Wahl: Am Klimaschutz kommt keiner vorbei. Klimawandel haben im Nationalrats-Wahlkampf alle Parteien im Fokus, Ansätze sind jedoch unterschiedlich.

Von Wolfgang Millendorfer und Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 11. September 2019 (08:09)
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Symbolbild

Was vor zwei Jahren das Thema Migration war, ist in diesem Nationalratswahlkampf der Klimaschutz: Als „Zukunftsthema“ steht der Kampf gegen den Klimawandel derzeit auch politisch an oberster Stelle – Experten warnen schon seit Jahren vor den Folgen und die Parteien betonen, dass „am besten sofort“ etwas geschehen müsse. Die BVZ hörte sich dazu bei den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten im Burgenland um.

Öffentlicher Verkehr und Regionalität

Am meisten spielt das Thema den Grünen im Wahlkampf in die Karten, das möchte auch Spitzenkandidatin Irmi Salzer nicht verneinen: „In unserem Wahlprogramm sind alle Bereiche mit Klimaschutz in Zusammenhang gebracht. Die Klimakrise ist für uns die größte soziale Frage.“ Die Biobäuerin selbst bemüht sich um einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck: „Meine Nahrung beziehe ich fast ausschließlich von meinem Bauernhof, außerdem bin ich so weit wie möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und ich kaufe Second-Hand-Kleidung.“

ÖVP-Listenerste Gaby Schwarz zieht auch eine Parallele zum Bio-Plan im Burgenland: „Es ist aus meiner Sicht wichtig, vor allem auch zur Regionalität zu greifen. Wenn Produkte hunderte Kilometer weit transportiert werden, dann frage ich nach der Sinnhaftigkeit.“

Der öffentliche Verkehr sei ebenfalls ein wichtiger Ansatz: „Es geht darum, Möglichkeiten für Pendlerinnen und Pendler zu schaffen und nicht darum, sie zu bestrafen“, meint Schwarz im Hinblick auf die Diskussionen um eine CO2-Steuer. Sie selbst kaufe so viel wie möglich regional ein, so die ÖVP-Spitzenkandidatin: „Außerdem beziehe ich mein komplettes Obst aus dem eigenen Garten, bin eine strenge Mülltrennerin und versuche, Plastik beim Einkauf zu vermeiden.“

Klimaschutz in die Bundesverfassung?

„Klimaschutz bedeutet für mich Kinderschutz, weil es um die Zukunft unserer Kinder geht“, hält SPÖ-Spitzenkandidat Christian Drobits seinen persönlichen Zugang zum Thema fest. Wie sein Parteikollege und Listenzweiter Maximilian Köllner spricht er sich daher dafür aus, den Klimaschutz als Staatsziel in der Bundesverfassung festzuschreiben.

Neben der weiteren Stärkung der Erneuerbaren Energie verweist Drobits unter anderem auch auf den Aspekt des Schutzes von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Symbolisch bringt er im Zuge seiner „30-Tage-Tour“ zu jedem Tourstopp auch einen Wildkirschen-Baum mit und versucht persönlich, mit der Familie weitgehend Plastik zu vermeiden.

Auch persönliche Klimabilanz im Fokus

FPÖ-Spitzenkandidat Norbert Hofer hält fest, dass die FPÖ „im Gegensatz zu anderen Parteien nicht von einem ,Klimanotstand‘ spricht und in Hysterie verfällt“. Er plädiert für die Einsetzung eines Klima- und Energierates. Ein weiterer Ansatz: „Zu allererst müssen wir die Abhängigkeit von Erdöl beenden, Österreich hat ausreichend erneuerbare Ressourcen, um den Strombedarf des Landes abzudecken.“ Hofer selbst hat zuhause in Pinkafeld eine Photovoltaik-Anlage und baut Obst und Gemüse selbst an. In Wien legt er viele Strecken mit einem Elektro-Scooter zurück.

Für die schrittweise Einführung einer CO2-Steuer sprechen sich die NEOS aus, wie Spitzenkandidatin Anna Bozecski betont: „Damit können die Konsumentinnen und Konsumenten ihre Verhaltensmuster anpassen. Sie ist der fairste und effizienteste Weg, um die Emission von Treibhausgasen zu verringern und schafft Anreize für klimafreundliche Innovationen und Investitionen.“ Bozecski setzt ein Zeichen, indem sie „zu 90 Prozent vegan lebt“ und bei Reisen auf den Zug umsteigt.

Die „Liste Jetzt“ setzt beim Thema vor allem auch auf Tierschutz – besonders bei Massentierhaltung sei die Produktion zu einem großen Teil für Treibhausgasemissionen verantwortlich, kritisiert Frontfrau Herta Emmer. Sie selbst isst bio, seit es Bio-Zertifikate gibt: „Außerdem verwende ich seit meiner Matura nur naturnahe Putzmittel, habe eine ÖBB-Jahreskarte und kaufe nachhaltige Kleidung.“