„Wer was braucht, geht zum Pucher“. Wie sehr der altbekannte Spruch zutraf, zeigen genaue Listen, die der BVZ vorliegen.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 22. Oktober 2020 (05:55)
Puchers System. Der Bank-Chef ließ detaillierte Listen führen, auch über Geschenke für Kunden und Mitarbeiter (Faksimile rechts).
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Das „System Martin Pucher“ war – wie sich diesen Sommer herausstellte – nicht nur ein in seiner Gänze noch immer undurchschaubares Netz aus Bilanzen und mitunter falschen Konten, sondern auch eines der großzügigen Spenden.

Der BVZ liegt nun eine gesamte Auflistung des Sponsorings durch die Commerzialbank vor, detaillierte Listen über Sachspenden und finanzielle Unterstützung seit dem Jahr 2004, mit namentlichen Vermerken, wer angefragt, wer etwas erhalten hatte und bei welchen Anfragen es Absagen gab.

Was in der – für die Empfänger und involvierten Mitarbeiter grundsätzlich unverfänglichen – Liste auffällt: Vereine und Institutionen aus der gesamten Region Mattersburg finden sich da-rin ebenso wie SPÖ- und ÖVP-nahe Einrichtungen.

Von klaren Regeln für das Sponsoring von Fußballvereinen und einzelnen Sportlerinnen und Sportlern über eine penible Auflistung von Kundengeschenken bis hin zur Unterstützung von Vereinen, Einrichtungen und Schulen, findet sich hier jede noch so kleine – oder größere – Zuwendung.

Kostproben: Als Weihnachtsgeschenke der Commerzialbank verteilt wurden unter anderem Parmesandosen mit Sekt oder Wein für namhafte Kunden (Kostenpunkt: jeweils 26 Euro), Angestellte bekamen Waffeleisen (50 Euro), Mixer (96 Euro) oder andere Küchengeräte, für Firmenkunden gab es Reisetaschen (105 Euro), Sommerdecken (30 Euro), Gewürz-Sets (32 Euro) oder Ähnliches.

Von der Parkbank bis zur Hilfsprojekt-Spende

Eine Schule durfte sich etwa über zwei Parkbänke für den Garten freuen, eine andere über einen Zuschuss für die Fahrt zur TV-Sendung „1, 2 oder 3“. Eine Schule in Eisenstadt hingegen wurde nicht unterstützt – mit dem Vermerk: „Machen wir nichts, kein Einzugsgebiet.“

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Als Tombola-Geschenke gab‘s VIP-Karten für SVM-Matches, für Sportvereine dutzende Pokalspenden und unzählige Vereinsfeste erhielten Unterstützung mit Sachspenden oder mit Beträgen zwischen 300 und 1.000 Euro. Geld gab es auch für soziale Einrichtungen und Hilfsprojekte, in der Regel mehr als für kleine Vereine.

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Was die Unterstützung für regionale Projekte und Veranstaltungen angeht, handelt es sich auf den ersten Blick durchwegs um übliches Sponsoring mit Gegenleistungen wie der Platzierung von Transparenten oder Werbe-Artikeln der Commerzialbank. Auch Geschenke für Kunden sind nicht selten (wenn sie in diesem Fall insgesamt besonders großzügig erscheinen). Kurzum war der Spruch nicht nur im Bezirk Mattersburg bekannt: „Wer was braucht, geht zum Pucher …“

So stellte sich der Bankchef und Fußballpräsident öffentlich als Mäzen dar – und er war in gewisser Weise auch einer. In der Rückschau jedoch erscheint die Großzügigkeit angesichts der weitreichenden Vorwürfe und der Höhe des Schadens in einem anderen Licht.

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Die Liste der Geschenke und Sponsorentätigkeit ist jedenfalls ebenso Bestandteil der umfassenden Ermittlungen, wie aus dem Akt, der der BVZ vorliegt, ersichtlich ist.