U-Ausschuss: Das „Naja“ des Herrn H.. Zweite Halbzeit im U-Ausschuss. Auftritt des dritten Ex-Vorstandes bleibt in Erinnerung: „Naja, wenn‘s der Pucher sagt …“

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 21. Januar 2021 (05:55)
Der Schriftzug der Mattersburger Bankzentrale wurde bereits abmontiert. Im U-Ausschuss geht die Spurensuche weiter.  
Millendorfer

Vom ehemaligen Amtmann bis zum ehemaligen Landeschef reicht die Liste der Auskunftspersonen im Commerzialbank-U-Ausschuss, der in Eisenstadt wieder im vollen Gange ist. Am ersten Befragungstag des neuen Jahres war zuletzt auch Ex-Vorstand Walter H. vor den Ausschuss geladen. Anders als die beiden anderen Vorstände, Martin Pucher und Franziska Klikovits, ist H. nicht geständig, es läuft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen ihn.

Das erschwerte auch die Befragung enorm, H. versuchte sich immer wieder zu entschlagen, selbst bei den einfachsten Fragen, wie jener, ob es denn Vorstandssitzungen gegeben habe oder was in gewissen – der Staatsanwaltschaft ohnehin vorliegenden – Verträgen gestanden sei. Dass Verfahrensrichter Walter Pilgermair, der Entschlagung stattgeben musste, zeigte für die Ausschuss-Mitglieder vor allem eines: Dass H. die von Pucher vorgelegten Verträge und Protokolle nie stattgefundener Sitzungen blind unterschrieben habe.

Kassier war eigentlich kein Fußball-Fan

H. nannte sich anfangs noch einen „Compliance-Experten“. Auf die Fragen sowohl von der SPÖ als auch der FPÖ, ob die vielen Gold- und Silber-Geschenke denn nicht ein Compliance-Verstoß seien, wurde H. kleinlaut: „Naja, schon.“ Ein Kuriosum war H.s Tätigkeit als SV-Mattersburg-Kassier. Eigentlich sei er ja gar kein Fußball-Fan, gestand er, den Posten habe er nur angenommen, weil: „Naja, wenn‘s der Pucher sagt.“ Markus Ulram (ÖVP) platzte der Kragen: „Wissen Sie denn nicht, dass Sie als Kassier haftbar sind?“ H.: „Naja. Nein.“

Die Unwissenheit des Ex-Bankvorstandes interpretierten die Ausschuss-Mitglieder für sich. Regina Petrik (Grüne) hatte eine klare Antwort: „Wir haben schon mitbekommen, dass Sie wenig mitbekommen haben.“ Nicht einmal die mehrmonatige Prüfung der FMA: „Naja, da war ja Lockdown dazwischen …“