Christian Sagartz: „Werde mich nicht verbiegen“. Der neue ÖVP-Landesobmann sprach mit der BVZ über interne Fragen, den Wechsel in die allererste Reihe und wie er gegen die absolute SPÖ-Mehrheit punkten will.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 26. Februar 2020 (06:16)
„Ich muss Klartext reden.“ Sagartz über seine Rolle als ÖVP-Chef.
Millendorfer

Ab wann war für Sie klar, dass Sie als Landesobmann übernehmen?

Christian Sagartz: Den genauen Zeitpunkt kann ich gar nicht sagen. Aber es war klar, dass ich mit Thomas Steiner als Vorgänger so ein gutes Einvernehmen habe, dass wir das gemeinsam entschieden haben. Eine Lösung auf breiter Basis war ihm wichtig und uns ist ein harmonischer Übergang gelungen.

„Die Chance, für das Burgenland am Verhandlungstisch zu sitzen, ist viel zu kostbar“

Aber Ihre Planung war mit dem EU-Mandat wohl eine andere. Wie sehen Sie diese Umstellung?

Man darf das nicht so interpretieren, dass man zum Beispiel als Bundesrat mit der Landespolitik abgeschlossen hat, oder als Bürgermeister kein Interesse an der Europapolitik hat. Springender Punkt ist, ob man unter die Leute gehen will. Das ist mein Ansporn und die Themen trage ich weiter. Ich stelle mich im Europaparlament als Sprachrohr allen Fraktionen zur Verfügung.

Gab es Überlegungen, das EU-Mandat nicht anzunehmen?

Nein. Denn die Chance, für das Burgenland am Verhandlungstisch zu sitzen, ist viel zu kostbar. Und ich bin den 17.000 Menschen im Wort, die mir ihre Vorzugsstimme gegeben haben.

Mit dem Wahlergebnis kann die ÖVP nicht zufrieden sein. Hat man das kritisch betrachtet?

Dass wir ein anderes Ergebnis erhofft haben, liegt auf der Hand. Das Ziel, über die 30-Prozent-Marke zu kommen, haben wir erreicht. Der Wermutstropfen, dass die SPÖ nun alleine regiert, ist natürlich alles andere als erfreulich. Auch für das Land, denn das bedeutet, dass viele Dinge durch die SPÖ im stillen Kämmerlein entschieden werden. Das Burgenland kann mehr.

„Wir alle übernehmen Verantwortung, wir alle waren Kandidaten und Teil der Strategie.“

War die Strategie im Wahlkampf rückblickend die falsche?

Nein, ich bin davon überzeugt, dass Thomas Steiner für sich einen Weg gezeichnet hat, der authentisch und glaubwürdig war. Aber es war eine Wahl unter Ausnahme-Voraussetzungen, weil wir zum ersten Mal aus der Opposition gestartet sind. Es gibt jetzt auch keinen Umbruch, wie es geheißen hat, sondern das Team hat sich neu aufgestellt.

Aber wenn der Chef und der Geschäftsführer sich in die zweite Reihe zurückziehen, ist das eine besondere Situation.

Dass Thomas bereit ist, die wichtige Aufgabe als Obmann des Rechnungshof-Ausschusses zu übernehmen, ist positiv. Auch Christoph Wolf wird im Landtag eine wichtige Funktion einnehmen.

Trotzdem übernehmen Steiner und Wolf gewissermaßen die Verantwortung für dieses Ergebnis. Sehen Sie das auch so?

Also, wir alle übernehmen Verantwortung, wir alle waren Kandidaten und Teil der Strategie.

Wie werden Sie jetzt Ihre neue Rolle als Parteichef anlegen?

Im Team haben wir spezielle Aufgaben, der Landesgeschäftsführer und der Klubobmann werden die kantigere Oppositionspolitik fahren müssen. Meine Aufgabe ist es, Perspektiven aufzuzeigen und für eine politische Haltung zu stehen. Ich muss Klartext reden und ich werde mich nicht verbiegen.

„Ich werde vor dem Parteitag durchs Land touren, werde Rede und Antwort stehen.“

„Mehr Türkis“ hat nicht ganz geklappt im Land. Wird es jetzt wieder mehr Schwarz geben?

Ich sehe keinen Unterschied zwischen Schwarz und Türkis, das sind Kampagnenfarben. Die Partei steht für Werte, die sich nicht verändert haben.

Sie haben auch gesagt, dass Sie Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl sein werden …

Ich bin bereit, für fünf Jahre diese Wahl vorzubereiten, dann gibt es Gremien und Beschlüsse. Aber ich bin bereit, Spitzenkandidat zu sein.

Die Gemeinderatswahl 2022 kann man als Ihre erste große Herausforderung sehen, oder?

Das ist nicht nur eine Herausforderung, sondern ein Herzensanliegen. Wir haben überall gute Kandidaten und werden alles tun, um in den Gemeinden stark zu bleiben.

Mit wie viel Prozent Zustimmung rechnen Sie beim Parteitag?

Ich werde durchs Land touren, werde Rede und Antwort stehen und wenn ich das getan habe, bin ich mir sicher, wird es auch hohe Zustimmung geben. Die gibt es dann, wenn die Leute spüren, dass man für etwas brennt. Und das tue ich.