Hinweise auf dubiose Kredite wohl schon 2015. Im Fall um die Commerzialbank Mattersburg sollen der Bankenaufsicht bereits 2015 konkrete Hinweises auf dubiose Kredite vorgelegen sein. Einem Bericht des "profil" zufolge war die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) jedoch nicht in der Lage, den Sachverhalt bei einer Vor-Ort-Prüfung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln aufzuklären.

. Erstellt am 01. August 2020 (11:28)
Symbolbild
APA/ROBERT JAEGER

Laut dem Medienbericht wurden Finanzmarktaufsicht und Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft im Juni 2015 darüber informiert, dass die Commerzialbank Mattersburg Kredite im Volumen von insgesamt 50 Millionen Euro führte, die nur vom nunmehrigen Ex-Vorstandschef Martin Pucher und von zwei weiteren Kollegen betreut wurden. Die entsprechenden Kredite sollen sich von anderen unterschieden haben. Einerseits soll im System entweder Vor- oder Nachnahme der Kunden in Großbuchstaben geschrieben worden sein, andererseits sollen die Kreditnummern nicht wie üblich mit der jeweiligen Filialkennung begonnen haben, sondern mit der Kombination 58.

Wie das "profil" außerdem berichtete, war der Jahresabschluss der Commerzialbank zum 31. Dezember 2019 kurz vor der Fertigstellung, bevor die Malversationen aufgedeckt wurden. Ausgewählte Bankkunden sollen von Pucher im Juni eine sogenannte vorläufige Fassung der 2019er Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung erhalten haben.

Puchers Anwalt Norbert Wess zerstreute unterdessen im "Kurier" (Samstagsausgabe) Gerüchte, dass der 64-jährige Ex-Bankchef aus gesundheitlichen Gründen vernehmungs- sowie im Fall einer Anklageerhebung auch verhandlungsunfähig sein könnte. "Herrn Pucher ist es jedenfalls ein Anliegen, dass sein - zugegebenermaßen: äußerst schlechter - Gesundheitszustand ihn in keiner Weise von seinen Verantwortlichkeiten exkulpiert, die er weiterhin vollinhaltlich übernimmt", wurde der Jurist zitiert. Ärztliche Gutachten in diesem Zusammenhang seien nicht geplant.