Landes-ÖVP bleibt türkis

Die Spitze der ÖVP Burgenland gibt Sebastian Kurz volle Rückendeckung. An der Basis gibt‘s aber noch „Schwarze“ – und leise Kritik von Partei-Granden.

Erstellt am 21. Oktober 2021 | 04:01
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Beim letzten Besuch als Kanzler. Sebastian Kurz (r.) im Juli in Mischendorf mit ÖVP-Obmann Christian Sagartz, Vize-Generalsekretärin Gaby Schwarz und dem Zweiten Landtagspräsidenten Georg Rosner (v.l.).
Foto: Lexi

„Es ist richtig, dass wir keine Parteiorganisation sind, die beim ersten Gegenwind die Fahnen in die andere Richtung streckt.“ Mit seinem Statement zur Lage in der ÖVP stellte sich Landesobmann Christian Sa-gartz nicht nur klar hinter Ex-Bundeskanzler und Parteichef Sebastian Kurz, sondern sorgte mitunter für Diskussionen. Diese kamen aber nur von außen, etwa von SPÖ und NEOS. In der burgenländischen ÖVP gibt es Rückhalt für Kurz, der angesichts von Untreue-Vorwürfen in seinem Umfeld und bekannt gewordener Chat-Protokolle nun als Klubchef seine Unschuld beweisen will.

Auf die Unschuldsvermutung pochen Sagartz, Klubobmann Markus Ulram, Geschäftsführer Patrik Fazekas und Co. Zugleich wird eingeräumt, dass es in der Landespartei auch ein wenig Verwirrung und viel Redebedarf gebe.

Immer wieder wird dieser Tage daran erinnert, dass die ÖVP Burgenland unter dem damaligen Obmann Thomas Steiner als eine der ersten Länder-Organisationen die türkise „Umfärbung“ gefeiert hatte. Wie sein Nachfolger Sagartz, meint Steiner, dass „eine Kampagnenfarbe nichts mit der politischen Haltung zu tun“ habe.

Und, so Steiner: „Die Stimmung in der Realität ist eine andere, als sie von vielen Medien herbeigeschrieben oder herbeigeredet wird.“ Dennoch findet man im Burgenland neben den Türkisen ebenso noch einige „Schwarze“, die als solche aber kaum in der Öffentlichkeit auftreten. Diese seien vor allem an der Basis zu finden, heißt es von Funktionären. Alteingesessene Parteimitglieder gehen direkter an die Sache heran: „Wir haben auch Whatsapp-Gruppen, und es wird manchmal über die Stränge geschlagen. Ich denke aber, dass die Formulierung, die von Kurz gewählt wurde, nicht die richtige war“, meint Ex-Landtagsabgeordneter Matthias Weghofer, „dennoch gehen die Staatsanwaltschaft private Dinge nichts an.“

Der Mattersburger ÖVP-Altbürgermeister Josef Resch meint: „Bevorteilungen hat es immer gegeben und wird es immer geben.“ Aber: „Ich hasse Vorverurteilungen. Wie man einst bei Ferry Sauerzopf gesehen hat, ist nach seinem Rücktritt herausgekommen, dass an der Sache nichts dran war.“

Der „Schritt zur Seite“, den Kurz mit der Übergabe des Kanzleramtes an Alexander Schallenberg gemacht hat, erntet in der ÖVP von allen Seiten Anerkennung. „Mit dem Rücktritt ist die Stabilität der Regierung wieder gegeben und das ist das Wichtigste“, verweist der Zweite Landtagspräsident Georg Rosner auf „Zukunftsthemen“. Angesichts derer findet er, „dass sich die Politik allgemein viel zu viel mit sich selbst beschäftigt“.

Und wie beurteilen die türkisen Burgenländer in der Bundespolitik die Stimmung? „Jetzt wieder ruhiger“, sagt Nationalratsabgeordneter Nikolaus Berlakovich und verweist wie Gaby Schwarz – deren Sitznachbar im Nationalrat jetzt Sebastian Kurz ist – auf Themen wie Wirtschaft und Gesundheit. Die Arbeit im Bund stellt übrigens auch die grüne Landessprecherin Regina Petrik ins Zentrum. Unterstützung für Kurz gibt es von Bundesratsmandatar Bernhard Hirczy: „Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass die Anschuldigungen nicht stimmen. Den Rest wird die Justiz klären.“