Bachkönigs Erinnerungen an Fall des Eisernen Vorhangs. Der Abbau des Grenz-Zaunes jährt sich dieser Tage zum 30. Mal. Autor Wolfgang Bachkönig hat zur Fluchtbewegung Interviews mit 53 Zeitzeugen geführt.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 26. Juni 2019 (05:29)
Wolfgang Millendorfer
Wolfgang Bachkönig. Der passionierte Autor arbeitete fast zwei Jahre an seinem Buch. Erhältlich ist es ab 18. Juli unter bachkoenigw@gmx.at und der Nummer 0664/856 32 79 bzw. office@aumayer.co.at. Foto: Millendorfer

Das Burgenland spielte eine der Hauptrollen in jenem historischen Sommer: Als der Eiserne Vorhang am 27. Juni 1989 bei St. Margarethen medienwirksam durchtrennt wurde, hatten die ersten Flüchtlinge aus der DDR ihren „Weg in die Freiheit“ bereits hinter sich.

Wolfgang Millendorfer
Das Buch von Wolfgang Bachkönig. Foto: Millendorfer

An sie erinnert der Ruster Wolfgang Bachkönig in seinem sechsten Buch: Unter dem Titel „Sommer 1989“ lässt er Flüchtlinge, Helfer und Exekutivbeamte zu Wort kommen. Detailliert zeichnet Bachkönig all diese Schicksale und historischen Fakten auf 740 Buchseiten nach.

Der pensionierte Polizeibeamte machte bereits mit Büchern über den Ungarnaufstand 1956 oder zum „Tatort Burgenland“ auf sich aufmerksam. Im aktuellen Fall geht das Interesse auch auf die eigene Familiengeschichte zurück.

„Meine Großeltern wurden als ,Volksdeutsche‘ einst selbst aus Ungarn vertrieben. Als sie 1949 aus Deutschland wieder in ihre Heimat zurückreisen wollten, hatte sich der Eiserne Vorhang bereits geschlossen und sie landeten in Rust“, erzählt Bachkönig im BVZ-Gespräch über seine Beweggründe zur Auseinandersetzung mit der Grenze. Schon vor elf Jahren kam es zum ersten Gespräch zwischen dem Autor, einem Fluchthelfer aus Mörbisch sowie einem damals Geflüchteten.

Authentischer Blick auf die Geschichte

Vor zwei Jahren nahm Bachkönig die Arbeit an dem Projekt wieder auf; am Ende hatte er 53 Interviews und unzählige Telefonate geführt, Archive durchstöbert, Fotos und Dokumente zusammengetragen. Dabei betont er, dass er kein Historiker im herkömmlichen Sinn sei: „Ich bin ein historisch interessierter Autor. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe ich täglich drei bis fünf Stunden an dem Buch gearbeitet.“

Das Ergebnis ist beeindruckend und authentisch: Neben den Geschichten der Flüchtlinge und den Schilderungen der Helferinnen und Helfer, die teilweise sogar für Verhöre festgenommen wurden, kommen prominente Zeitzeugen wie Alt-Landeshauptmann Hans Sipötz oder der damalige ungarische Grenzbeamte Bella Árpád zu Wort.

Letzterer war es auch, der inmitten des Flucht-Tumultes die Übersicht behielt, Nervenstärke zeigte und sich gegen die Anordnung eines Waffengebrauchs entschied. Durch diese – nicht gesetzeskonforme – Entscheidung hat er eine drohende Katastrophe verhindert und die Geschichtsschreibung entscheidend geprägt. Ebenso wie das Datum 19. August 1989, als beim „Paneuropäischen Picknick“ abermals St. Margarethen zum friedlichen Angelpunkt der Weltgeschichte wurde.

Wolfgang Bachkönig hat die Geschichte(n) verinnerlicht und gibt sie nun im Rahmen von Lesungen weiter. Präsentiert wird das Buch am 18. Juli im Seehof Rust (19.30 Uhr), viele weitere Termine folgen noch – im ganzen Land und auch jenseits der Grenzen: Denn das Interesse ist enorm.