobilisiert“ worden sei, meint Schneemann im Hinblick auf die ursprüngliche Novelle. Personell wird sich die Änderung auch in der Einrichtung eines neuen Landes-Jägermeisters zeigen.  

Wie berichtet, hatte der aktuelle Jägermeister Roman Leitner einzelne Punkte im neuen Jagdgesetz scharf kritisiert, unter anderem die geplante Verteuerung der Abgabe und die Ausgliederung der Bezirks-Jägermeister aus dem Verband. Zum Vorstoß des Landes gibt es bislang keine Reaktion des Jagdverbandes. 

Die neuerliche Änderung sieht nun übrigens auch weitere Verschärfungen zur umstrittenen Gatterjagd vor: Sogenannte „Bewegungsjagden“ werden „nur im Einzelfall und nach gründlicher Überprüfung der Behörde auf Waidgerechtigkeit und Tierschutzkonformität hin bewilligt“, so Landesrat Schneemann. „Die Einhaltung wird strengstens kontrolliert und bei Vergehen mit voller Härte bestraft.“ Die Kritik an der Jagdpraktik, die in anderen Bundesländern teilweise verboten ist, bleibt unter anderem vonseiten des VGT aufrecht. 

Unterstützung erhielt Schneemann von Herbert Weltler. Der bekannte Eisenstädter Hautarzt ist seit vielen Jahren Jäger und hat in der Vergangenheit bereits selbst gewisse Praktiken kritisiert, wie etwa die Jagd auf gezüchtete und ausgesetzte Enten. Sein Zugang: „Man kann nur gemeinsam mit der Öffentlichkeit und auf Basis der Erkenntnisse von Experten arbeiten, damit gesehen wird, was Jagd wirklich bedeutet.“ Mit dem Ende der „Zwangsmitgliedschaft“ erwarten sich Weltler und, wie er sagt, etliche Jägerinnen und Jäger die Möglichkeit, „dass nun Neues entstehen kann“. So soll künftig auch die Gründung neuer Vereine auf freiwilliger Basis möglich sein. 

Landes-Jägermeister Roman Leitner (r.) und Vorstand Herbert Pfeiffer.
Alexandra Gollubics-Prath

Jagdverband setzt sich zur Wehr

Während seitens des Landes von einer „klaren Gewaltentrennung“ die Rede ist, konterte der amtierende Jägermeister Roman Leitner, einen Interessenskonflikt habe es nie gegeben: Es dürfe aber „anscheinend nicht sein, dass es eine starke Interessensvertretung gibt, die sich dem politischen Willen widersetzt“. Der Gesetzestext sei in Begutachtung gewesen und lande „auf einmal im Mistkübel“, kritisiert Leitner, dass der Verband „vernichtet“ werden soll.

Seitens des Jagdverbandes wird eine Rücknahme der Novelle gefordert: „Wir sind bereit, an den Verhandlungstisch auf Augenhöhe zurückzukehren.“ Auf jeden Fall werde man aber „in welcher Form auch immer weiter arbeiten für die Jagd im Burgenland“. Kritik gibt es auch seitens der ÖVP und der Grünen. Was das weitere Vorgehen des Jagdverbandes angeht, steht auch ein Gang vor das Verfassungsgericht im Raum; seitens des Landes sieht man aber schon jetzt klare Verhältnisse.