Gewesslers Herzensprojekt ist auf Schiene

Aktualisiert am 30. September 2021 | 16:47
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Bund und Ostregion haben sich letztendlich geeinigt: Das "Klimaticket" wird auch in Niederösterreich, Wien und Burgenland mit 26. Oktober eingeführt und in zwei Regionalticket-Varianten im Verkehrsverbund Ostregion (VOR) erhältlich sein. Klimaschutz-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) spricht von einem "großen Tag für das Klima und die Menschen", Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) von der "größten Tarifreform der Ostregion". Mit dem günstigen Öffi-Jahresticket sollen Pendlerinnen und Pendler zum Umsteigen auf Zug und Bus motiviert und das Klima geschont werden.

Seit 15 Jahren stehe ein österreichweit gültiges Öffi-Ticket in Regierungsprogrammen, jetzt sei es Realität geworden, sagt Klimaschutz-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei der heutigen Präsentation der Einigung zwischen Bund und VOR mit den drei Landeshauptleuten und Verkehrslandesräten aus NÖ, Wien und dem Burgenland. "Ich glaube, man sieht mir an, wie sehr ich mich freue", sagt die Ministerin. Das Klimaticket sei eines ihrer Herzensprojekte, zu keinem anderen Projekt sei sie soviel gefragt worden, wie zu dem Klimaticket. "Die Menschen warten darauf", ist sich Gewessler sicher.

Nach "guten und konstruktiven Verhandlungen" während der letzten Wochen stehe jetzt die Einigung zwischen Bund, Länder, dem VOR und den Parteien ÖVP, SPÖ und Grünen. "Wir haben gesetzliche Grundlagen und Abgeltungsmodelle ausgemacht und Schritt für Schritt mit den Bundesländern ein gemeinsames Ticket für alle Öffi-Fahrten geschaffen", sagt die Ministerin.

Bis zu 61 Prozent Ersparnis 

Auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) spricht von einem "Freudentag" nach intensiven und langen Verhandlungen um Preise. "Ja, wir sind angelangt. Für Pendlerinnen und Pendler nach Wien bringt das eine Preisreduktion bis zu 61 Prozent bei der Jahreskarte", sagt Mikl-Leitner. Die Ostregion sei damit die einzige Region Österreichs, wo alle Stufen auf einmal eingeführt werden. In anderen Bundesländern wie Kärnten werde noch an einem Regionalticket, also der 1er Stufe des Klimatickets, gearbeitet. "Das ist die größte Tarifreform der Ostregion seit vielen Jahrzehnten", betont Mikl-Leitner.

Konkret wird es in der VOR-Region zwei Varianten als "Klimaticket" geben: Die erste, das "VOR KlimaTicket Region", umfasst die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in Niederösterreich und dem Burgenland. Dieses Jahresticket wird 550 Euro kosten. Die zweite Variante, das "VOR KlimaTicket Metropolregion"umfasst die gesamte Ostregion inklusive Wien-Stadtverkehr und soll 915 Euro kosten. Weitere zusätzliche Vergünstigungen bis zu 25 Prozent sind für Studierende, Menschen mit Einschränkungen und Senioren geplant. Die zwei neuen VOR-Jahresnetzkarten sind ab 25. Oktober erhältlich. Das bundesweit gültige Klimaticket (vormals 1-2-3-Ticket) wird 1095 Euro kosten und wird im Online-Vorverkauf ab 1. Oktober mit Rabatt angeboten.

Kein Handlungsbedarf für Jahreskartenbesitzer

Mit dem Klimaticket in der Ostregion spare man sich auf der Strecke Gmünd-Wien 1.417 Euro, von Retz nach Wien 875 Euro, von St. Pölten nach Wien 800 Euro und von Wiener Neustadt nach Wien 633 Euro. "Das seien Zahlen, die motivieren mehr auf den Öffi-Verkehr umzusteigen", sagt die Landeshauptfrau. 

Auch das Pendeln innerhalb Niederösterreichs wird deutlich günstiger: Von Amstetten nach St. Pölten wird es um 824 Euro billiger, von Zwettl nach Krems um 878 Euro, von Baden nach Wiener Neustadt um 435 Euro, ebenso von Krems nach St. Pölten oder von Retz nach Hollabrunn.

Für VOR-Jahreskartenbesitzer bestehe kein Handlungsbedarf. Sie bekommen automatisch eine Gutschrift und eine Information vom VOR zugesandt. Auch die Streckentarife, wo man bereits günstiger unterwegs ist, bleiben bestehen.

Ticket-Monitoring und Infrastruktur-Ausbau

Niederösterreich und das Burgenland haben 50 Millionen Euro an Kompensationszahlungen vom Bund herausverhandelt, Wien bekommt 36 Millionen Euro pro Jahr. "Es war uns wichtig, dass die Finanzierung nachhaltig gesichert ist", sagt Mikl-Leitner und bedankt sich bei VOR-Chef Wolfgang Schroll für die "hervorragende Arbeit" und "das Bohren harter Bretter". 

Mit dem Klimaticket sei aber nur ein  Etappenziel erreicht: Öffentlicher Verkehr müsse nicht nur billiger, sondern auch besser und bequemer werden. Bis 2030 will das Land Niederösterreich das Öffi-Angebot um 30 Prozent erhöhen. "Es nützt ein billiges Ticket nichts, wenn das Angebot nicht stimmt", sagt die Landeshauptfrau und unterstreicht, dass gleichzeitig die Infrastruktur ausgebaut werden muss. Nach Einführung des Klimatickets brauche es jedenfalls ein Monitoring, um die Nachfrage zu beobachten.

Ministerin Gewessler rechnet damit, dass das Klimaticket für zumindest 100.000 Pendler massiv billiger sein wird und diese umsteigen werden. "Wir gehen davon aus, dass wir viele Menschen mit dem Angebot erreichen werden". Das österreichweit gültige Klimaticket wird jährlich initial mit 150 Millionen Euro vom Bund finanziert und jährlich angepasst und Regionaltickets werden mit 100 Millionen Euro vom Bund den Bundesländern kompensiert.

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