So wurde beim SV Mattersburg geschummelt. Manipulierte Zuschauerzahlen beim SV Mattersburg: Bei „starken“ Spielen ließ Martin Pucher über die Commerzialbank bis zu 3.500 Eintrittskarten ankaufen.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 06. Mai 2021 (05:58)

Woher kommen all die Gäste im VIP-Zelt und wie viele Zuschauer waren bei den Spielen des SV Mattersburg wirklich auf der Tribüne? Auf so manche Fragen, die sich in der Vergangenheit viele SVM-Fans gestellt haben, bringen die Ermittlungen zur Causa Commerzialbank nun späte Antworten ans Licht.

In den zuletzt aufgetauchten Protokollen zu den Befragungen von Ex-Commerzialbank-Chef und SVM-Präsident Martin Pucher ist nicht nur von Schwarzgeld-Zahlungen an vier ehemalige Spieler und einen früheren Trainer die Rede – fast noch spannender sind Puchers Ausführungen zur Manipulation von Zuschauerzahlen und groß angelegten Ankäufen von teuren VIP-Karten. „Jährlich wurden rund 60 bis 70 VIP-Jahreskarten zusätzlich angekauft“, gibt Pucher zu Protokoll. Neben diesen Karten, die am Papier einzelnen Firmen zugeschrieben wurden, ließ Pucher über die Bank bei großen Spielen – gegen Rapid, Austria oder Salzburg – mehrere hundert VIP-Tageskarten ankaufen. „Bei diesen Spielen hatten wir oft auch 1.100 bis 1.500 Personen im VIP-Zelt.“ Der Preis einer VIP-Karte kletterte im Lauf der Zeit von 100 auf 192 Euro.

Im Lauf der Jahre wurden die Lücken auf den Rängen größer, in der Bilanz der Zuschauerzahlen wirkte sich das aber nicht ganz so drastisch aus. Mittlerweile ist klar: Auch hier wurde geschummelt. 
Ivansich

Mit noch größeren Zahlen wurde im Stehplatz-Bereich und auf der Tribüne jongliert: „Bei Spielen gegen Rapid Wien waren es bis zu 3.500 Karten“, sagt Pucher über Zuschauer, die nur in den Bilanzen existierten und auch über die Stadion-Lautsprecher verkündet wurden. Zugleich wurden selbst Kantinen-Umsätze nach oben revidiert.

Woher das Geld für die Eintrittskarten kam? Es wurde über die Bank „organisiert“, so Pucher: „Ich kann nicht einmal ausschließen, dass anfangs ein Teil des Geldes auch von TOTO-Gewinnen stammte.“

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Pucher selbst schätzt, dass insgesamt rund 40 Millionen Euro aus der Bank entnommen und in den SVM eingebracht wurden. In einer früheren Vernehmung ging man sogar noch von bis zu 80 Millionen aus. Höhere Einnahmen des Fußballklubs wurden jedenfalls mitunter auch durch gefälschte Sponsoringverträge dargestellt.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, die gegen 30 Beschuldigte ermittelt, kommentiert keine Details. Fest steht, dass Puchers Kooperation rein juristisch keine „Vorteile“ bringt. Pucher-Anwalt Norbert Wess weist darauf hin, dass man den Behörden volle Zusammenarbeit zugesagt habe. Die Motivation sei eine rasche Aufklärung: „Mein Mandant kann nur so einen Beitrag leisten, dass der eingetretene Schaden allenfalls so niedrig wie möglich gehalten werden kann“, so Wess.