ÖGB und AK wollen Halbe-Halbe bei der Teilzeit fördern. Teilzeit wird hauptsächlich von Frauen in Anspruch genommen – mit allen nachteiligen Folgen für Einkommen und Berufschancen bis zur Pension. „Die Familienarbeitszeit soll das ändern und Frauen raus aus der Teilzeitfalle holen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. „Wenn beide Elternteile zwischen 28 und 32 Stunden pro Woche arbeiten, soll es dafür einen finanziellen Anreiz geben.“

Von Redaktion NÖN.at und Redaktion BVZ.at. Erstellt am 02. August 2021 (09:08)
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ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann ergänzt: „Diese Förderung beträgt 250 Euro pro Monat pro Elternteil. Sie kann einen wichtigen Unterschied machen bei der zukünftigen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern.“

Eltern kommen im Durchschnitt auf eine Erwerbsarbeitszeit von 60 Stunden in der Woche. Diese wird aber nicht gleich zwischen den Eltern aufgeteilt. Zumeist geht nur die Frau in Teilzeit, und verringert ihre Arbeitszeit auf rund 20 Stunden. Der Mann arbeitet weiter Vollzeit und macht sogar Überstunden. Ursache: Eltern wollen den Einkommensverlust insgesamt möglichst geringhalten, daher wird nur die ohnedies niedriger bezahlte Erwerbsarbeit der Frau verringert.

„Das neue ÖGB/AK-Modell der Familienarbeitszeit sieht vor, Halbe-Halbe finanziell mit monatlich 250 Euro pro Elternteil zu fördern und Einkommensverluste abzufedern", erklärt Schumann. "Frauen profitieren von besseren Einkommen, Männer von mehr Familienzeit und Kinder von mehr Zeit mit ihren Vätern.“

„Das ist transparent, einfach zu verwalten und verteilungspolitisch positiv, weil niedrigere Einkommen relativ mehr bekommen", ist Anderl überzeugt. "Für Eltern mit niedrigeren Einkommen ergibt mehr Partnerschaft in Form der Familienarbeitszeit sogar einen Gewinn. Das beugt Armut in Familien vor.“

Die Eckpunkte des Modells:

  • Arbeitszeitausmaß: 28 bis 32 Stunden pro Woche.
  • Dauer: Untergrenze von mindestens 4 Monaten, maximal kann Familienarbeitszeit-Geld bis zum 4. Geburtstag des Kindes bezogen werden.
  • Entgeltersatz: 250 Euro Pauschale pro Elternteil pro Monat. + Alleinerziehende, die ebenfalls zwischen 28 bis 32 Stunden arbeiten, sollen den gleichen Bonus wie ein Elternteil bei der Familienarbeitszeit erhalten.

Beispiel:
Ohne Familienarbeitszeit Mit Familienarbeitszeit Frau 20 Stunden/Woche Frau 32 Stunden/Woche Mann 40 Stunden/Woche Mann 32 Stunden/Woche 2.700 Euro Haushaltsnettoeinkommen 3.200 Euro Haushaltsnettoeinkommen

(Berechnungsbasis: Statistik Austria Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern 2019, Stand 18.12.2020, Medianeinkommen)